Aachen - Campusbahn: „Diese Diskussion wird nicht ehrlich geführt“

Campusbahn: „Diese Diskussion wird nicht ehrlich geführt“

Von: Matthias Hinrichs
Letzte Aktualisierung:
4788063.jpg
Traumziel oder Horrovision? Spätestens nach Karneval wird die Debatte um die Campusbahn – die Animation zeigt die Trierer Straße – wieder Fahrt aufnehmen. Die AZ lotet die politischen Fronten im Detail aus.
4787752.jpg
„Es wäre kein Problem, die Auslastung der Busse zu entzerren“: FWG-Ratsherr Hans-Dieter Schaffrath.

Aachen. „Wer soll das bezahlen?“ Der ewig aktuelle Fastelovvends-Hit könnte Hans-Dieter Schaffrath in den Sinn gekommen sein, als er neulich eine große Karnevalssitzung in der City ansteuerte – per Bus. Der streitbare FWG-Ratsherr und Unternehmer mit Hauptwohnsitz unweit der Freunder Landstraße verlässt sich nach eigenem Bekunden „durchaus des öfteren“ auf die Dienste der Aseag.

Und gehört dennoch – oder gerade deswegen – zu jenen, die dem Großprojekt Campusbahn rein gar nichts abgewinnen können. Als einer von acht Mandatsträgern hat Schaffrath – ebenso wie die FDP und der Vertreter der Piraten – im Stadtrat bekanntlich gegen das Vorhaben gestimmt. „Wenn diese Bahn realisiert wird, wäre es mit der komfortablen Busverbindung etwa vom Südraum in die Innenstadt vorbei“, wettert er folglich. Und redet sich schnell in Rage, wenn man ihn nach seinen Argumenten im Hinblick auf die entscheidenden Aspekte in Sachen Ratbürgerentscheid befragt. Der Reihe nach.

Kosten: „Mich regt es wirklich auf, dass Politiker wie CDU-Fraktionschef Harald Baal die Bürger glauben machen wollen, mit dem Wegfall der kommunalen Lasten durch den ,Aufbau Ost‘ würden ab 2019 im städtischen Etat 19 Millionen verfügbar, mit denen sich die laufenden Kosten locker decken ließen“, sagt Schaffrath. Schon jetzt zeichne sich ab, dass der Bund die Mittel unter neuen Vorzeichen weiter abschöpfen werde. „Das Spiel kennen wir mindestens, seit 1914 die Sektsteuer eingeführt wurde – die gibt‘s natürlich noch immer.“

Kurzum: Diese Diskussion wird nicht ehrlich geführt.“ Überhaupt sei die Kalkulation – mit rund 240 Millionen, vornehmlich aus Fördergeldern, soll das Projekt aufs Gleis gehoben werden – keineswegs transparent. „Schon heute ist die Rede von 130 Millionen Eigenbeteiligung; dabei sollen doch angeblich 95 Prozent der Anschubmittel von Bund und Land kommen. Das hat mir bislang auch noch keiner erklären können.“ Und: „Letztlich geht es immer um Steuergelder, die wir alle aufbringen müssen – eine Argumentation, die man gerade von unserem Oberbürgermeister so oft gehört hat – als der Herr Philipp noch Chef eines mittelständischen Unternehmens war. . .“

Kapazitäten: „Von überfüllten Bussen kann allenfalls morgens die Rede sein – und dann auch nur an einzelnen Stationen wie der Scheibenstraße, und nur für 40 oder 50 Minuten, wenn die meisten Schüler unterwegs sind.“ Dem könne man abhelfen, indem man schlicht mehr Busse einsetze und die Debatte über eine Flexibilisierung der Schulanfangszeiten ernsthaft vorantreibe.

Imagegewinn: „Mit unserer Exzellenz-Uni ließen sich da ganz andere innovative Projekte umsetzen – etwa im Hinblick auf die Entwicklung von Elektroautos.“

Ökologie: „Natürlich würde der CO2-Ausstoß durch eine Stadtbahn verringert“, räumt Schaffrath ein. Aber: Die erforderliche elektrische Energie sei ohne Atomkraft langfristig nicht zu beschaffen. Und der Diesel-Kraftstoff werde weiter optimiert. Schaffrath: „In spätestens zehn Jahren wäre der vermeintliche ökologische Vorteil kein Thema mehr.“

Attraktivität und Akzeptanz: „Ich glaube, dass das Potenzial an ÖPNV-Nutzern ausgeschöpft ist“, meint Schaffrath. „Da können die Befürworter das Projekt solange schönreden, wie sie wollen.“

Fazit: „Schon wenn wir auf die finanziellen Risiken schauen, ist das Projekt alles andere als wünschenswert.“ Da möge der Vergleich mit finanziellen Desastern à la Berliner Flughafen oder Stuttgart 21 in der Tat hinken. Denn: „Im Vergleich zur Bundeshauptstadt wäre die Belastung für eine vergleichsweise kleine Kommune wie Aachen sogar ungleich größer. . .“

Leserkommentare

Leserkommentare (18)

Sie schreiben unter dem Namen:



Diskutieren Sie mit!

Damit Sie Artikel kommentieren können, müssen Sie sich einmalig registrieren — bereits registrierte Leser müssen zum Schreiben eines Kommentars eingeloggt sein. Beachten Sie unsere Diskussionsregeln, die Netiquette.

Homepage aktualisiert

Finden Sie jetzt neue aktuelle Informationen auf unserer Startseite

Wieder zur Homepage

Die Homepage wurde aktualisiert