Aachen - Caritas Suchthilfe: Blick über den Tellerrand lohnt sich hier doppelt

Caritas Suchthilfe: Blick über den Tellerrand lohnt sich hier doppelt

Von: Svenja Pesch
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Zeigt ihre außergewöhnlichen Foto-Impressionen aus Sibirien bei der Caritas: Susanne Staets.

Aachen. „Das Leben ist sehr fragil. Alles kann schnell vorbei sein, aber grade deswegen ist die Herzlichkeit der Menschen sehr groß“, erzählt Susanne Staets, Fotografenmeisterin über ihre Ausstellung „Tellerrand.“ Ihre Bilder sind ausdrucksstark und zeigen eine landschaftliche Idylle mitten in Sibirien. Vordergründig.

Denn hinter den Aufnahmen verbergen sich Schicksale, die in Worte kaum zu fassen sind. Die romantische Schneelandschaft entpuppt sich als ein „Gulag“, ein ehemaliges Straflager in der einstigen Sowjetunion. Sechs Jahre lang arbeitete Staets für die Caritas West-Sibirien, wo sie mit ihren 180 Mitarbeitern bis in die hintersten Winkel des Landes gekommen ist. Diese Arbeit hat sie dokumentiert und ein völlig anderes Leben, eine andere Kultur und einen Blick in den Alltag der dort lebenden Menschen festgehalten. Was Staets gehört und erlebt hat, ist kaum vorstellbar, alleine fünf ihrer Freunde haben durch Mord Angehörige verloren.

Gudrun Jelich, Geschäftsführerin der Suchthilfe, blickt derweil auf ein anstrengendes, aber erfolgreiches Jahr zurück: „Wir haben neue thematische Akzente gesetzt und Bewährtes fortgesetzt. Was wir feststellen konnten, war dass die Sucht im Alter zugenommen hat und dass vor allem die PC- und Handysucht bei Kindern angestiegen ist.“ Bereits Zwölfjährige zeigen Anzeichen einer beginnenden Sucht. Die meisten Süchtigen sind allerdings Mitte 20 und es sind ausschließlich Männer. Glücksspiel, Essstörungen, PC-Sucht und Drogensucht – für diese Probleme ist die Caritas erste Anlaufstelle.

Zwischen 1500 und 2000 Erstbesucher und 700 längere Kontakte mit dem Team verzeichnete die Caritas 2012. Auffällig ist, dass entgegen der allgemeinen Auffassung die Süchtigen aus allen gesellschaftlichen Schichten kommen. Die 40 Mitarbeiter stehen den Patienten in allen wichtigen Angelegenheiten zur Seite. „Wir möchten dieses Jahr weiterhin ein vielfältiges Angebot bereithalten“, sagt Jelich. „Zudem setzten wir einen Schwerpunkt auf Jugendliche und ihren Umgang mit Alkohol, das Projekt „Feuervogel“, das sich an Kinder aus Suchtfamilien richtet, soll weitergeführt werden und seit Beginn diesen Jahres haben wir eine „Bewo-Struktur.“

Süchtige Patienten werden dabei in ihren eigenen vier Wänden betreut und im Alltag begleitet. Während Jelich erzählt, blickt sie auf die Bilder von Susanne Staets und sagt: „So bunt und vielfältig ihre Werke sind, so bunt und vielfältig sind unsere Besucher. Es passieren ständig neue Dinge und man erlebt viele neue Geschichten. Manchmal auch den ein oder anderen Erfolg.“

Die Ausstellung „Tellerrand“ ist während der Geschäftszeiten der Suchthilfe zu besichtigen: Montag bis Donnerstag 8.30-17 Uhr, Freitag 8.30-14 Uhr, an der Hermannstraße 14, 41356128.

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