Campus: „Die visionäre Phase ist vorbei“

Von: Oliver Schmetz
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Ein weites Feld: Noch gibt es viele Freiflächen auf dem Campus Melaten, doch gewinnt das Großprojekt an vielen Stellen sichtbar an Schwung. In der Baugrube links im Bild soll beispielsweise eine Kita entstehen. Foto: Michael Jaspers
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Neue Geschäftsführer der Campus GmbH: Dr. Klaus Feuerborn (links) und Dr. Claus Peter Groos folgen auf Hermann Brandstetter. Foto: Michael Jaspers
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Luftaufnahmen des RWTH-Campus im Aachener Westen Foto: Peter Winandy

Aachen. Wer länger nicht mehr dort war, schaut sich erst einmal staunend um. Denn es hat sich in jüngster Zeit einiges getan auf dem Campus Melaten. Erste Gebäude sind fertig gestellt und schon bezogen. Links und rechts des nagelneuen Campus-Boulevards sind Arbeiten im Gange, hier ragt ein Kran in die Höhe, dort wird eine Baugrube ausgehoben.

Und auch wenn noch viele Flächen brach liegen und unberührt sind, blickt Dr. Klaus Feuerborn zuversichtlich über das riesige Areal im Aachener Westen – und zugleich in die Zukunft: „Die visionäre Phase ist vorbei“, sagt der Diplomingenieur, der seit Anfang Dezember in der Geschäftsführung der RWTH Aachen Campus GmbH tätig ist. Gemeinsam mit Dr. Claus Peter Groos hat er die Nachfolge von Hermann Brandstetter angetreten, zum Führungsteam der Gesellschaft gehört nach wie vor Professor Dr. Günther Schuh, der Pionier der Aachener Campus-Idee.

„Vor sechs oder sieben Jahren war es hochspannend, ob das Konzept funktioniert“, sagt Feuerborn über die Anfänge, die er nur aus der Ferne erlebt hat. „Aber jetzt steht schon einiges, das erleichtert die Partnersuche ungemein.“ Zumindest gilt das aktuell für den Campus Melaten, während das Projekt Campus West am Westbahnhof noch in den Kinderschuhen steckt und seit einiger Zeit stockt. Auf beiden Arealen zusammen soll auf einer Fläche von 800.000 Quadratmetern mit 19 Forschungsclustern, in denen Wirtschaft und Wissenschaft kooperieren, eine der größten technologieorientierten Forschungslandschaften Europas entstehen.

Und das hat sich herumgesprochen: „Wir werden mittlerweile auch international sehr intensiv nachgefragt und begrüßen 50 bis 80 Besuchergruppen pro Jahr“, sagt Feuerborn. Denen kann man bald schon einiges mehr zeigen. Gleich neben dem ersten Gebäude des Clusters Logistik, in dem unter anderem die Mitarbeiter der Campus GmbH einen weiten Blick über ihr Aufgabenfeld genießen, steht der erste Rohbau des Clusters Schwerlastantriebe. Dort entsteht bis Ende 2014 für gut 25 Millionen Euro das „Center for Wind Power Drives“ (CWD), das Europas größten Windenergieprüfstand beherbergen wird. Wieder gleich daneben soll sich ebenfalls bald etwas tun.

Das Cluster Photonik wurde im Juli 2013 an ein deutsch-amerikanisches Investoren-Konsortium vergeben. In den ersten Bauabschnitt „Optische Technologien“ investiert die „ante 4C GmbH“ aus Aachen mit den New Yorker KPF-Architekten 11,5 Millionen Euro. Im Sommer 2015 soll der Bau fertig sein, in dem in der Startphase 120 Wissenschaftler ihre Arbeit aufnehmen sollen. Auf einem riesigen Areal auf der anderen Seite des Campus Boulevards sollen die Bagger dagegen schon kommende Woche anrücken.

Dort hat das Düsseldorfer Investoren- und Architektenteam Capricorn Development zusammen mit Henn-Architekten aus München den Zuschlag für das Forschungscluster Produktionstechnik erhalten. Rund 50 Millionen werden in den ersten Bauabschnitt investiert, der ebenfalls im Sommer 2015 fertig sein und 800 Wissenschaftlern viel Raum zum Forschen geben soll. „Das wird fast eine kleine Stadt, in der unter anderem der komplette Bereich E-Mobilität und Leichtbau abgebildet wird“, blickt Feuerborn in die Zukunft.

„Leben auf dem Campus schaffen“

Neben den vielfältigen Forschungsbereichen – im Cluster Biomedizintechnik läuft derzeit beispielsweise das Auswahlverfahren für den zweiten Bauabschnitt – sollen aber auch Einrichtungen geschaffen werden, die den Forschern Service- und Freizeitangebote offerieren. Die sollen in einen Campus-Park eingebettet werden, wo bereits die Bauarbeiten für eine Kita begonnen haben. Weiter denkt man an Sport- und Erholungsmöglichkeiten, an ein Weiterbildungszentrum, ein Hotel und nicht zuletzt an Gastronomie und Handel. „Wir wollen Leben auf dem Campus schaffen“, sagt Feuerborn.

Gerade was die Gastronomie angeht, hakt es aber noch. Es gibt nur ein Bistro am Carpus + Partner-Gebäude. „Mittags wird man sich als Gastronom vor Besuchern nicht retten können, aber die Abend- und Wochenendnachfrage muss sich noch entwickeln“, meint Feuerborn dazu. Weswegen man sich auf dem Campus zurzeit noch ganz schön umschauen muss, um ein Lokal zu finden. Doch wenn das Projekt weiter wächst, dürfte es auch hier nur eine Frage der Zeit sein, bis man mehr sieht.

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