CDU: Krenkels Kritik „nicht akzeptabel“

Von: Oliver Schmetz und Matthias Hinrichs
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Neujahrsempfang der Bezirksvertretung Laurensberg im Konradkeller Vaalserquartier.Bildmitte Bezirksbürgermeister Christian Krenkel. 2.vl. Bürgersterin Margrethe Schmeer.

Aachen. An dem Tag, als in Paris 1,5 Millionen Menschen um die Opfer der Terroranschläge trauerten und Vertreter fast aller Religionen und Parteien gemeinsam demonstrierten, trennten sich im beschaulichen Laurensberg für einige Demokraten die Wege.

Denn als Bezirksbürgermeister Christian Krenkel (CDU) – erklärtermaßen unter dem Eindruck des Terrors in Frankreich – beim Neujahrsempfang bekundete, als Christ im islamischen Glauben kaum Gutes erkennen zu können, trauten einige ihren Ohren nicht.

Er habe dennoch nicht das Recht, so Krenkel laut etlichen Ohrenzeugen weiter, die muslimischen Bürger zu verhöhnen – wie es etwa die getöteten Pariser Karikaturisten getan hätten. Von Muslimen wiederum erwarte er generell mehr Toleranz.

Daraufhin verließen Vertreter von SPD und Grünen unter Protest den Saal, und auch am Tag danach hallten diese Worte kräftig nach – und das nicht zuletzt bei Krenkels Parteifreunden, der auf mehrfache telefonische und schriftliche AZ-Anfragen am Montag nicht reagierte.

„Ich mache aus meinem Herzen keine Mördergrube: So etwas geht gar nicht“, erklärte CDU-Fraktionschef Harald Baal. „Man kann nicht in einem Satz Toleranz fordern und im nächsten Satz sagen: So wie die Religion machen, geht es nicht.“ Und auch dass der Bezirksbürgermeister in Bezug auf die Karikaturen offenbar die Opfer-Täter-Rolle verdrehe, sei befremdlich.

OB Marcel Philipp, der sich seit Jahren für den interreligiösen Dialog stark macht, erklärte auf Anfrage, er wolle sich der heiklen Angelegenheit persönlich annehmen, müsse sich aber zunächst einen kompletten Überblick verschaffen, was Krenkel gesagt habe.

Am Montagabend befasste sich auch die CDU-Fraktion mit dem Fall. Eigentlich sollte Krenkel sich selber erklären, doch war er aus privaten Gründen verhindert, wie Baal bestätigte. So beließ man es vorerst bei einer knappen, aber dezidierten Stellungnahme: Die Fraktion verstehe „Aachen als weltoffene, tolerante Stadt mit einer Vielfalt an Kulturen und Religionen, die wir wertschätzen und unterstützen“, heißt es dort.

Krenkels Äußerungen seien „für uns nicht akzeptabel und stellen nicht die Position der CDU-Fraktion dar“. Dem Vernehmen nach sollen nun die Ratsherren Ferdinand Corsten, Holger Brantin und Ralf Demmer eine Unterredung mit dem Bezirksbürgermeister führen – Ausgang offen.

Am Dienstag dürfte zudem der OB in der Causa Krenkel Post erhalten. Vertreter von SPD, Grünen und der Linken in der Bezirksvertretung feilten am Montag noch an einem Schreiben. „Wir wollen, dass der OB auf ihn einwirkt, die Regeln einzuhalten und sich vor Augen zu führen, welche Außenwirkung er als Bezirksbürgermeister hat“, sagte SPD-Ratsherr Norbert Plum. „Wir möchten uns in aller Form von den Aussagen distanzieren“, ergänzte Sava Jaramaz, SPD-Fraktionsvorsitzender in der Bezirksvertretung, „schließlich hat er mit einem Satz eine große Religion beleidigt.“

Offene Rücktrittsforderungen an die Adresse von Christian Krenkel gab es am Montag von den anderen Parteien nicht. „Das ist nicht mein Stil“, sagte Plum. Allerdings könnte Georg Biesing (Die Linke), der Krenkels Worte „deplatziert“ fand, „verstehen, wenn er sich von selbst zurückzieht“.

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