Aachen - CDU: Herff scheitert mit Attacke auf Janßen knapp

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CDU: Herff scheitert mit Attacke auf Janßen knapp

Von: Stephan Mohne
Letzte Aktualisierung:
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Den „Putsch“ knapp überstanden: Baal-Gegner Michael Janßen bleibt nach einem aufregenden Abend Vorsitzender im CDU-Stadtbezirksverband Steinebrück, einer Hochburg der Christdemokraten.
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Mit dem „Putsch“ knapp gescheitert: Hans Herff hatte plötzlich eine Kampfkandidatur gegen Janßen angekündigt. Nur hauchdünn (13:15)musste sich das CDU-Urgestein am Ende geschlagen geben.
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Zwischen den Stühlen: CDU-Vorsitzende Ulla Thönnissen ist Vorstandsmitglied im Bezirk Steine-brück. Dabei versucht sie gerade, die widerstreitenden Fraktionslager zum Kompromiss zu bewegen.

Aachen. Brisanter hätte die Konstellation kaum sein können. In der Aachener CDU-Fraktion toben die Grabenkämpfe um den Vorsitz und die Richtung, da trifft sich der CDU-Stadtbezirksverband Steine-brück zu seiner Mitgliederversammlung. Eigentlich eher eine Routineangelegenheit.

Eingeladen war Freitagabend Stadtkämmerin Annekathrin Grehling, um einen Vortrag zu halten. Doch der geriet eher zur Nebensache. Denn auf der Tagesordnung stand die Neuwahl des Vorstandes. Auch das wäre eigentlich wohl eine völlig unproblematische Sache gewesen. Der Wiederwahl von Michael Janßen, Ratsherr und Mitglied im Vorstand der Ratsfraktion, stand vordergründig kaum etwas im Wege. Bis Mitte der Woche. Doch dann trat Hans Herff auf den Plan. Urplötzlich kündigte der langjährige Ratsherr an, gegen seinen „Nachfolger“ Janßen in den Ring steigen zu wollen. Mussten sich die Baal-Gegner dieser Tage von ihrem Fraktionskollegen Wolfgang Boenke noch als „Putschisten“ titulieren lassen, so trat Herff nun also seinerseits zum „Putsch“ an. Als wäre das noch nicht Zündstoff genug, sah sich nun auch noch Ulla Thönnissen zwischen den Stühlen. Die Vorsitzende der Kreispartei ist nämlich Beisitzerin im Vorstand des Stadtbezirksverbandes Steine-brück – und versucht derzeit fieberhaft zwischen den widerstreitenden „Lagern“ in der Ratsfraktion zu vermitteln und ihnen einen Kompromiss abzuringen.

Erster Wahlgang ungültig

So ging es Freitagabend hoch her in der CDU-Hochburg im Aachener Südviertel. Die Wahl wurde ein echter Krimi. Laut Augenzeugen musste der erste Wahlgang gar für ungültig erklärt werden. Es gab mehr Stimmen als Mitglieder anwesend waren. Der zweite Teil des Dramas endete hauchdünn. Janßen bekam 15, Herff 13 Stimmen. Knapper ging es also nicht. Ein Beleg, wie zerrissen die Partei im Zeichen des Fraktionskrachs bis hinunter zur Basis ist.

Herffs Kandidatur hatte in CDU-Reihen ohnehin für einigen Gesprächsstoff gesorgt. Kein Wunder. Seine Tochter Caroline ist Ratsmitglied. Außerdem gehört sie zu jenen, die den Abwahlantrag gegen den Fraktionsvorsitzenden Harald Baal nicht unterschrieben haben. Michael Janßen hingegen gehört zu jenen 16 von 28 Fraktionsmitgliedern, die den seit 2008 amtierenden Baal stürzen wollen. Mehr noch: Caroline Herff ist seit 2009 auch Fraktionsgeschäftsführerin. Um diesen Posten müsste sie wohl bangen, wenn Baal nicht mehr am Ruder sitzt. Die „Gegenfraktion“ will die Geschäftsführung in andere Hände geben. Gegenüber der AZ hatte Michael Janßen zwar die Kandidatur seines bisherigen Stellvertreters Herff als „demokratische Angelegenheit“ bezeichnet. Gleichzeitig hatte er aber auch seiner Überraschung Ausdruck gegeben. Vor zwei Wochen habe man noch die Mitgliederversammlung vorbereitet. Da habe es keinerlei Anzeichen für eine solche Entwicklung gegeben, so der Rechtsanwalt. Einen Zusammenhang zu den Querelen in der Fraktion könne man vermuten, so Janßen. Herff hingegen erläuterte laut Teilnehmern der gestrigen Versammlung, seine Kandidatur hänge damit zusammen, dass in der CDU Steinebrück einiges im Argen liege, ebenso gebe es Defizite in Janßens Bezirksarbeit. Zudem habe er gerade in der jetzigen Situation ein Zeichen setzen wollen.

Die Stimmung im Raum sei gereizt gewesen, hieß es. So sei Hans Herff wegen seiner Kandidatur zunächst hart angegangen und aufgefordert worden, sie zurückzuziehen. Dagegen gab es andere Stimmen, die es als gut und richtig empfanden, gerade jetzt die Wahl zu haben. Später wurde Herff im Konsens zum Stellvertreter gewählt.

Was nach den Wahlen folgte, war noch eine sehr lange Aussprache, die Augenzeugen als „bedrückend“ beschreiben. Sehr emotional, hitzig und auch persönlich sei es zur Sache gegangen.

Debatte weiter angeheizt

Kurzfristig wird es einen Vorgang wie in Steinebrück – zum Glück für die CDU – nicht mehr geben. Die anderen Stadtbezirksverbände haben bereits gewählt. Ohne Brimborium ging vor wenigen Tagen die Wahl im Stadtbezirksverband West über die Bühne. Zwar gibt es mit Claudia Plum dort eine neue Vorsitzende. Doch der bisherige Amtsinhaber, Hubert Bruynswyck, ist von sich aus in die „zweite Reihe“ zurückgetreten. Bruynswyck, der den Abwahlantrag gegen Baal nicht unterstützt, sorgt parteiintern dennoch für Furore. Er hat einen Vorschlag für die Lösung des Dilemmas gemacht, der möglicherweise die besten Aussichten auf Erfolg hat. Demnach soll der zehnköpfige Fraktionsvorstand zurücktreten, dann würde neu gewählt. Das knappe Ergebnis in Steinebrück, das Michael Janßen wohl nicht wirklich als Erfolg werten kann, wird die Debatten um den Fraktionsvorsitz noch befeuern. Am 15. April soll die endgültige Entscheidung fallen.

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