Campusbahn: Gas geben oder besser aussteigen?

Von: Matthias Hinrichs
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Etwas anderer Einstieg in die
Etwas anderer Einstieg in die Diskussion um die Campusbahn: Rund 50 Leser folgten gestern auf Einladung der AZ den Spuren des Millionenprojekts per Aseag-Bus. Mit ihnen kam auch die Auseinandersetzung um Pro und Kontra ganz schnell auf Touren. Foto: Harald Krömer

Aachen. Harald Jansen war womöglich der einzige, der das große Rad in Sachen Campusbahn am Donnerstagnachmittag auf jedem Meter mit der inneren Ruhe des professionellen Routiniers gedreht hat. Kein Wunder, schließlich lenkt er die konventionellen Großgefährte seit 23 Jahren.

Der Mann hinterm Steuer dürfte allerdings auch der erste Aseag-Chauffeur sein, der die potenzielle Trasse in Sachen Tram der Zukunft exakt abgefahren ist - zumindest mit reichlich „Publikumsverkehr”, wenn auch „nur” im wohlbekannten Gelenkbus und nur auf der Strecke zwischen Pontviertel und Brand.

Rund 50 AZ-Leser hatten einen der heiß begehrten Plätze beim „Talk im Bus” ergattert und konnten sich mit Regina Poth und Hermann Paetz als erste auf die imaginäre Spur des geplanten Elektrovehikels begeben. Die Geschäftsführer der neuen Entwicklungsgesellschaft hatten - trotz denkbar sanfter Beförderung - zuweilen einen schweren Stand, als es darum ging, auch die zahlreichen Skeptiker und erklärten Gegner des Großprojekts zu überzeugen. Die AZ-Moderatoren Oliver Schmetz und Stephan Mohne sorgten freilich dafür, dass auch die Befürworter ausreichend zu Wort kamen...

Dennoch: Die kritischen Knackpunkte standen naturgemäß im Mittelpunkt - schon, als Jansen vom Zeitungsverlag aus die erste potenzielle Station an der Scheibenstraße erreichte. Allein dort verzeichne die Aseag pro Tag rund 31.500 Passagiere - Tendenz steigend, so Paetz. „Wir brauchen ein Verkehrsmittel, das die Fahrgastzahlen langfristig bewältigen kann.” Prompt entzündete sich eine lebhafte Debatte über die Zuverlässigkeit solcher Prognosen. In anderen Städten, wo Straßenbahnen längst auf der Schiene seien, gebe es dennoch weniger ÖPNV-Nutzer als in Aachen, weil die aufwendigen Trassen auf Kosten der kurzen Verbindungen installiert worden seien, meinte einer.

So ging es zunächst über Kaiserplatz und Alleenring bis zum Hirschgraben, wo die eigentliche Tour über Komphausbadstraße, Willy-Brandt- und Kaiserplatz, Adalbertsteinweg und Trierer Straße startete. Klar, dass Pro und Kontra dabei immer lebhafter aufeinanderprallten. Und zwar nicht erst, als der Chauffeur seinen roten Riesen auf dem Hirschgraben behende am illegal auf der Fahrspur geparkten Blech vorbei bugsierte - von wegen Flexibilität. „Das wird nicht unproblematisch”, bekannte Poth. „Aber es ist klar, dass eine Bahntrasse viel mehr respektiert wird.” Die Pkw-Fahrer seien in dieser Hinsicht durchaus lernfähig. Auch am Kaiserplatz, direkt neben der Adalbertskirche, sei noch mancher Engpass zu bedenken.

Keine neue Großbaustelle in Brand

Höchst kontrovers geriet die Debatte auch ein paar Meter weiter Richtung Josefskirche. „Ich frage mich, was passiert, wenn es hier zu einem schweren Unfall kommt, wenn ein Hubschrauber auf dem A-Weg landen müsste oder die Feuerwehr mit Drehleitern arbeiten muss”, meinte ein Passagier. Es sei kein Problem, die Trasse zu befahren, entgegnete Poth. Und selbst die leidgeprüften Brander müssten keine jahrelange Großbaustelle befürchten. „Das wird Stück für Stück gemacht und eher Wochen als Monate in Anspruch nehmen”, versicherte Poth.

Allerdings sei vieles „noch im Detail zu planen”, bekannte auch Paetz immer wieder. Den Einwand, dass die „Lebensdauer” der kostspieligen Batterien für E-Busse und Bahn bei weitem nicht ausreichten, ließ er aber nicht gelten: „Die halten schon heute mindestens acht Jahre.”

Blieb - wie stets - die Gretchenfrage, ob die Anschaffungs- und vor allem die laufenden Kosten des 240-Millionen-Projekts auf lange Sicht das Stadtsäckel nicht schlicht sprengten - zu Lasten der Steuerzahler. Die beiden „Chefentwickler” freilich zeigten sich auch davon überzeugt. Paetz: „Wir müssen jetzt den Qualitätssprung wagen, weil schlicht immer mehr Menschen auf den ÖPNV umsteigen.”
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