Carolus Thermen: Eintrittspreise steigen deutlich

Von: Robert Esser
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Sprudelnde Steuerquelle: Laut Fiskus ist das Becken in der Wellnessoase für Schwimmer nicht geeignet; deswegen sind Steueraufschläge fällig. Foto: Michael Jaspers
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Neues willkommen: Der Vorplatz der Carolus Thermen soll aufgehübscht werden. Foto: Michael Jaspers
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Abschied: Thermen-Geschäftsführer Werner Schlösser hört auf. Foto: Michael Jaspers

Aachen. Gerät er ins Schwimmen – oder geht man baden? Diese simple Frage bringt das Dilemma auf den Punkt, in dem die Carolus Thermen in ihrem 15. Betriebsjahr stecken. Das Problem: Weil die Finanzbehörden die Aachener Wellnessoase neuerdings weder als „schwimmtaugliches Schwimmbad“ noch als therapeutisches Heilbad einstufen, steigt ab 1. Juli der Umsatzsteuersatz auf Eintrittskarten von 7 auf 19 Prozent.

Dies hat zur Folge, dass die Preise für einen Sauna-Besuch am Wochenende um bis zu 20 Prozent auf 38 Euro klettern. Durchschnittlich beträgt die Preiserhöhung 11,2 Prozent. Nur das Basisticket für den zweieinhalbstündigen Badbesuch kostet nach wie vor zwölf Euro.

Personal- und Sachkosten steigen

„Das sind stolze Preise“, räumte Thermen-Geschäftsführer Werner Schlösser Freitag ganz offen ein. „Eigentlich tödlich. Aber es geht nicht anders – auch wegen steigender Personal- und Sachkosten“, erklärte er. Um extreme Einbrüche der Besucherzahlen abzufedern, gewähren die Carolus Thermen vom 1. Juli bis zum 30. September „satte 15 Prozent Rabatt auf alle Eintrittspreise zum Abmildern der Schreckensnachricht“.

Zuvor macht man die Therme neun Tage – von Montag, 22. Juni, bis einschließlich Dienstag, 30. Juni – dicht. Erst werden Filter, Brandmeldeanlage, Kassensystem, Fliesen und anderes erneuert, dann der Vorplatz umgestaltet, neue Beleuchtungsakzente gesetzt und der Beach-Bereich ausgebaut.

Anstelle der aussortierten Solarien im Thermenbau richten Handwerker einen multimedialen Meditationsraum ein. Drei Tage sind für eine umfassende Grundreinigung der Anlage reserviert. „Da schrubben wir mit der Zahnbürste bis in die letzte Ecke“, verdeutlichte Schlösser. Rund 400.000 Euro Instandhaltungskosten sind veranschlagt. Erstmal.

Denn das reicht nicht. Weil zudem im Spätsommer die luxuriöse Thermen & Badewelt Euskirchen eröffnet und damit vor allem die Abwanderung von Saunagästen in den rund 18 000 Quadratmeter großen Luxuskomplex mit beweglichem Panoramadach droht, zieht Schlösser gut drei Monate vor seinem Ruhestand zwar eine positive Bilanz für die Entwicklung „seiner“ Aachener Carolus Thermen – warnt aber ausdrücklich vor möglichen Abwärtstrends.

2014 zählten die Carolus Thermen 357.760 Gäste. Das sind 981 Gäste im Tagesdurchschnitt, davon ein Drittel im lukrativeren Saunabereich. Vor zehn Jahren waren es noch 405.905 Gäste und damit 1124 im Tagesdurchschnitt. Und da die Aachener Therme laut Schlösser im nun 15. Betriebsjahr „die Hälfte ihrer geplanten Lebensdauer erreicht hat, muss man die Re-Attraktivierung jetzt angehen“.

Will sagen: Mit hohem Aufwand müsste der damals für 78 Millionen Euro errichtete Komplex in den kommenden Jahren modernisiert, um- und ausgebaut werden. „Wir haben einen Masterplan entwickelt, den ich meinem Nachfolger (Björn Jansen) überreiche und mit dem ich ihm viel Erfolg wünsche“, sagte Schlösser.

Millionen für den Umbau

Woher die Umbau-Millionen Richtung Therme fließen sollen, ist derzeit noch völlig unklar. Klar ist, dass man schon offizielle Bauvoranfragen bei der Stadt eingereicht hat. Man denkt – unter anderem – über zusätzliche Nutzung des Thermendachs und den großzügigen Umbau von Sanitär-, Dusch-, Sauna- und Außenbereichen nach. Ein solches Umbauvorhaben wäre allerdings – ganz abgesehen von den Investitionskosten – nur bei ruhendem Betrieb realisierbar.

„Dies würde hohe Einnahmeverluste verursachen“, stellte Schlösser klar. Trotzdem: Einen anderen Weg sieht er nicht – will man die Therme nicht schon bald abschreiben. Derzeit erwirtschaftet sie zumindest so viel Geld, dass davon die eigenen Betriebskosten bezahlt werden können. „Ich freue mich, dass ich in meinem letzten Geschäftsbericht vor dem Ruhestand die besten Bilanzzahlen in der Geschichte der Carolus Thermen verkünden kann.“ Am 30. September hängt Schlösser seinen Job an den Nagel. Das Minus des vergangenen Geschäftsjahres belaufe sich nur noch auf 1,2 Millionen Euro, freute er sich.

Weil Zinsen und Tilgung dennoch nach wie vor große Lücken reißen, zahle die Stadt insgesamt rund zwei Millionen Euro pro Jahr drauf, rechnete Schlösser vor – was sich summa summarum angesichts der Anziehungs- und Strahlkraft der Carolus Thermen für Aachen lohne. Billiger wird‘s in Zukunft sicher nicht. Auch weil früher angepeilte Besucherzahlen von über 380.000 als illusorisch gelten. Ohne öffentliche Zuschüsse wirtschaftlich betreiben könnte man die Carolus Thermen nach einer städtischen Analyse aus dem Jahr 2002 übrigens erst jenseits der 500.000 Besucher. Der Trend weist in die andere Richtung.

Damit mehr Gäste im Wellnessbad auftauchen, muss die Stadt viel Geld fließen lassen. Carolus-Thermen-Erfinder Schlösser hat gezeigt, wie das geht. Auch wenn er ab und zu bei Kosten- und Preissteigerungen ins Schwimmen geriet. Baden gegangen ist er nie.

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