CDU: Schlick will Baal ausbooten

Von: Robert Esser
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Will Harald Baal beerben: Meike Schlick

Aachen. Wie man sich in die Riemen legt, um ein Ziel zu erreichen, während andere baden gehen, hat Maike Schlick in Berlin gelernt. Nicht von der Bundespolitik, sondern im Ruderclub am Wannsee. In der Hauptstadt hat sie Architektur studiert. Nun bauen in Aachen offenbar mindestens 17 CDU-Ratsmitglieder darauf, dass die hoch aufgeschossene Stellvertreterin des Fraktionsvorsitzenden Harald Baal ihrem Chef das Ruder aus der Hand reißt.

Am Donnerstag will Schlick in der CDU-Fraktionsgeschäftsstelle einen Antrag auf Abwahl des umstrittenen Fraktionschefs abgeben. „17 Fraktionsmitglieder der CDU haben bereits unterschrieben, zwei überlegen noch“, rechnet Schlick vor. Insgesamt zählt die CDU-Ratsfraktion 28 Mitglieder. „Die Mehrheit hat kein Vertrauen mehr in Harald Baal“, stellt seine Vize fest. Wer das ist, will die Union geheim halten. Unterschrieben haben dem Vernehmen nach neben Schlick – unter anderem – die CDU-Ratsmitglieder Ralf Otten, Elke Eschweiler, Ernst-Rudolf Kühn, Ralf Demmer, Ferdinand Corsten und Michael Janßen.

Nach dem Aus für die Campusbahn war die Kritik aus den eigenen Reihen am Führungsstil Baals immer lauter geworden. Sein Kurs sei parteiintern zu autoritär, zu sehr nach den Wünschen des grünen Koalitionspartners ausgerichtet – sein Auftreten zuweilen arrogant und verletzend, auch in der eigenen Fraktionsgeschäftsstelle, hieß es. Am Montagabend hatte Schlick ihren Chef zum „Krisengipfel“ mit der CDU-Spitze geladen. Formuliert wurde eine Art Ultimatum. Baal sollte innerhalb von 24 Stunden seinen Sessel räumen. Aussöhnung ausgeschlossen. Die Frist verstrich, Baal blieb. Seitdem herrscht Funkstille. Dafür gibt es nun Post – den Antrag zur Abwahl.

Da der zweite Fraktionsvize Otten – falls Baal gehen muss – nicht kandidieren will, soll die Wahl auf Maike Schlick fallen. „Ich stehe zur Verfügung“, bestätigt sie. Und fügt hinzu: „Den Job könnte natürlich auch jeder andere aus unserer Fraktion machen.“ Nur Baal eben nicht – obwohl dessen Sachverstand und politische Kompetenz selbst von seinen Widersachern nicht in Zweifel gezogen wird, wie immer wieder ausdrücklich betont wird. Deshalb will Schlick, so sie denn Baal beerbt, den dann in die zweite Reihe verbannten Parteifreund „keineswegs ausgrenzen. Auch wenn das eine Herausforderung für beide Seiten wird.“

Der Fahrplan der 43-jährigen Mutter von zwei Kindern (14 und 20 Jahre) sieht so aus: Sobald der Antrag eingereicht ist, beginnt eine zehntägige Frist. Danach muss die Fraktion über die Abwahl abstimmen. Dies soll direkt nach den Osterferien geschehen. Wobei laut Schlick der Montag, 8. April, ausscheidet, weil die Chefin der Kreis-CDU, Ulla Thönnissen, zur Generalaussprache zum – aus Unionssicht – Campusbahn-Desaster geladen hat. Da dürfte die Personalie ebenfalls Wellen schlagen. Man schenkt sich in diesen Tagen nichts – auch wenn Baal bald 50. Geburtstag feiert.

Was Schlick ärgert: „Es wird jetzt von einigen so getan, als hätten wir mit der Abwahl von Harald Baal eine Spaltung der CDU ausgelöst. Da verwechselt man aber Ursache und Wirkung.“ Baal habe selbst den Keil getrieben – und dies über lange Zeit.

Ob die CDU-Fraktion mit Maike Schlick, die hauptberuflich als Projektkoordinatorin für die RWTH Campus GmbH arbeitet, einen neuen Kurs fährt, will man „zu gegebener Zeit im Team beraten“. Schlick will aber – „erstmal“ – die Koalition mit den Grünen nicht in Frage stellen. Da die Personaldebatte Baal seit Tagen auch von eher konservativen und Grünen-skeptischen CDU-Politikern von außen beeinflusst wird, könnte die Union bald auf mehr Dominanz drängen. Baals Vorgänger, Rolf Einmahl (jetzt Städteregionstag), und der ehemalige Personaldezernent der Stadt Aachen, Heinz Lindgens (jetzt neben Schlick stellvertretender CDU-Kreisvorsitzender), gelten nicht gerade als Freunde des jetzigen Fraktionschefs.

Schlick, in Bergisch-Gladbach geboren, in Grenoble und Berlin aufgewachsen, ist übrigens aus Liebe zu ihrem Ehemann, der hier an der RWTH promovierte, vom Wannsee zur Wurm gewechselt. 2009 ist sie im Rat aufgetaucht, hat sich als planungspolitische Sprecherin freigeschwommen. Zurückrudern war nie ihr Ding. Das hat sie am Mittwoch erstmals öffentlich bewiesen.

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