„Chaostheater“: Kleine Gruppe hat die große Bühne erobert

Von: Kathrin Albrecht
Letzte Aktualisierung:
4769170.jpg
Der „Kleine Prinz“ im großen Schauspielhaus: Das „Chaostheater“ bewies seine Qualität bei zwei Sondervorstellungen in einer besonderen Kooperation. Foto: Andreas Schmitter

Aachen. „Das war eine unserer besten Vorstellungen überhaupt“, sagt Thomas Becker, als der letzte Vorhang an diesem Abend für die Aufführung des „Kleinen Prinzen“ gefallen ist. Dem „Chaostheater“ aus dem Aachener Osten“ ist mit der Bühnen-Adaption der Erzählung von Antoine de Saint-Éxupery nicht nur eine sehr stimmungsvolle Inszenierung gelungen, es hat mit dem Stück auch den Sprung von der Bühne im Gemeindezentrum St. Fronleichnam auf die Bretter, die die Welt bedeuten, geschafft.

Für zwei Tage gastierte das Ensemble in der Kammer des Theaters Aachen. Dass das Chaostheater dieses Gastspiel wahrnehmen konnte, verdankt es einem Fan – Dr. Stefan Weismann, Präsident des Landgerichts Aachen und bis Juli des vergangenen Jahres noch Vorgesetzter von Thomas Becker, der im Stück den Piloten spielt, verfolgt die Arbeit des Ensembles seit einigen Jahren und ist begeistert. „Dieses Theater bietet Jugendlichen die Möglichkeit, sich einzubringen. Sie verbessern ihre Sprachkompetenz, erfahren Anerkennung. Das ist wichtige Arbeit mit Jugendlichen, gerade in einem Viertel wie Aachen-Ost“, so Weismann.

Diese Arbeit, auf und hinter der Bühne einem größeren Publikum sichtbar zu machen, das war die Idee hinter dem Gastspiel im Theater Aachen. „Es gibt in Aachen einige Theaterinitiativen wie das Chaostheater. Warum nicht die Spielstätten, die wir in der Stadt haben, für diese Initiativen öffnen und ihnen auf dieses Weise ermöglichen, für ihre Arbeit zu werben?“ Das zweite ist der finanzielle Aspekt. Theaterinitiativen wie da Chaostheater erhalten keine Förderung, sind auf Sponsorengelder angewiesen. Gastspiele in Aachens Spielstätten wären eine Möglichkeit, einen Teil des Budgets selbst einzuspielen.

Im Falle des Chaostheaters gab es grünes Licht, Intendant Michael Schmitz-Aufterbeck war auf Anhieb bereit, das Gastspiel zu ermöglichen. Zunächst einmal hieß das für das Chaostheater noch einmal Arbeit, denn das Stück musste an die Bühne der Kammer angepasst werden. „Tatsächlich ist die Bühne kleiner. Das schränkte unsere Möglichkeiten, mit dem Raum und mit dem Publikum zu arbeiten, etwas ein. Andererseits bedeutet eine kleine Bühne auch kurze Wege, und das ist nicht das Schlechteste“, beschreibt Thomas Becker die Veränderungen, die vorgenommen werden mussten.

Ein besonderer Ansporn

Für das Ensemble waren die beiden Aufführungen ein besonderer Ansporn: „Unsere Hauptdarstellerin Jana Lakowski hatte vor der Aufführung gesagt, wir gehen heute bis zum äußersten“, erzählt Thomas Becker schmunzelnd. Belohnt wurde dieser Einsatz mit zwei ausverkauften Vorstellungen. Manch einer unter den Theaterbesuchern mochte kaum glauben, dass das Ensemble des Chaostheaters wirklich aus Laienschauspielern besteht. Ob es auch ein finanzieller Erfolg war, muss sich erst noch herausstellen. „Wir hoffen, dass wir die Kosten für die Stückanpassung mit dem Einspielergebnis decken“, resümiert Thomas Becker.

Leserkommentare

Leserkommentare (0)

Sie schreiben unter dem Namen:



Diskutieren Sie mit!

Damit Sie Artikel kommentieren können, müssen Sie sich einmalig registrieren — bereits registrierte Leser müssen zum Schreiben eines Kommentars eingeloggt sein. Beachten Sie unsere Diskussionsregeln, die Netiquette.

Homepage aktualisiert

Finden Sie jetzt neue aktuelle Informationen auf unserer Startseite

Wieder zur Homepage

Die Homepage wurde aktualisiert