Aachen - Campusbahn rückt auf den Stundenplan

Campusbahn rückt auf den Stundenplan

Von: Thorsten Karbach
Letzte Aktualisierung:
4805319.jpg
So hätte die Campusbahn ausgesehen. Entwurf: Tema AG

Aachen. Jetzt macht die Campusbahn auch schon Schule – buchstäblich. Denn ganz kurzfristig ist das Thema im Politikunterricht an einigen Aachener Schulen durchgestartet. In einem Brief hatte Oberbürgermeister Marcel Philipp alle Aachener Haupt-, Real-, Gesamtschulen, Gymnasien und Berufskollegs gebeten, das Thema doch mit den Schülern aufzugreifen.

 „Es ist eine Aufgabe der Gesellschaft und der Schulen, junge Menschen politisch zu bilden, sie an politische Themen heranzuführen, insbesondere auch an kommunalpolitische Themen. Die Campusbahn und der bevorstehende Ratsbürgerentscheid sind dafür gut geeignet“, heißt es in dem Schreiben.

Mehr Praxisnähe im Unterricht gibt es kaum, denn am 10. März sind alle Schüler, die in Aachen wohnen und älter als 16 Jahre sind, abstimmungsberechtigt. Sie können also maßgeblich an der Entscheidung für oder gegen das 243-Millionen-Euro-Projekt mitwirken. „Man könnte an der Stelle annehmen, der OB möchte mit seiner Bitte, die Campusbahn zu thematisieren, Einfluss für das Projekt nehmen, aber darum geht es ganz sicher nicht. Wir würden uns einfach freuen, wenn sich möglichst viele junge Menschen an der Abstimmung beteiligen“, erklärt der städtische Pressesprecher Hans Poth. Deswegen wird den Schulen auch kein Datenmaterial an die Hand gegeben, es steht ihnen frei, wo und wie und ob sie sich überhaupt informieren wollen. „Es ist eine gute Sache, so ein Thema mit den Schüler zu diskutieren. Aber es muss ergebnisoffen sein“, erklärt Dr. Manfred Birmans, stellvertretender Leiter des Geschwister-Scholl-Gymnasiums.

OB Philipp schreibt, die Schulen könnten zu einer hohen Beteiligung junger Menschen beitragen. Sie könnten Diskussionsveranstaltungen mit Befürwortern und Gegnern organisieren oder solche mit ihren Schüler besuchen. „Niemand sollte den Schülerinnen und Schülern seine Meinung aufzwingen. Wichtig ist, dass sie in die Lage versetzt werden, sich eine eigene Meinung zu bilden und am 10. März 2013 ihre Stimme abzugeben“, heißt es in dem Brief vom 28. Januar wörtlich.

Am Gymnasium St. Leonhard wird das Thema Ratsbürgerentscheid zur Campusbahn gerne aufgegriffen. „Meine Politiklehrer sehen das als wichtiges lokalpolitisches Thema. Wenn wir Politik für die Schüler greifbar machen wollen, dann geht das über dieses Thema – natürlich mit der gebotenen Neutralität“, erklärt Schulleiter Stefan Menzel. „Für die Schüler ist dieses Thema sehr gut nachvollziehbar, das ist bei Politik nicht immer so. Die findet für sie sonst im Fernsehen statt.“

Andere Schulen greifen das Thema – auch ganz bewusst – nicht auf. „Ich halte dies nicht für sinnvoll. Ich will ganz bewusst nicht, dass meine Schüler in irgendeiner Form beeinflusst werden“, sagt Annett Koch-Thoma, Leiterin der Gemeinschaftshauptschule Drimborn. „Ehrlich gesagt haben wir auch gar keine Zeit für eine ausführliche Auseinandersetzung“, sagt sie zudem. Wieder einmal stehen nämlich Lernstandserhebungen auf dem Stundenplan. Im Schulalltag gibt es eben noch Wichtigeres als den Ratsbürgerentscheid.

Das Thema Campusbahn bewegt so oder so. Hans Pontzen, Leiter der Käthe-Kollwitz-Schule, einem Berufskolleg, sagt: „Die Meinungen der Schüler gehen noch weit auseinander. Das ist wirklich spannend.“

Leserkommentare

Leserkommentare (23)

Sie schreiben unter dem Namen:



Diskutieren Sie mit!

Damit Sie Artikel kommentieren können, müssen Sie sich einmalig registrieren — bereits registrierte Leser müssen zum Schreiben eines Kommentars eingeloggt sein. Beachten Sie unsere Diskussionsregeln, die Netiquette.

Homepage aktualisiert

Finden Sie jetzt neue aktuelle Informationen auf unserer Startseite

Wieder zur Homepage

Die Homepage wurde aktualisiert