Campus lässt noch viele Wünsche offen

Von: Rauke Xenia Bornefeld
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Standortanalyse als Zwischenbilanz: Beim Verein „aachen_fenster“ diskutierten Jörg Munsch, Werner Wingenfeld, Hans-Dieter Collinet, Gabriele Golubowitsch, Klaus Feuerborn und Rolf Westerheide (von links) über die aktuelle Entwicklung der RWTH-Campus-Projekte. Foto: Ralf Roeger

Aachen. Vor fünf Jahren – als am Campus Melaten noch kaum ein Stein verbaut war, die Planungen aber schon ein konkretes Gestaltungsbild vermittelten – hat sich der Verein „aachen_fenster – Raum für Bauen und Kultur“ schon einmal mit der Campusentwicklung der RWTH Aachen befasst.

Verklammerung mit dem Innenstadtbereich, verkehrliche Anbindung, urbane Gestaltung der Erweiterungsbereiche standen auf dem Prüfstand. Nachdem der Campus Melaten in den vergangenen Jahren bereits beeindruckend gewachsen ist und es nun auch am Campus West weitergehen soll, wollten die Vereinsmitglieder noch einmal genau hinschauen und luden zu einer Ausgabe der Reihe „Wo stehen wir?“ ins Super C. Den Abend moderierte Prof. Rolf Westerheide, Bauassessor an der RWTH, Architekt und Stadtplaner für „aachen_fenster“.

Schon 47 Lehrstühle integriert

Im Campus Melaten ist das deutlich zu sehen: In sechs etablierten Clustern seien 280 Industriepartner immatrikuliert, zwei der Kooperationsschwerpunkte seien anlaufend, vier in Vorbereitung, berichtete Dr. Klaus Feuerborn, Geschäftsführer der RWTH-Campus GmbH. Auch die anfängliche Skepsis in der Professorenschaft habe deutlich nachgelassen, bereits 47 Lehrstühle seien integriert, für weitere 43 bestünden konkrete Planungen. Feuerborn zeichnete ein Bild der erfolgreichen Kooperation zwischen Wissenschaft und Wirtschaft. „Aachen ist mit dem Streetscooter wieder Automobilstandort geworden“, nannte er nur ein Beispiel für wirtschaftliche Entwicklung der Region aus dem Campus heraus.

In Sachen Campus West versprühte Feuerborn ebenfalls Zuversicht. „Die Zeit der Vision ist vorbei. Jetzt geht es um die konkrete Umsetzung.“ Positive Stimmung verbreiteten ebenso alle anderen Podiumsteilnehmer von RWTH, Stadt Aachen und dem Bauherrn, dem landeseigenen Bau- und Liegenschaftsbetrieb (BLB). Während Jörg Munsch, Leiter der Aachener BLB-Niederlassung, noch einmal vage die Gründe für die Verzögerung auflistete, forderte Gabriele Golubowitsch, Technische Dezernentin der RWTH, allerdings deutlich eine Beschleunigung der Verfahren: „Für eine internationale Strahlkraft brauchen wir eine Wachstumsperspektive.“

Und Werner Wingenfeld, Technischer Beigeordneter der Stadt Aachen, mahnte: „Es gibt für alles Zeitfenster, die man nutzen muss.“ Wohl auch, um die Geschwindigkeit im Entwicklungsprozess am Campus West zu beschleunigen, übernehmen Experten der Stadt Aachen zum Beispiel einen Teil der Bauleit- und Erschließungsplanung vom BLB. Für die Erschließung stehen zudem 15 Millionen Euro aus dem Stadtsäckel bereit.

Mit einer urbanen Gestaltung – sprich einer attraktiven Mischnutzung und architektonischen Meilensteinen, die nicht nur Arbeiten und Forschen ermöglichen, sondern auch die Aufenthaltsqualität der beiden Campus-Areale fördern, vielleicht sogar Wohnen ermöglichen – taten sich die Campus-Macher hingegen schwerer, als es so manchen Architekten im Raum lieb war.

„Städtebauliche Kernidee fehlt“

Munsch betonte: „Die Campusflächen sind im engen Sinne Hochschulflächen.“ Bei einer technischen Universität sei das eben mit ständiger Produktion und auch Emission verbunden, machte auch Wingenfeld deutlich. „Wir werden aber bei der Bauleitplanung darauf achten, dass Veränderungen in der Nutzung möglich sind.“

Feuerborn wünschte sich zwar urbanes Leben statt eines reinen wissenschaftlichen Gewerbegebiets. Mit einem Sport- und Gesundheitszentrum in Melaten, einigen Gastronomieangeboten sowie einem noch nicht so konkreten Hotel- oder Kongressstandort sehe man sich da auch auf einem guten Weg. So richtig überzeugend klang das für viele Zuhörer allerdings nicht: „Die städtebauliche Kernidee fehlt“, war dann auch das recht vernichtende Urteil aus dem Publikum. Die Campi, hieß es, würden zu wenig als Teil der Stadt gesehen.

Lediglich in Sachen Verkehrsanbindung – eine wesentliche Voraussetzung für ein Zusammenwachsen mit der Innenstadt – bestand kaum Dissens. „Wir stellen fest, dass wir zurzeit noch weite Strecken auf eine Art zurücklegen, die nicht von Innovation geprägt ist“, meinte Golubowitsch. Auch deshalb soll das autonome Fahren fester Bestandteil des Campus West werden.

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