CDU: Parteitag verpasst Thönnissen schweren Dämpfer

Von: Oliver Schmetz
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Der neue Aachener CDU-Vorstand: Die Vorsitzende Ulla Thönnissen (2.v.r.) mit ihren Stellvertretern Holger Brantin (r.), Margrethe Schmeer, Wolfgang Königs und Schatzmeister Dieter Claßen (l.). Foto: Ralf Roeger

Aachen. Wenn die CDU-Vorsitzende die Arbeit ihrer Partei in Aachen und darüber hinaus in punkto Erfolg mit dem Werk der deutschen Fußball-Weltmeister im vorigen Sommer vergleicht, zeugt das durchaus von einem gesunden Selbstbewusstsein. Zu diesem Zeitpunkt ist die Welt für Ulla Thönnissen auf dem CDU-Kreisparteitag am Freitagabend in den Burtscheider Kurparkterrassen auch noch in Ordnung.

Doch dann kommen die Wahlen – und deren Ergebnisse verpassen der christdemokratischen Frontfrau einen schweren Dämpfer.

Denn Ulla Thönnissen wird zwar wiedergewählt, erhält aber nur 65 Prozent der Stimmen. Mit anderen Worten: 74 Delegierte stimmen mit Ja, aber immerhin 40 sagen Nein zur Vorsitzenden. Im Jahr 2012, als Thönnissen das Amt erstmals übernahm, hatte sie mit 93 Prozent ein hervorragendes Ergebnis eingefahren, 2013 waren es nach etlichen innerparteilichen Querelen immerhin noch 73 Prozent gewesen.

An diesem Abend folgen ihr nun noch weniger Parteifreunde als vor zwei Jahren. Dieses Ergebnis zaubert beileibe nicht das allseits erwartete Strahlen auf das Gesicht der Vorsitzenden. Auch ringsum sieht man etliche verwunderte Mienen, und so mancher Christdemokrat im Saal äußert bereits jetzt, wie „unerfreulich“ er diese Wendung eines Kreisparteitags findet, der mit einem Vortrag des prominenten Gastredners Jens Spahn, seines Zeichens Parlamentarischer Staatssekretär beim Bundesminister der Finanzen, eigentlich so harmonisch begonnen hat.

Doch für Ulla Thönnissen kommt es noch schlimmer. Die Vorsitzende, die in ihrer Rede mit den Worten „Never change a winning team“ – verändere nie eine siegreiche Mannschaft – an die Delegierten appelliert hat, ihrem kompletten Vorstandsteam die Stimme zu geben, muss mit ansehen, wie Michael Kirsch aus dem Vorstand gekegelt wird. Der stellvertretende Parteivorsitzende erhält nur 49,8 Prozent.

Eine einzige Stimme fehlt ihm zur knappen Mehrheit, während die beiden anderen Stellvertreter von Thönnissen hervorragende Ergebnisse einfahren: Margrethe Schmeer wird von 92 Prozent der Delegierten in ihrem Amt bestätigt, Holger Brantin erhält mit 98 Prozent sogar das beste Ergebnis des Abends. Später wird auch noch Schatzmeister Dieter Claßen von 81 Prozent der Delegierten wiedergewählt, doch zunächst einmal ist Krisenmanagement angesagt. Denn dass man sich plötzlich einen neuen Stellvertreter würde suchen müssen, damit hatte wohl niemand ernsthaft gerechnet.

Der Parteitag wird kurzerhand für einige Minuten unterbrochen,  die maßgeblichen Akteure der Aachener CDU stecken ihre Köpfe zusammen – und präsentiert wird Wolfgang Königs. Mit dem 51-jährigen Brander, der für die Christdemokraten im Städteregionstag sitzt, sind dann auch 93 Prozent der Delegierten einverstanden –  und die Vorsitzende ist es auch: „Ich vertraue Wolfgang Königs, ich kenne ihn als sehr loyalen Menschen.“ Für die Abfuhr für Kirsch hat sie „nicht wirklich eine Erklärung“, wie sie sagt: „Das erstaunt mich sehr.“

Was für ihr eigenes Ergebnis offenbar nicht so ganz gilt. „Erhofft habe ich natürlich mehr, aber es nicht unbedingt erwartet“, sagt Thönnissen und spricht in ihrer ersten Erregung von „gezielten Kampagnen“ und „gewissen Vorzeichen“, die sie im Vorfeld des Parteitags registriert habe. „Die Krokodile sind wieder da“, sagt Thönnissen sogar – eine Anspielung auf die heftige Zerreißprobe in der CDU-Ratsfraktion zwischen den verfeindeten Flügeln „Krokodilen“ und „Pflanzenfressern“, die vor gut zwei Jahren auch zum Bruch der schwarz-grünen Koalition imStadtrat geführt hatte.

An diesem Abend will die Vorsitzende aber aus diesem Dämpfer Kraft ziehen. „Jetzt richtig“, sagt sie, „für mich ist das ein Ansporn.“ Sie wolle nun auf jeden Fall „den Reformprozess weiter vorantreiben“, mit „einigen Dingen aufräumen“ und die CDU weiter ins 21. Jahrhundert führen – „auch wenn einige etwas dagegen haben“.

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