Aachen - Chorbiennale: Begeisterter Beifall für „Mikaeli Kammarkörs“ im Rathaus

Chorbiennale: Begeisterter Beifall für „Mikaeli Kammarkörs“ im Rathaus

Von: Pedro Obiera
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Überzeugte im Krönungssaal: der „Mikaeli Kammarkör“ aus Stockholm. Foto: Andreas Schmitter

Aachen. Der Glanz der blühenden skandinavischen Chorlandschaften, der von Legenden wie Eric Ericson maßgeblich aufpoliert wurde, strahlt seit langem auch auf die europäische Chorszene aus. Davon profitiert auch Fritz ter Wey, der Gründer und Leiter des „Jungen Chores Aachen“.

Er hat nicht nur bei Ericson studiert, sondern pflegt seit 1978 eine enge Freundschaft mit seinem schwedischen Kollegen Anders Eby, der vor fast 50 Jahren in Stockholm den „Mikaeli Kammarkör“ gründete und zu internationalem Ansehen brachte.

Bereits drei Mal gastierte der Chor in Aachen, so dass die Erwartungen bei seinem Auftritt im Rahmen der Chorbiennale im gewohnt dicht gefüllten Krönungssaal hoch gespannt waren und nicht enttäuscht wurden.

Ein einziges Werk hatten die schwedischen Gäste im Gepäck, aber eins von besonderem Gewicht und einer Klangschönheit, die man von neueren, oft etwas spröde anmutenden Chorwerken nicht unbedingt erwartet. Alfred Schnittke, einer der bedeutendsten russischen Komponisten der Nachkriegszeit, orientierte sich in seinem gewaltigen „Konzert für Chor“ aus dem Jahre 1986 an der Ausdruckskraft und voluminösen Klanglichkeit der russisch-orthodoxen Musik, die er behutsam mit neueren harmonischen und rhythmischen Finessen durchsetzte, so dass das viersätzige, auf mittelalterliche, geistliche Texte von Gregor von Narek gestützte Werk unmittelbar anspricht, ohne altmodisch zu wirken.

Voraussetzung ist allerdings, dass man auch die Schwierigkeiten so souverän meistern kann, dass ein rundum ausgeglichenes Klangbild mit seidigen Sopranen, warmen Mittelstimmen und substanzreichen Bassen entsteht, mit dem sich eine dynamische Palette von zartesten Pianissimi bis hin zu überwältigenden, gleichwohl kontrollierten Höhepunkten realisieren lässt. Voraussetzungen, die die schwedischen Sänger vorbildlich erfüllten.

Eine hohe qualitative Messlatte setzte bereits im ersten Teil „Der Junge Chor Aachen“ mit zwei nicht minder originellen und packenden Werken aus der spanischen Ecke. Der 2015 in Barcelona verstorbene Altmeister Manuel Oltra i Ferrer spart in seinen „Tres Andaluzas“ (Drei andalusische Stücke) nicht mit spanischem Kolorit, ohne jedoch folkloristischen Klischees zu verfallen.

Noch dunkler schattiert präsentieren sich die sieben „Romancero Gitano“ (Zigeuner-Romanzen) von Mario Castelnuovo-Tedesco auf Texte von Federico Garcia Lorca. Stimmungsvolle, stilistisch vielfältig gestrickte Gesänge, die durch eine zusätzliche Gitarren-Stimme, vorzüglich ausgeführt von Gergö Olgyay, zusätzlichen Reiz enthalten. Dass alle Gesänge beim mittlerweile über 50 Jahre bestehenden und nach wie vor von Fritz ter Wey brillant geschulten „Jungen Chor“ bestens aufgehoben waren, versteht sich von selbst.

Wiederum begeisterter Beifall für alle Beteiligten, die sich am Ende zu einem wunderschönen schwedischen „Sommarpsalm“ von Waldemar Åhlén zusammenschlossen.

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