Caroline Reinartz zieht ins Haus des Herrn

Von: Stephan Mohne
Letzte Aktualisierung:
15182670.jpg
Abschied von einem Aachener Urgestein: Mehr als 500 Menschen wohnten dem Auferstehungsgottesdienst für die im Alter von 81 Jahren gestorbene Caroline Reinartz bei. Foto: Michael Jaspers

Aachen. Im Haus des Herrn gibt es viele Wohnungen. Wie man im Johannes-Evangelium nachlesen kann. Das passt. Denn jetzt zieht eine versierte Immobilienmaklerin dort ein und kann mit Sicherheit bei der Organisation helfen. Abhalten lassen würde sie sich davon – so kannte man Caroline Reinartz – jedenfalls nicht.

Kein Wunder, dass diese Passage des Neuen Testaments eine zentrale Rolle spielte, als weit mehr als 500 Menschen im Aachener Dom gemeinsam mit den Angehörigen Abschied von Aachens Urgestein Caroline Reinartz nahmen. Sie war am 12. August nach langer, schwerer Krankheit gestorben. Der Ort hätte auch nicht besser passen können. Schließlich ließ Kaiser Karl die Marienkirche als Abbild der himmlischen Stadt Jerusalem bauen.

Und diesem Ort fühlte sich Caroline Reinartz – wie ihrer Heimatstadt Aachen – besonders verbunden. Regelmäßig sei sie sonntags in die 10-Uhr-Messe gekommen, wie Dompropst Manfred von Holtum in seiner Predigt erzählte. Mit einem Augenzwinkern fügte er hinzu: „Manchmal ging ihre Uhr wohl etwas nach...“ Natürlich zitierte von Holtum auch das Lieblings-Lebensmotto der Mullefluppet-Preisträgerin von 1996: „Ich ben vöör d‘r Düvel net bang, mä vöör d‘r Herrjott stooeh ich stramm.“

Sich dem Teufel mutig entgegenzustellen, damit schreibe sie die Dombausage fort, so der Dompropst, der Caroline Reinartz als bodenständig, humorvoll, lebensbejahend und ausgestattet mit einer sozialen wie kulturellen Ader beschrieb. Auch der Dom, dessen Restaurierung sie unterstützte, sei ihr zu Dank verpflichtet. Die Verbindung mit dem Münster ist quasi genetisch bedingt. Der Urgroßvater von Caroline Reinartz, Gottfried Götting, hat fast 100 Steinfiguren am Dom gestaltet.

Von Holtum sagte außerdem, Caroline Reinartz habe um die „Unzulänglichkeiten ihrer Heimatstadt gewusst“. Deshalb habe sie sich stets mutig eingemischt – unter anderem in städtebauliche Fragen. Sie selbst sei als Immobilienmaklerin stets danach verfahren, dass Haus und Wohnung weit mehr seien als eine Ansammlung von Steinen.

Im Rahmen der Eucharistie gab es schließlich sogar Öcher Tüen, für die Thouet-Preisträger Pater Georg Mießen sorgte, der die Auferstehungsmesse wie auch Domkapitular Monsignore Hans-Günther Vienken konzelebrierte. Ein weiterer Thouet-Preisträger, nämlich Gerhard Dünnwald, gestaltete den gesanglichen Rahmen. Als er im Januar im Rathaus die Ehrung entgegennahm, da erhielt Caroline Reinartz die selten verliehene Dreikönigskette des Thouet-Mundartpreises. Und schließlich, fast zum Abschluss der großen Verabschiedung, erklang im Dom die Stadthymne „Urbs aquensis“ zum hellen Orgelklang. Man darf annehmen, dass Caroline Reinartz sie in ihrer Himmelswohnung mitgeschmettert hat.

Caroline Reinartz, deren Sarg bei der Auferstehungsmesse im Mittelgang des Doms vor dem Altar aufgebahrt war, wird im engsten Familienkreis beigesetzt.

Leserkommentare

Leserkommentare (0)

Sie schreiben unter dem Namen:



Diskutieren Sie mit!

Damit Sie Artikel kommentieren können, müssen Sie sich einmalig registrieren — bereits registrierte Leser müssen zum Schreiben eines Kommentars eingeloggt sein. Beachten Sie unsere Diskussionsregeln, die Netiquette.

Homepage aktualisiert

Finden Sie jetzt neue aktuelle Informationen auf unserer Startseite

Wieder zur Homepage

Die Homepage wurde aktualisiert