Campusbahn: Die Frage der Fragen ist ganz schlicht

Von: Stephan Mohne
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Von morgens um vier bis Mitternacht auch auf dem Adalbertsteinweg unterwegs: Der Stadtrat wird kommenden Mittwoch sagen, ob er das will. Die Bürger sind dann wohl Mitte März gefragt. Simulation: HJPlaner

Aachen. „Sind Sie für die Campusbahn?“ Das soll laut Vorschlag der Verwaltung die schlichte Frage aller Fragen sein, die den Aachenern am 17. März 2013 gestellt wird. Am kommenden Mittwoch soll der Stadtrat die Grundsatzentscheidung in Sachen Campusbahn fällen – und gleich hinterher den gewollten Ratsbürgerentscheid auf die Schiene setzen. Als Entscheidungsgrundlage hat die Verwaltung jetzt noch einmal die Details zu dem Projekt zusammengefasst.

Und das sieht in Auszügen so aus:

Steigende Fahrgastzahlen: Ein Argument für die Campusbahn bleiben aus Sicht der Stadt die steigenden Fahrgastzahlen. 1999 seien es noch 57, 2011 schon über 65 Millionen Buskunden gewesen. Diese Tendenz werde sich fortsetzen. Im Hochschulbereich und auf den Hauptachsen sei die Kapazitätsgrenze erreicht, weitere Zuwächse könnten nur mit einem modernen Stadtbahnsystem bewältigt werden.

Luft und Lärm: Die Luft soll von Gesetzes wegen besser werden, der Lärm geringer. Um die Ziele zu erreichen, sei die Stadtbahn ebenfalls unverzichtbar, glaubt die Verwaltung und sagt: „Die Einführung der Campusbahn trägt zudem zu einer erheblichen Reduktion von Lärmbelastung und Luftschadstoffen bei.“

Einzugsbereich: Eine Vielzahl von Einwohnern und Arbeitsplätzen würden durch die geplante Stadtbahntrasse angebunden. Im Umkreis von 400 Metern beziehungsweise sechs Gehminuten wohnen und arbeiten laut Stadt 80000 Menschen. In einem erweiterten Bereich von 800 Metern (zwölf Minuten) seien es gar 180000.

Strecke: Die Trasse soll 12,3 Kilometer lang sein und führt vom Klinikum über die Campus-Bereiche Melaten und West, den Westbahnhof (Verknüpfung DB und Euregiobahn), den Kernbereich der RWTH, Hirsch-/Seilgraben, Bushof, Kaiserplatz, Adalbertsteinweg, Bahnhof Rothe Erde (Verknüpfung DB und Euregiobahn) bis hinauf nach Brand. Auf zwei Dritteln der Strecke (8,3 Kilometer) soll die Bahn auf einem eigenen Gleiskörper fahren, auf einem Drittel der Strecke teilt sich die Bahn den vorhandenen Raum mit den Autos.

Haltestellen: Geplant sind 23 barrierefreie Haltestellen von je 60 Metern Länge und 25 Zentimetern Höhe, damit man niveaugleich in einen Niederflurzug einsteigen kann.

Züge: Angeschafft werden sollen rund 25 marktübliche Niederflurzüge. 200 Fahrgäste passen hinein. Zumeist sollen aber zwei Züge gekoppelt werden, was dann einer Kapazität von 400 Personen entspricht.

Stromversorgung: Die Züge fahren teils mit Oberleitung, teils mit Batteriestrom. Zwischen Westbahnhof und Kaiserplatz (2,3 Kilometer) sowie Ringstraße und Brander Markt (400 Meter) soll es keine Oberleitungen geben. Auf den anderen Abschnitten werden sie in einer Höhe von 5,50 Metern angebracht, gehalten von Masten in der Trassenmitte oder am Rand. Wandanker wie einst bei der Tram soll es nicht geben. Zwischen Kaiserplatz und Ostfriedhof soll es eine zusätzliche Leitung für Oberleitungsbusse geben.

Betriebszeiten: Die Bahnen sollen montags bis freitags von 4 bis 0 Uhr (20 Stunden), samstags von 5 bis 0 Uhr (19 Stunden) und sonntags von 6 bis 0 Uhr (18 Stunden) fahren.

Busnetz-Anpassung: Zur Campusbahn parallel verlaufende Buslinien soll es nicht geben. Diese Buslinien sollen an den Endpunkten der Bahn beziehungsweise an Umsteigepunkten enden. Allerdings: Zubringerlinien sollen auch weiterhin Wohngebiete in Seitenbereichen der Bahntrasse erschließen. Und: Die Linien aus Eilendorf und aus Richtung Hüls werden nicht „gebrochen“. Sie fahren auf dem Adalbertsteinweg zusammen mit der Bahn. Insgesamt sollen jährlich rund 1,6 Millionen Buskilometer eingespart werden.

Betriebshof: Für die Zentrale inklusive Leitstelle werden mindestens 5000 Quadratmeter Platz benötigt. Derzeit werden verschiedene Möglichkeiten entlang der Strecke geprüft. Viele gibt es aber nicht. Ein denkbarer Standort ist die ehemalige Militärfläche der Belgier am Trierer Platz.

Auswirkungen auf den Verkehr: Laut Stadt hat die Machbarkeitsstudie ergeben, dass es keine umfassenden Änderungen für Autofahrer geben muss. Aber: „In einzelnen Fällen“ müssen wohl Linksabbiegespuren wegfallen. Wo und wie viele, steht allerdings nicht fest.

Kosten: Alle bis dato vorliegenden Zahlen sind Schätzwerte aus der Machbarkeitsstudie. Die Gesamtinvestition soll bei 243 Millionen Euro liegen. 130 Millionen Euro kostet demnach der Fahrweg, 67,5 Millionen sollen für die Fahrzeuge fällig werden, 24 Millionen für den Betriebshof, 21,5 Millionen entfallen auf Planungs- und Baunebenkosten.

Zuschüsse: Die Zuschusszusage vom Bund ist schon da. Er fördert 60 Prozent der Kosten auf jenen Streckenteilen, auf denen die Bahn alleine fährt. Hier würde das Land noch 30 Prozent draufpacken, denn laut ganz aktuellem Beschluss will NRW den Schienenverkehr zu 90 Prozent fördern – bisher waren es 85 Prozent. Diese 90 Prozent kämen dann auch für die Trassenstücke mit gemeinsamem Bahn-/Autoverkehr.

Den ganzen Rest – also zehn Prozent der Strecke plus Züge, Betriebshof, Planung, insgesamt knapp 130 Millionen Euro – muss die Stadt alleine über Kredite stemmen. Deren Kosten sowie die Betriebskosten der Bahn sollen insgesamt den städtischen Haushalt mit bis zu 6,5 Millionen Euro pro Jahr belasten.

Die IHK, so heißt es seitens der Verwaltung, habe sich bereit erklärt, die bisherige Schätzung durch einen Gutachter überprüfen zu lassen, „um noch stärkere Kostentransparenz und Kostensicherheit zum jetzigen Zeitpunkt zu erreichen“.

Prüfung: In Auftrag gegeben worden ist mittlerweile die „Standardisierte Bewertung von Verkehrswegeinvestitionen des öffentlichen Personennahverkehrs“. Dabei handelt es sich um eine Kosten-Nutzen-Untersuchung von ÖPNV-Projekten, die seitens des Bundes und des Landes vorgeschrieben ist.

Ratsbürgerentscheid: Dieser soll am Mittwoch zusammen mit dem Grundsatz-Ja zur Campusbahn beschlossen werden. Zwei Drittel der Ratsleute müssen für den Bürgerentscheid stimmen, was allerdings ebenso bereits jetzt feststeht wie eine breite Mehrheit für den Bau der Campusbahn. An die Urnen gerufen würden im März wie bei einer Kommunalwahl alle Wahlberechtigten ab 16 Jahren – das wären rund 188.000. Es zählt die Mehrheit der abgegebenen Stimmen, wobei für die „Siegerposition“ mindestens zehn Prozent aller Wahlberechtigten votiert haben müssen, also etwa 18800.

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