CDU-Frust oder: Eine Abservierung erster Klasse

Von: Albrecht Peltzer
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CDU-Fraktionschef Harald Baal:
CDU-Fraktionschef Harald Baal: „Wir wollen keine Schäfchen verlieren.”

Aachen. Wer von der CDU-Stadtratsfraktion in die Zweckverbandsversammlung des Aachener Verkehrsverbundes (AVV) und weiter in den Zweckverband Nahverkehr Rheinland (NVR) entsandt wird, dürfte auf der nach unten offenen Interessensskala kaum noch auftauchen.

Wenn sich aber an der Personalie ein Krach innerhalb der Fraktion offenbart, horcht die Kommunalpolitik schnell auf. Zumal dies von manchen als Ausdruck allgemeinerer Misstöne in der CDU-Fraktion gewertet wird.

Es war ein eher unscheinbares „dies geschieht gegen meinen Willen”, mit dem CDU-Ratsherr Egbert Form den Ratsbeschluss quittierte, dass er nicht mehr Mitglied der Gremien sein soll. Die CDU-Fraktion hatte dies so mit großer Mehrheit am Montagabend befunden, der Rat folgte dem Wunsch - und Egbert Form ist seine Ämter los.

Eines „schwierigen Typen” der „klar seine Linie” verfolgte, habe sich die Fraktion in diesem Punkt entledigen wollen, mutmaßen selbst eingefleischte Christdemokraten. „Der ist kritisch und lässt sich nicht unter Druck setzen”, heißt es. Ein CDU-Kollege formulierte es am Donnerstag so: „Kollege Form, hat eine sehr eigene Art, mit manchen Dingen umzugehen.” Worum es konkret geht, lässt sich keiner so recht entlocken. Klar aber scheint, dass Forms politisches Agieren in den Gremien nicht auf besondere Gegenliebe bei den hiesigen Parteifreunden und ihren Partnern stößt. Will heißen: Projekte, die hier favorisiert werden - als Stichwort fällt hier zum Beispiel die Campusbahn - seien nicht gerade Forms Steckenpferd. Der Brander Politiker, der als gelernter Ingenieur als „Mann der Schiene” gilt, formulierte es so: „Es gibt zu viele Situationen, in denen sachliche Argumente nicht akzeptiert werden, sondern das Handeln von Wunschdenken bestimmt wird.” Der Dürener Jörg Hamel, stellvertretender Vorsitzender der CDU-Fraktion im NVR, bescheinigt Form, in den Gremien „sehr ins Detail” zu gehen und „kritische Fragen zu stellen”.

Einen Politiker mitten in der Wahlperiode abzuziehen, halte er aber für „unklug”, da die Materie Öffentlicher Nahverkehr sehr verzwickt sei und man sich eben in viele Projekte im AVV und bis in den Köln-Leverkusener Raum einarbeiten müsse.

Harald Baal, Chef der CDU-Ratsfraktion, hält den Ball ganz flach. Jeder sei gefordert, sich „an die Mannschaftstaktik zuhalten”. Und wenn das in dem ein oder anderen Falle nicht passe, müsse man eben personelle Umbesetzungen vornehmen. Die Fraktion habe dies ja auch mit sehr großer Mehrheit befürwortet. Baal glaubt nicht daran, dass Egbert Form seinem Frust über diese Abservierung erster Klasse Konsequenzen folgen lassen wird. „Wir wollen doch keine Schäfchen verlieren.” Form selber schließt ein Verlassen der Herde derzeit auch ausdrücklich aus. „Ich bin meinen Wählern verpflichtet.”

Dass Form und auch der ein oder andere frustrierte Christdemokrat von der sprichwörtlichen Hinterbank sich dennoch immer mal wieder mit Abwanderungsgedanken befasst, wurde am Donnerstag in einer Vehemenz bestritten, dass man den Wahrheitsgehalt dieser Annahme bei nahezu 100 Prozent ansiedeln kann. Dass es Gespräche mit anderen Ratspolitikern über eine mögliche Zusammenarbeit außerhalb der christdemokratischen Familie gegeben hat, gilt jedenfalls als sicher.
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