Carolus Thermen: Kehrtwende mit Jansen

Von: Robert Esser
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Björn Jansen
Der neue Kur- und Badedirektor Björn Jansen kündigte bei seiner ersten Pressekonferenz als Geschäftsführer der Carolus-Thermen an, in Zukunft mit der Roetgern-Therme kooperieren zu wollen. Foto: Michael Jaspers
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Um wirtschaftlich ohne städtische Zuschüsse zu arbeiten, müssten die Carolus Thermen laut einer Studie jährlich über 500.000 Besucher anlocken. Foto: Michael Jaspers

Aachen. Damit die Carolus Thermen flüssig bleiben, muss die Stadt mehr Geld zuschießen. Nach dem besucherschwächsten Jahr in der 15-jährigen Geschichte des Wellness- und Saunatempels an der Passstraße 79 – abgesehen vom Eröffnungsjahr 2001 – will der neue Kur- und Badedirektor Björn Jansen das Ruder herumreißen.

2015 kamen knapp 334.000 Gäste – rund 24.000 weniger als im Vorjahr. Allerdings war die Therme neun Tage wegen Bauarbeiten dicht. Bei durchschnittlich knapp 1000 Gästen pro Tag fällt das auch finanziell ins Gewicht.

2016 will man – dank Schaltjahr – 366 Tage und damit auch in Umbauphasen öffnen. Eine Millionensumme soll in das Bauwerk fließen, das bislang in 80.400 Betriebsstunden an 5416 Öffnungstagen 5,487 Millionen Menschen nutzten. „Es wird höchste Zeit, einiges in Angriff zu nehmen“, sagt Jansen, der gerade 124 Tage im Amt ist.

Er lobt am Montag bei seiner ersten Pressekonferenz als Geschäftsführer sein „Top-Team“, das „Herausragendes leistet“ – und kündigt neben Rabattaktionen eine kleine Revolution an: Schon bald will man ein Kombi-Ticket mit der Roetgen-Therme anbieten. Das war unter Jansens Vorgänger Werner Schlösser völlig ausgeschlossen. „Wir wollen nicht staatlich subventioniert den Markt plattmachen“, stellt der neue Chef nun klar.

„Stattdessen möchten wir Hand in Hand arbeiten – außer den Carolus Thermen und der privatwirtschaftlich geführten Roetgen Therme ist hier ja nichts mehr übrig. Wir müssen das Saunieren aber insgesamt wieder populärer machen“, sagt er. Jansen bestätigt: „Ja, das ist eine echte Kehrtwende in unserer Geschäftspolitik.“

Zurück zu den Wurzeln will man gleichzeitig finden – indem man Kaiser Karl als Namensgeber der Thermen auch visuell wieder zentral im Thermalbad positioniert. Überhaupt soll die Aachener Geschichte insbesondere im Hinblick auf das historisch so bedeutsame Thermalwasser wieder eine größere Rolle spielen. Wie das in der Praxis aussieht, wird man in den kommenden Monaten enthüllen.

Klar ist aber auch, dass einerseits hinter den Kulissen (zum Beispiel an der Brandschutzanlage und der Notbeleuchtung) und andererseits im Publikumsbereich schon im Laufe von zwölf Monaten rund eine Million Euro investiert werden. Geplant ist dabei auch die komplette Erneuerung der Toiletten- und Duschbereiche. „Die Carolus Thermen sind – anders als andere neue Saunen wie in Euskirchen – mitten in der Stadt, auch das macht im Zusammenhang mit dem originalen Thermalwasser und der Geschichte der Kaiserstadt ihren einzigartigen Charakter aus“, erklärt Jansen.

„Vor den Mitbewerbern haben wir keine Angst. Wir verkaufen hier echte Atmosphäre, Gefühle und Erholung“, sagt Jansen. Dies alles allerdings nicht gerade zu Billigpreisen. Mitte vergangenen Jahres musste die gesetzliche Mehrwertsteuer von 7 auf 19 Prozent gehoben werden – mit Folgen für Eintrittspreise und Besucherzahlen. Um wirtschaftlich ohne städtische Zuschüsse zu arbeiten, müssten die Carolus Thermen laut einer Studie jährlich über 500.000 Besucher anlocken.

Das ist unmöglich. Im Rekordjahr 2002 kam die Therme auf 407.000 Gäste – seitdem zeigt der Trend abwärts. Auf 1,2 Millionen Euro summierte sich das Jahres-Minus zuletzt bei Jansens Vorgänger, inklusive Zinsen und Tilgung musste die Stadt zwei Millionen Euro zuschießen. Flüssiger als damals dürfte das Stadtsäckel jedoch auch heute nicht sein.

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