Campusbahn: 18.600 Aachener haben schon abgestimmt

Von: Oliver Schmetz und Robert Esser
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Worauf fahren die Aachener ab? Am Sonntagabend werden die Ja- und Nein-Stimmen ausgezählt. Foto: Michael Jaspers

Aachen. Weder recht noch billig scheint diese offizielle Online-Offerte via Ebay: In der Versteigerungskategorie „Tickets – Kultur & Events“ bietet jemand unter dem Namen „simon43“ tatsächlich seine Pro-Stimme für den Ratsbürgerentscheid zur Campusbahn an. Startgebot: 2587,95 Euro.

Dass hier bis zum Urnengang am Sonntag, 10. März, noch jemand zuschlägt, darf bezweifelt werden – obwohl der Kampf um das Für und Wider des 240 Millionen Euro teuren Schienenprojekts zuletzt teils mit allzu harten Bandagen geführt wurde. Sonntagabend ist damit erstmal Schluss: Ab 18 Uhr zählen die 680 Wahlhelfer 82 Stimmbezirke aus. Danach steht fest, ob die Planungen zum Bau der 12,3 Kilometer langen elektromobilen Verbindung zwischen Brand und Uniklinikum fortgesetzt werden – so wie es CDU, Grüne, SPD, Linke und UWG mit überwältigender Mehrheit im Stadtrat befürwortet haben. Ihr Ziel: Im Jahr 2019 soll die Campusbahn durch die Kaiserstadt rollen.


Mindestens 19.260 Kreuzchen

192.600 Aachener über 16 Jahre sind aufgefordert, ihre Stimmen abzugeben. Damit der Entscheid rechtsgültig wird, müssen mindestens zehn Prozent der Wahlberechtigten mit Ja oder Nein stimmen – das wären demnach mindestens 19.260 Kreuzchen dafür oder dagegen. Da bereits 18 600 Aachener per Briefwahl votiert haben, wie das städtische Presseamt am Freitag erklärte, dürfte die Anzahl der gültigen Stimmen für dieses Quorum wohl aller Wahrscheinlichkeit nach reichen.

Zum Vergleich: Beim Bürgerentscheid zum Bauhaus im Jahr 2006 zählte man 17.500 Briefwähler, die Wahlbeteiligung lag bei 38 Prozent. Diesmal gehe man deshalb von einer Größenordnung von 40 Prozent aus, sagt Hans Poth, Pressesprecher der Stadt: „Das ist fast schon eine kleine Kommunalwahl.“ Noch ein Beispiel: 2009, beim kommunalen Wahlgang, strömten rund 100.000 Aachener in die Wahllokale – die Wahlbeteiligung betrug 53,47 Prozent.

Fast wie bei einer Kommunalwahl, aber deutlich schneller soll es am Sonntag zugehen. Die Verwaltung erwartet ein rasches Auszählen und ein relativ frühzeitig feststehendes Endergebnis. Denn: Diesmal müssen nicht die Stimmen auf etliche Parteien und OB-Kandidaten verteilt werden, sondern es geht nur um eine Frage, auf die bloß zwei Antworten möglich sind: Sind Sie für den Bau der Campusbahn? Ja oder nein. Das städtische Wahlamt rechnet deshalb damit, dass Oberbürgermeister Marcel Philipp als Wahlleiter das Endergebnis bereits gegen 20.30 Uhr verkünden wird. „Eventuell steht es sogar noch früher fest“, meint Poth.

Also sollte sich Sonntag sputen, wer die spannende Phase der Wahlparty im Krönungssaal des Rathauses live miterleben will. Ab 18 Uhr kann jeder dort bei Getränken und Snacks die einlaufenden Ergebnisse auf drei großen Bildschirmen verfolgen. Parallel dazu bittet die Bürgerinitiative „Campusbahn – Größenwahn!“ zur Wahlparty in die Gaststätte „Zum Goldenen Einhorn“ am Markt. Ständig aktualisierte Ergebnisse liefert derweil die AZ auf www.az-web.de im Internet.

Einfache Mehrheit gewinnt

Gewinnen wird am Ende die einfache Mehrheit der Stimmen, sofern besagtes Quorum erreicht wird. Im Extremfall kann also eine einzige Stimme den Unterschied ausmachen, ob das 240-Millionen-Projekt weiterverfolgt wird oder nicht. Doch die endgültige und unumstößliche Entscheidung über den Bau oder Nichtbau der Campusbahn fällt beim Ratsbürgerentscheid am Sonntag noch nicht. Denn: Bei einem Ja wäre es theoretisch möglich, dass man im Zuge des noch folgenden Planfeststellungsverfahrens von dem Projekt Abstand nimmt. Und bei einem Nein besteht laut Stadt die – ebenfalls ausgesprochen theoretische – Möglichkeit, dass der Stadtrat das Thema nach frühestens zwei Jahren wieder aufgreifen darf. Allerdings müsste dann, so Poth, erneut ein Ratsbürgerentscheid die Frage aller Fragen klären.

Doch zunächst wird diese am Sonntag von den Aachenern beantwortet. Wie es ausgehen wird? Verlässliche Prognosen gibt es nicht, aber es könnte knapp werden. Bei der – natürlich nicht repräsentativen – Online-Umfrage auf der Homepage der Aachener Zeitung, an der sich 7193 Leser beteiligten, war es das jedenfalls: 45 Prozent stimmten mit Ja, 55 Prozent mit Nein.

Um 8 Uhr öffnen Sonntag die Wahllokale. An der Urne fällt die Entscheidung, ob das Projekt beerdigt wird. Oder die Campusbahn-Gegner in Sack und Asche aus der Wahl gehen. Recht billig wird‘s so oder so nicht: Allein der Wahlgang kostet den Steuerzahler rund 250.000 Euro. Die 2587,95 Ebay-Euro sind dagegen ein Scherz.

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