„Cappella Aquensis“: Goldene Kehlen feiern goldenes Jubiläum

Von: Kathrin Albrecht
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Längst auch im Hohen Dom wieder „zu Hause“: Die Cappella Aquensis gestaltete dort gestern anlässlich ihres 50. Geburtstages den Gottesdienst. Foto: Andreas Schmitter

Aachen. Noch eine goldene Stunde für goldene Kehlen: Die große Biennale war gerade ein paar Stunden zu Ende, da konnten Freunde der Chormusik am Sonntagmorgen im Dom bereits das nächste „Highlight“ in Sachen Vokalkunst erleben. Anlässlich ihres 50-jährigen Bestehens gestaltete die Cappella Aquensis den musikalischen Teil der Eucharistiefeier in der Marienkirche.

Mit Gregor Aichingers Missa „De beata virgine“, Orlando di Lassus‘ „Jubilate Deo“ sowie Max Regers „Unser lieben Frauen Traum“ bewies das Ensemble einmal mehr besondere Qualität.

„Als der Chor damals die ersten mühevollen Schritte machte, konnte niemand den Erfolg absehen“, meinte Hans-Jürgen Röls, Vorsitzender des Ensembles und aktives Chormitglied seit 16 Jahren, beim anschließenden Empfang in der Domsingschule. Denn die Chorgeschichte begann mit einem handfesten Krach. 57 Sängerinnen und Sänger des damaligen Aachener Domchores wollten unter dem neuen Chorleiter nicht weitermachen.

Der nämlich machte keinen Hehl daraus, lieber zur traditionellen Besetzung mit Knaben- und Männerchor zurückzukehren. Für die „Abtrünnigen“ war es ein großes Glück, dass sie mit André Rieu, damals Chefdirigent des Limburgischen Symphonie Orchesters Maastricht und Vater des berühmten Konzertgeigers, ihren ersten eigenen Chorleiter fanden. Rieu legte den Grundstein dafür, dass der Chor heute zu einem der renommiertesten der Region zählt. So ließ es sich Alice Rieu, Witwe des Künstlers, nicht nehmen, persönlich zum Jubiläum zu gratulieren.

Dass die Cappella Aquensis heute wieder regelmäßig Gottesdienste begleitet, hätte unter den damaligen Umständen der Gründung wohl niemand zu prophezeien gewagt. Wie wichtig es dem Chor ist, dass man wieder zum Ursprung seines Wirkens zurückgekehrt ist, illustrierte Röls mit den Worten: „Wir wissen zu schätzen, dass wir an der Stätte, von der sich die Gründungsmitglieder einst trennten, wieder willkommen sind.“

Und so gehörten Dompropst Helmut Poqué, Domkapellmeister Berthold Botzet und Irma Wüller, Leiterin der Domsingschule, zu den Gratulanten. Die Aula der Schule ist nicht nur Probeort, Irma Wüller war selbst dort Mitglied. Folglich brachte sich das Ensemble unter der Leitung von Thomas Beaujean quasi auch selbst ein Ständchen, unterstützt von vielen ehemaligen Aktiven und von Willi Eschweiler, der die „Cappella“ als Beaujeans Vorgänger von 1974 bis 1977 dirigierte.

Viel Zeit für die Vorbereitungen hatte der Chor indes nicht, immerhin stand vor gerade einmal drei Wochen die Aufführung von Dvoracs Requiem auf dem Programm, und die Sänger nahmen natürlich auch an der Chorbiennale teil.

Neben der geistlichen Musik gehören auch säkuläre Stücke zum Repertoire. Thomas Beaujean sieht die Besonderheit in der gemeinsamen Arbeit darin, dass der Chor sowohl große oratorische Werke, als auch à-cappella-Stücke erarbeitet. Sie gelten als Grundstein für die jugendliche Frische im Klang, die die Zuhörer auch diesmal wieder faszinierte.

45 Sängerinnen und Sänger sind zurzeit im Chor aktiv. Eine letzte große Zäsur erlebte der Verein vor sechs Jahren, als zahlreiche Sänger altersbedingt ausscheiden mussten. Das schmerze noch immer, so Beaujean, doch auch derlei Prozesse seien zuweilen notwendig, um auf der Höhe der Entwicklung bleiben zu können. Im Hohen Dom bewies das Ensemble einmal mehr, dass es diesem Anspruch gerecht wird – nicht nur an ganz besonderen Festtagen.

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