CDU: Baals Tage als Fraktionschef scheinen gezählt

Von: Albrecht Peltzer
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Harald Baals Tage als Fraktionschef scheinen gezählt.
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Ehrenvorsitzender Kurt Malangré: Auch er scheiterte mit dem Versuch, die Wogen zu glätten.

Aachen. Die CDU vor der Zerreißprobe? Nein, wohl eher schon mittendrin. Denn – Stand Dienstagabend – selbst sogenannte „ergebnisoffene“ Gespräche zwischen den Lagern um den heftig umstrittenen Fraktionschef Harald Baal auf der einen und Fraktions-Vize Maike Schlick – als Baals Nachfolgerin im Gespräch – auf der anderen Seite sind offensichtlich nicht möglich.

Die Frage nach der politischen Zukunft des heftig kritisierten Fraktionsvorsitzenden ist damit wohl entschieden, es zeichnet sich der große Knall statt der leisen Aussprache ab. Vorsichtige Versuche von verschiedenen Seiten, dies zu verhindern, scheiterten auch gestern kläglich. Bereits am Montagabend hatte man im kleineren Kreis vergeblich versucht, einen Weg aus der Krise zu finden.

Vor einigen Jahren wäre der fraktionsinterne Machtkampf der CDU schon rein telekommunikativ ein ziemlich teures Unterfangen gewesen. In Zeiten von Flatrates können sich die Christdemokraten zumindest dies leisten: telefonieren, was die Handyverträge hergeben. Gestern jedenfalls – man darf das Bild in diesem Zusammenhang sicher wählen – glühten die Drähte ziemlich eindeutig beim Versuch, die Wogen doch noch zu glätten. So schaltete sich unter anderem Ehrenvorsitzender und Alt-Oberbürgermeister Kurt Malangré ein. Sein Vorschlag nach Rücksprache auch mit Oberbürgermeister Marcel Philipp: Die gesamte CDU-Fraktion solle sich Mittwochabend im schmucken 50er-Jahre Design des Sitzungssaales an der Martinstraße einfinden. In der Parteizentrale solle miteinander statt übereinander gesprochen werden. Ein Versuch, die Causa Baal zu lösen, ohne Fraktion und Partei zu beschädigen.

Als „Versuch, ob noch Luft drin ist“, bezeichnete Malangré am Dienstagnachmittag die Offensive. Wohl wissend, dass es ziemlich ungewiss ist, „ob überhaupt Gesprächsbedarf da ist“, da er doch eine „gewisse Unnachgiebigkeit“ festgestellt habe. Wenn er denn die Rückkopplung bekomme, dass Schweigen in dem Fall tatsächlich Gold ist, dann werde die Absage des Treffens auf dem Fuße folgen. Keine zehn Minuten später war gestern Nachmittag die Fußnote da: „Kein Bedarf“, signalisierten die Baal-Gegner, nachdem Harald Baal noch am Vormittag betont hatte, mit einem Argumentationsaustausch einverstanden zu sein. Also landete die Einladung zur großen Aussprache im E-Mail-Papierkorb statt auf den Rechnern der Fraktionsmitglieder. Weitere offizielle Kommentare gab es weder auf der einen, noch auf der anderen Seite. Sprachlosigkeit ist zumindest zwischen den Fronten CDU-Politik der Stunde.

Sehr zum Bedauern von Parteichefin Ulla Thönnissen. Auch sie hatte sich den ganzen Dienstag über bemüht, die Fäden zusammen zu bringen. Vergeblich. „Es ist schon schwer zu verdauen, dass noch nicht einmal ein Gespräch möglich ist“, reagierte Thönnissen mit Unverständnis auf die angespannte Situation. „Unter erwachsenen Menschen muss das doch eigentlich gehen. Aber da liegen wohl überall die Nerven blank.“

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