Campusbahn soll Aachen elektrisieren

Von: Stephan Mohne
Letzte Aktualisierung:
Vom Klinikum bis Brand als Ein
Vom Klinikum bis Brand als Einstieg, von Würselen bis Vaals als Foto: zeigt sie am Elisenbrunnen - fahren. Der „Einstieg” soll bis zu 236,5 Millionen Euro kosten.

Aachen. Es ist ein schöner Morgen im Jahr 2019. Zeit, zur Arbeit zu fahren. Nur noch das Auto - natürlich elektrisch, wer fährt heute schon noch mit Benzin? - aus der Garage in Walheim holen, und schon geht es los.

Bis Brand geht die erste Etappe. Da wird der Wagen abgestellt und an die E-Tankstelle gekoppelt, die auf dem Parkplatz steht. Schon ist auch die Campusbahn da, die hier losfährt. Stau- und abgasfrei geht es Richtung City und weiter bis zum Campus Melaten. Da ist noch mal umsteigen angesagt - auf das Elektrofahrrad, das man an der Haltestelle leihen kann.

Schnell per Handy ein Ticket buchen, Rad nehmen und bis zur nicht weit entfernten Arbeitsstelle rollen. Parkplatzsuche war einmal - und das Ganze hat nicht ein Gramm Kohlendioxid in die Aachener Luft gepustet. Schließlich kommt der Stawag-Strom für Bahn, Autos und Rad aus eigenen Windkraftanlagen in der Region.

Eine tolle Vision. Und diese Vision - Motto: „Ein innovatives Verkehrssystem elektrisiert die Stadt” - hat am 11. Januar 2012 erstmals ein detailliertes Gesicht erhalten. Gleich reihenweise hatten diejenigen neben OB Marcel Philipp im Ratssaal platzgenommen, die das Projekt Campusbahn, die eigentlich eine richtige neue Tram ist, nach vorne bringen wollen: da war Günther Schuh als Chef der Campus GmbH, Jürgen Drewes als Chef der IHK, Hans-Joachim Sistenich als Chef des AVV, Michael Carmincke als Chef der Aseag, Peter Asmuth als Chef der Stawag, und da waren noch viele mehr.

Adolf Müller-Hellmann vom Förderkreis des Verbandes Deutscher Verkehrsunternehmen warf die Vision anschaulich an die Wand. Und nannte Zahlen. 170 Millionen Euro für Fahrweg und Betriebshof, zwischen 54 und 67,5 Millionen für die 20 bis 25 Züge. Zuschüsse bis zu 90 Prozent könnte es für die 170 Millionen vom Bund geben. Und für die Stadt stünden unter dem Strich Ausgaben von 4 bis 6,5 Millionen Euro pro Jahr. Dafür aber soll es ein Verkehrssystem geben, wie es so noch nie gebaut wurde.

Neben den beschriebenen Highlights würden sogar E-Busse die Oberleitungen mitnutzen, um ihre Batterien aufzuladen. Wobei es Oberleitungen nur abseits des Alleenrings geben würde, innerstädtisch würde nur mit Batterie gefahren. Die Kosten beziehen sich indes auf das „Einstiegskonzept”, eine Linie von Klinikum bis Brand. Eine zweite Linie könnte irgendwann von Vaals bis Würselen fahren. Zunächst allerdings müssen die Förderanträge gestellt werden, was wiederum die Politik schon in wenigen Wochen entscheiden muss. Denn das Zeitfenster ist eng, bis 2019 muss die erste Strecke fertig sein, weil dann die Bundesförderung eingestellt wird. Bei der weiteren Planung soll es eine intensive Bürgerbeteiligung geben.

Glaubt man den Experten, ist das steigende Fahrgastaufkommen allein mit Bussen auf Dauer nicht zu bewältigen. Carmincke nannte als Beispiel die Haltestelle Scheibenstraße (Adalbertsteinweg). Dort werden 30.000 Fahrgäste pro Tag gezählt, laut Prognose soll die Zahl in einigen Jahren auf über 38.000 steigen. Aber ist das Ganze angesichts des maroden Etats bezahlbar? „Das wird natürlich Investitionsmittel binden”, sagt der OB. Und fügt an: „Aber wenn man über die Kosten redet, muss man auch fragen: Was wäre die Alternative?” Ob zusätzliche Busse plus Personal preiswerter seien, müsse sich dann noch herausstellen.
Leserkommentare

Leserkommentare (0)

Sie schreiben unter dem Namen:



Diskutieren Sie mit!

Damit Sie Artikel kommentieren können, müssen Sie sich einmalig registrieren — bereits registrierte Leser müssen zum Schreiben eines Kommentars eingeloggt sein. Beachten Sie unsere Diskussionsregeln, die Netiquette.

Homepage aktualisiert

Finden Sie jetzt neue aktuelle Informationen auf unserer Startseite

Wieder zur Homepage

Die Homepage wurde aktualisiert