Aachen - Campusbahn: Durchstarten oder Notbremse ziehen?

Campusbahn: Durchstarten oder Notbremse ziehen?

Von: Daniel Gerhards
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Einstieg zur Diskussion: Rund 50 AZ-Leser kamen gestern zum Talk als auf der Strecke, auf der die Campusbahn bald fahren könnte. Die Gesprächsrunde zu dem Großprojekt fand in einem Bus der Aseag statt. Foto: Michael Jaspers

Aachen. Schon bevor der Bus losfährt, haben sich die meisten Passagiere ein Bild gemacht. Befürworter und Gegner der Campusbahn sitzen beim „Talk im Bus“, bei dem auf Einladung der AZ in einem Aseag-Bus diskutiert wird, Seite an Seite. Beim Einstieg in das Gefährt hat AZ-Leserin Karla Döring schon eine Meinung: „Ich bin eher dagegen“, sagt sie. Die Kosten sind Döring, die in Lichtenbusch wohnt, zu hoch.

In gut drei Wochen wird über das Projekt abgestimmt. Damit ist klar: Die Campusbahn ist derzeit das bestimmende Thema in der Lokalpolitik. Beim Talk fährt der Bus die Strecke ab, auf der die Bahn bald fahren könnte.

Regina Poth, Geschäftsführerin der Campusbahn-Entwicklungsgesellschaft bei der Stadt, erklärt im Gespräch mit AZ-Redakteur Stephan Mohne, dass es zwischen Kaiserplatz und Westbahnhof keine Oberleitungen geben soll, auf der restlichen Strecke sollen Masten für die Leitungen, die die Bahn mit Strom versorgen, aufgestellt werden. Sie erklärt, wo Autos und Stadtbahn sich die Fahrspur teilen könnten – zum Beispiel zwischen Elsasstraße und Josefskirche – und wo die Bahn eine eigene Spur bekommen soll – etwa von der Josefskirche weiter stadteinwärts.

Eng könnte es für die Bahn an der Zufahrt auf den Willi-Brand-Platz über die Stiftstraße werden. „Die Bäume müssen wir fällen und an andere Stelle ersetzen. Und die Parkplätze in der Stiftstraße müssen längst zur Straße gelegt werden“, sagt Poth.

Überzeugungsarbeit für die Bahn leisten will Hermann Paetz, Geschäftsführer der Campusbahn-Gesellschaft bei der Aseag. Eins seiner Kernargumente: Busse werden zukünftig nicht ausreichen, um alle zu befördern, die mitfahren wollen. „Wir stoßen an die Kapazitätsgrenze“, sagt er. Zur Stoßzeit fahren an der Scheibenstraße 44 Busse pro Stunde. Dort könnten keine zusätzlichen Busse fahren. Dafür sei die Taktung zwischen den einzelnen Aseag-Waggons einfach zu eng. Insgesamt habe die Aseag 2012 über 66 Millionen Fahrgäste befördert – „Tendenz steigend“, sagt Paetz. Er meint, dass die Bahn die Lösung ist.

Dieses Argument macht Eindruck auf Karla Döring. „Ich fahre ab und zu mit dem Bus. Aber in Lichtenbusch sieht man so volle Busse nicht. Das ist schon ein Aspekt, der für die Bahn spricht“, sagt sie. Allerdings profitieren nicht alle Aachener unmittelbar. Wer nicht in der Nähe der Strecke wohnt oder arbeitet, wird sie möglicherweise selten nutzen. Von einem Straßenbahnnetz ist man schließlich weit entfernt. Allerdings leben entlang der Strecke 160 000 Aachener und es gebe 60 000 Arbeitsplätze in der Nähe der Route. „Das Gebiet ist sehr dicht besiedelt. Hier steppt der Bär“, sagt Poth.

Während Döring und die anderen Passagiere der Diskussion um das Für und Wider lauschen, werden sie an einigen Stellen durchgeschüttelt. Ab und an muss der Bus die Spur wechseln oder etwas stärker Bremsen. Wer auf dem falschen Fuß erwischt wird, kann da schnell ins Stolpern geraten.

Aus dem Gleichgewicht lassen sich Paetz und Poth nicht bringen. Doch sie können auch nicht alle Gegner überzeugen. Kritisch werden wegfallende Linksabbiegerspuren, schmaler werdende Bürgersteige, ein möglicher Zeitgewinn bei der Fahrt in die Stadt und – na klar – die Kosten diskutiert. Man müsse eben wissen, ob man sich die Campusbahn leisten will, sagt Poth.

Darum werden die Bürger ja auch gefragt. Weitrechend ist die Entscheidung in jedem Fall. 240 Millionen Euro soll der Bau kosten, 130 Millionen müsste die Stadt selber aufbringen. Dazu kämen laufende Kosten von jährlich 4,5 bis 6,5 Millionen Euro. Vor der Abstimmung stellt sich also die Frage: Ist die Bahn die Lösung für ein bevorstehendes Verkehrsproblem oder doch ein Millionengrab? Also Durchstarten oder Notbremse ziehen?

Karla Döring bleibt bei ihrer Meinung. Sie ist auch nach der Diskussion gegen die Campusbahn. Aber, gelohnt hat sich die Fahrt trotzdem: „Das hat meinen Blick auf das Ganze erweitert.“

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