Aachen - Campus West wartet auf das Signal aus Düsseldorf

Campus West wartet auf das Signal aus Düsseldorf

Von: Oliver Schmetz
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In der Warteschleife: Für den Campus West liegen riesige Grundstücke (Bildmitte, rechts von der Bahnlinie) seit Jahren brach. Jetzt hofft man für das Großprojekt auf Rückenwind aus Düsseldorf.
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So soll es werden: Die Visionen der Campus-Planer enthalten unter anderem als „Living Labs“ – als lebendige Labore – eine Teststrecke für autonomes Fahren und eine „Future Train Station“, also einen Bahnhof der Zukunft, der am alten Westbahnhof neu gebaut werden soll.

Aachen. Den Campus Melaten sieht Klaus Feuerborn als einen „vollen Erfolg“ an: „Wir sind stolz darauf, was wir dort geschaffen haben“, sagt der Geschäftsführer der Aachener Campus GmbH. Und auch wenn man berücksichtigen muss, dass der Mann damit kräftig Werbung in eigener Sache betreibt, kann er doch Zahlen für sich sprechen lassen.

Sechs Forschungscluster sind etabliert, zwei laufen gerade an, vier weitere sind in Vorbereitung. Außerdem sind bereits 47 wissenschaftliche Disziplinen auf dem Campus integriert und 280 Industriepartner immatrikuliert. Und von den 120.000 Quadratmetern Fläche, sagt Feuerborn, sei die Hälfte bebaut. Zehn Jahre nach Entwicklungsbeginn kann man da schon von einer Erfolgsgeschichte sprechen.

Noch steht kein Stein

Aber auch beim Campus West äußert der Campus-Chef mittlerweile die Hoffnung, „dass wir jetzt auf einem guten Weg sind“ – zuletzt öffentlich im städtischen Ausschuss für Arbeit, Wirtschaft und Wissenschaft. Das allerdings muss man ihm dann einfach glauben, denn auf dem riesigen Areal am Westbahnhof steht noch kein einziger Stein, mit dem diese Auffassung untermauert werden könnte.

Im Gegenteil: Seit der Bau- und Liegenschaftsbetrieb NRW (BLB) vor acht Jahren von der Bahn für mehr als 50 Millionen Euro die Grundstücke erworben hat, hakt es bei dem Großprojekt immer wieder. Zwischenzeitlich wurde das Ganze sogar jahrelang auf Eis gelegt und grundsätzlich in Frage gestellt. Und dann nahmen auch noch Staatsanwälte die Ermittlungen auf, weil der Verdacht besteht, dass die Grundstücke maßlos überteuert erworben wurden – und das mit Steuergeldern.

Doch nun könnte das Projekt wieder Rückenwind erhalten. Feuerborn rechnet damit, dass es in den nächsten Tagen positive Nachrichten für den Campus West aus Düsseldorf gibt – nämlich dass das rund 300 000 Quadratmeter große Gelände grundlegend als Wissenschaftsareal festgeschrieben wird. Mit einer solchen Festlegung würde verhindert, dass der BLB die Gelände einfach frei vermarkten kann – und zugleich die Grundlage für die Clusterplanung geschaffen.

Der Aachener Landtagsabgeordnete Karl Schultheis (SPD), der zugleich Vorsitzender des städtischen Wirtschaftsausschusses ist, hat sich – wie auch andere hiesige Landtagsabgeordnete – in Düsseldorf zuletzt dafür stark gemacht, „dass das Kabinett eine ganz klare Festlegung vornimmt, vielleicht auch mit einzelnen Ausnahmen für Wohnungsbau“. Er sei sicher, dass diese Entscheidung in wenigen Tagen erfolge, bekräftigt der Sozialdemokrat.

Der Verweis auf den Wohnungsbau hat einen konkreten Hintergrund: Seit Monaten kursieren in der Politik Gerüchte, dass das Areal für den Campus West verkleinert werden solle und der BLB einen Teil der Grundstücke als Wohnungsbauflächen vermarkten wolle. Einem solchen Vorhaben könnte besagter Kabinettsbeschluss nun Grenzen setzen. Für Klaus Feuerborn wäre dies ein wichtiges Signal. Schließlich könne man erst dann in eine konkretere Clusterplanung einsteigen, wenn man auch Planungssicherheit habe.

So hat die inhaltliche Ausgestaltung des Campus West noch viel von einer Vision. Das Areal soll das zentrale Forschungsquartier für Innovation, Mobilität sowie Informations- und Kommunikationstechnik werden, ausgestattet mit sogenannten „Living Labs“ – lebenden Laboratorien. Zu einem dieser „Labs“ soll eine Teststrecke für autonomes Fahren gehören, ein anderes eine „Future Train Station“ – ein Bahnhof der Zukunft – sein. „Den möchten wir zusammen mit der Bahn entwickeln, mit einer schönen architektonischen Lösung“, schwärmt Feuerborn.

Entscheidende Weichen gestellt?

Noch ist das Zukunftsmusik. Denn zur Planungssicherheit gehört auch die städtische Bauleitplanung, die ebenso lange auf Eis lag. Im vorigen Jahr wurde zwischen Stadt, BLB, Campus GmbH und RWTH um Kompromisse gerungen, gegen die Idee eines Brückenbaus zwischen dem Campus Melaten und dem Campus West regt sich heftiger Widerstand der Anwohner. Derzeit wird dazu ein Gutachten erstellt, das bis Mitte des Jahres vorliegen soll. Und erst wenn der Bebauungsplan konkrete Konturen annimmt, können Campus GmbH und RWTH an die Feinjustierung gehen, etwa über Baufelder und Startcluster diskutieren.

Kein Wunder, dass bei dieser ganzen Vorgeschichte kaum noch jemand zeitliche Prognosen wagt. „Ich bin ein bisschen vorsichtig geworden“, sagt auch Feuerborn, „aber wir haben einen klaren Plan.“ Und dann wagt der Campus-Chef doch eine Vorhersage: „Ich bin zuversichtlich, dass wir 2017 im ersten halben Jahr die entscheidenden Weichen gestellt bekommen.“

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