Campus: Mehr als Pizza überm Tellerrand

Von: Robert Esser
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Damals kein „Kraft-Akt“: Vor drei Jahren bewältigten – unter anderem – der vormalige NRW-Ministerpräsident Jürgen Rüttgers (3.v.l.), Campus-Initiator Professor Günther Schuh (2.v.l.), OB Marcel Philipp (4.v.r.) und RWTH-Rektor Professor Ernst Schmachtenberg (2.v.r.) den Spatenstich auf Melaten. Foto: Andreas Herrmann
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So kriegt der Campus auf Melaten die Kurve: Über die Forckenbeckstraße – unmittelbar neben dem Uniklinikum – führt der Weg vorbei am Neubau des Beratungs- und Planungsunternehmens Carpus & Partner zum geschwungenen Campus-Boulevard. Mehrere hundert Millionen Euro wurden bereits investiert. Fotos: Andreas Steindl/Michael Jaspers
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Mehr als Mittagessen: Das Bistro-Restaurant „Forckenbeck“ entwickelt sich zum kulinarischen Dreh- und Angelpunkt auf dem Campus Melaten – für Wissenschaftler, Unternehmer, Angestellte und auswärtige Besucher.
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Meilenstein für Ärzte und Patienten: Mechatroniker Ralf Derscheid entwickelt mit Spezialisten von Philips moderne Positronen-Emissions-Tomographen, die kleinste Krebs-Metastasen dreidimensional darstellen.

Aachen. Pizza, Pasta, Paprikarahmschnitzel. Das schmeckt der internationalen Kundschaft. Nicht nur im „Forckenbeck“, das erste Restaurant auf dem riesigen RWTH-Campus Melaten. Der Appetit wächst. Genau drei Jahre nach dem Spatenstich zu dem Zwei-Milliarden-Euro-Projekt, das im Verbund von Hightech-Forschung und Hightech-Firmen rund 10.000 Arbeitsplätze auf 800.000 Quadratmetern verspricht, lohnt sich ein Blick über den Aachener Tellerrand.

Im „Forckenbeck“ trifft internationale Küche inzwischen auf ebenso bunte Kundschaft. So hat sich das der Unternehmer Günter Carpus vorgestellt, als er seine Firmenzentrale konzipierte: „Wir haben ganz bewusst ein Gastronomie-Konzept integriert. Hier sollen sich nicht nur unsere Mitarbeiter in entspannt-stilvoller Atmosphäre treffen“, erklärt er.

„Unser Ziel ist, dass hier auch Menschen aus den benachbarten Unternehmen und Forschungsinstituten zusammenfinden – und Aachener Bürger“, betont Carpus. Quasi ein interdisziplinärer Schmelztiegel mit lokalem Anschluss. „Mittags klappt das fantastisch“, freut sich Gastronom Firat Gündüz. Dann ist kaum ein Tisch zu kriegen. Abends soll der Andrang noch wachsen, spätestens wenn im Frühjahr die Außenterrasse aufblüht.

Seit Ende Februar 2010 ist hier, in Sichtweite zum Universitätsklinikum, so einiges aus dem Boden geschossen. Viele Jobs gab es früher schon, einige zogen innerhalb Aachens auf den Campus um – andere entstanden neu. „Auf dem Areal Melaten sind bereits heute circa 11.000 Menschen tätig – davon 5500 im Universitätsklinikum“, rechnet Campus-Geschäftsführer Dr. Hermann Brandstetter vor.

Hunderte Millionen Euro wurden investiert – Baustellen so weit das Auge reicht, so groß wie zig Fußballfelder. „Ende des Jahres steht die Verkehrsinfrastruktur“, sagt er. „Danach wird natürlich noch weiter gebaut, aber der Eindruck wird ein deutlich geordneterer sein“, erklärt Brandstetter. Bis dahin wird auch das neue RWTH-Parkhaus mit 800 Stellplätzen an der Forckenbeckstraße fertig. Parkraum ist knapp, der Straßenrand mit Baustellen-Baken abgeriegelt. Die Pioniere auf dem Campus beurteilen das zuweilen kritisch. „Die Nähe zum Klinikum ist toll, wir sind nahe am Kunden“, lobt etwa Projektmanager Dr. Tobias Franken vom Aachener Kompetenzzentrum Medizintechnik (AKM). „Aber die Parkplatzsuche nervt alle. Das ist wirklich ein Manko“, fügt er hinzu.

„Man spürt, dass sich hier jetzt richtig was bewegt“, sagt Carsten Degenhardt. Der Produktentwickler der „Philips Digital Photon Counting“ feilt mit seinem Team an Positronen-Emissions-Tomographen der nächsten Generation. „Diese können dank feinster Bildgebungstechnik – unter anderem – kleinste Krebsgeschwüre dreidimensional darstellen“, erklärt er. Demnächst läuft die Kooperation mit der Uniklinik an, die er aus dem Laborfenster sehen kann. „Natürlich gibt‘s heute Email, Videotelefone und vieles mehr. Aber nichts ersetzt den persönlichen Kontakt“, stellt Degenhardt fest.

Man tauscht sich aus; im Labor, im Büro, am Mittagstisch. Armin Janß vom Helmholtz-Institut stimmt zu. „Die Atmosphäre passt. Wir nutzen das Forckenbeck sogar zu geschäftlichen Meetings“, verrät der Elektroingenieur. Er hofft noch auf eine ideale Verkehrsanbindung: „Die Campusbahn wäre für zigtausende Menschen hier auf Melaten ein perfekter Anschluss“, wirbt Janß für die Schiene.

Der Campus-Kurs stimmt viele auf Melaten zuversichtlich. In wenigen Tagen soll der Investor für das Cluster Produktionstechnik vorgestellt werden. Schon der erste Gebäudeabschnitt umfasst 15 000 Quadratmeter. Insgesamt sollen bis zu 19 Forschungscluster entstehen. Sechs werden in diesen Tagen komplettiert. Architektonisch entwickeln sich damit die Forckenbeckstraße und natürlich der geschwungene Campus-Boulevard zu einem echten Hingucker.

Die Aussicht auf weitere Investitionen ist auch im „Forckenbeck“ regelmäßig Tischgespräch. „Die Aufbruchstimmung ist mit Händen zu greifen“, sagt Wirt Gündüz. „Hier entsteht ein komplett neuer Stadtteil“, sagt er. Jetzt sollen alle auf den Geschmack kommen.

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