Aachen - Centre Charlemagne: Der Schiffsbug wartet auf Karls Schätze

Centre Charlemagne: Der Schiffsbug wartet auf Karls Schätze

Von: Thorsten Karbach
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Raum der Dauerausstellung: 800
Raum der Dauerausstellung: 800 Quadratmeter misst die Fläche, auf der Aachens Geschichte ausgebreitet wird. Fußbodenheizungen wurden jetzt verlegt, die Klimatisierung spielt eine wichtige Rolle im Haus. Wie ein Schiffsbug liegt der Raum für die Wechselausstellung im Blickfeld. Foto: Steindl

Aachen. Mitten in diesem gewaltigen Dreieck öffnet sich der Blick. Es ist dieses kleinere, ebenfalls dreieckige Fenster, das die Architektur des Centre Charlemagne so beeindruckend abrundet.

Die Bauarbeiten am umfassend umgebauten ehemaligen Verwaltungsgebäude am Katschhof gehen in die heiße Phase - gerade wurden die Fußbodenheizungen eingezogen. Noch braucht es eine Lastwagenladung Fantasie, um hinter den neuen Panoramascheiben ein gemütliches Café mit Ausblick auf Dom und Rathaus auszumachen. „Das wird einer der schönsten Plätze in Aachen”, sagt Schuh. 160 Quadratmeter bekommen Tische, Stühle und Theke, doch noch sind die Wände nackt, lediglich Kabel hängen von der Decke.

Katschhof ein stiller Platz

Die Arbeiter stehen sprichwörtlich unter Strom. Außengastronomie wird es übrigens nicht geben. Abseits der vielen Veranstaltungen soll der Katschhof ein „stiller Platz” bleiben, erklärt Schuh. Zudem gibt es keine Türen vom Café ins Freie, nur die große Eingangsschleuse. Alles andere würde das klimatische Konzept des Hauses durcheinander wirbeln.

Denn hier, wo 200 Quadratmeter Raum für Wechselausstellungen geschaffen werden, wird der Blick durch die neue Decke auf das Rathaus gelenkt. Ein Bild zum Einrahmen. „Sehr schön, oder?”, fragt Brigitte Schuh, Projektleiterin des städtischen Gebäudemanagements für das neue Centre Charlemagne.

Das hat es in sich: So wird die gesamte Klimatisierung über Böden, Decken und Wände erfolgen. Quasi überall werden dafür Heizschlangen und Kühlelemente eingezogen. Zig Kilometer Heizschläuche werden ausgerollt und später unter schmuckem Blaustein verschwinden. Im Februar 2013 soll alles fertig sein.

Statt 31 Millionen Euro für das Bauhaus-Projekt, das bekanntlich per Bürgerentscheid gestoppt wurde, wurden laut Schuh nun also 15,5 Millionen Euro in den Umbau investiert. Samt Ausstellung wird mit 19 Millionen Euro kalkuliert. Dafür gibt es das eigentliche Centre Charlemagne als stadtgeschichtliche Station der Route Charlemagne, aufgemöbelte Flure für Verwaltung und Fraktionen sowie den neuen Bürgerservice an der Papst-Johannes-Paul-II.-Straße. Und eigentlich sind es nun zwei Gebäude in einem, denn Verwaltung und Centre haben unterschiedliche Zugänge.

Im Eingangsbereich des Centre sollen sich Museumsshop und Kasse auszahlen. Hier wird auch der „Aixplorer”, dieser im Rathaus bereits eingesetzte digitale Museumsführer, ausgegeben. In einem dritten Schritt soll die Technologie, ertüftelt von Informatikern der RWTH, auch in der Aachener Altstadt die Besucher leiten. Im Centre Charlemagne wird er in eine bewusst interaktive Reise durch Aachens Geschichte führen, die von Thomas Müller konzipiert wird. „Dreieckige Räume sind nicht so einfach zu bespielen”, erklärt Schuh. Eine Herausforderung, die die Macher gerne annehmen.

Über den Köpfen „schweben” die 121 Dreieckselemente, die das später einmal begrünte Dach zusammensetzen. Mitten in der Dauerausstellung ruht der kleinere, ebenfalls dreieckige Baukörper für die Wechselausstellungen - etwa für Schätze aus Kaiser Karls Wunderkammer 2014 - „wie ein Schiffsbug”, beschreibt es Schuh. Unter Volldampf gehen die Arbeiten unter diesem Bug weiter - hier kommt ein Geschichtslabor hin.

Für ein großes Stadtmodell muss ein Stück Fußbodenheizung ausgespart werden. Sie würde das Gewicht kaum tragen können. Auch im Schiffsbug heißt es in Sachen Klimatechnik: volle Kraft voraus. „Damit werden wir Leihgaben bekommen, die wir sonst so niemals erhalten würden”, berichtet Schuh. So überschaubar das alte Verwaltungsgebäude von außen wirkt, so sehr gewinnt es durch den Umbau an innerer Größe. Für den Ausstellungsbereich ist das alte Parkhaus für die Fraktionen weggefallen. Ansonsten galt es für den Generalplaner von „hks architekten”, mit den Vorgaben der 1960er Jahre zu arbeiten - etwa bei den Deckenhöhen.

In diesen Tagen ziehen die Fraktionen in die Verwaltungsflure ein, Teile der Behörden folgen, am 8. November soll voraussichtlich der Bürgerservice seinen Dienst aufnehmen. Auch hier sind große Panoramascheiben ein Hingucker. Der Blick fällt auf die prächtigen Häuser an der Ecke Jakobstraße. Fünf Arbeitsplätze werden eingerichtet, mit halbhohen Wänden und schwarzen Rahmen wird bewusst die ursprüngliche Architektur aufgegriffen. Platz ist für 40 Wartende. Und es wird sogar möglich, Termine zu vereinbaren.

Großer Resonanz erfreut sich das gesamte Haus aber schon vor der Eröffnung: unter Tauben. Die fliegen buchstäblich auf das neue Centre Charlemagne. Denn auf dem Dach wurde ein Taubenhaus errichtet, um die Population im Blick zu behalten. Das gelingt auf Anhieb. Ein ähnlicher Erfolg für das Museum ist nach Eröffnung ausdrücklich gewünscht.

Centre Charlemagne: Exklusive Führung für AZ-Leser

Einen Blick hinter die Kulissen des Centre Charlemagne bieten Aachener Zeitung und Stadt Aachen am Mittwoch 14. November, 17 Uhr, an. Projektleiterin Brigitte Schuh wird durch die Baustelle führen, Thomas Müller nimmt zur Ausstellungskonzeption Stellung.

Wer an der Führung teilnehmen möchte, schickt seine Bewerbung bitte mit Angabe einer Telefonnummer an: AZ-Lokalredaktion, Stichwort „Centre”, Postfach 500110, 52085 Aachen, Fax 5202-360, Mail: az-lokales-aachen@zeitungsverlag-aachen.de

Die Teilnehmerzahl ist begrenzt, gehen mehr Bewerbungen ein, entscheidet das Los. Die Teilnehmer werden rechtzeitig benachrichtigt.

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