Aachen - Campus-Bahn: Stadt sucht nach Millionen

Campus-Bahn: Stadt sucht nach Millionen

Von: Stephan Mohne
Letzte Aktualisierung:

Aachen. Der Traum klingt toll. Eine batteriebetriebene Hightech-Tram namens Campus-Bahn rollt durch die Stadt.

Innerhalb von nur vier Minuten können die Batterien gewechselt werden. Demnächst eingesetzte Elektrobusse können die Schnellladestationen der Bahn gleich mitnutzen.

Ebenso Carsharing-Autos, Elektroroller und E-Fahrräder. Steigt man aus der Bahn aus, kann man sich einen Wagen aus der Elektroauto-Flotte schnappen, die dann zur Verfügung stehen soll. Allein: Der Traum ist zurzeit noch weit entfernt davon, Realität zu werden. Genauer: zig Millionen Euro weit entfernt. Und so besteht die Gefahr, dass der Traum platzt. Das Projekt hängt derzeit an einem seidenen Faden.

Die Verwaltung legte dem Rat am Mittwoch einen „Sachstandbericht” auf den Tisch. Diesem mangelt es allerdings an den wesentlichen Details: jenen zu den Kosten und wie man diese stemmen kann. Auf Nachfrage der AZ wollte Dezernentin Gisela Nacken nicht konkreter werden. Gesagt wird nur, dass ein Zuschuss von Bund und Land so gut wie sicher ist. Und das man noch versucht, in ein weiteres Förderprogramm zu kommen.

Dahinter verbirgt sich Folgendes: Investiert werden müssten zum Bau der Campus-Bahn wohl deutlich über 100 Millionen Euro. Dafür kann es Zuschüsse von Bund und Land aus dem Gemeindeverkehrsfinanzierungsgesetz (GVFG) von 80 oder gar 90 Prozent geben. Da sieht es gut aus. Aber: Für die E-Tram braucht man einen Betriebshof, der geschätzt über 30 Millionen Euro kosten könnte. Da sieht es schlecht aus, denn dafür gibt es keine Zuschüsse. Die Stadt müsste die Summe alleine stemmen - angesichts der Haushaltslage schwierig. Deswegen hat man das „Schaufenster Elektromobilität” ins Auge gefasst - ein Bundesprogramm, in dem drei bis fünf Leuchtturmprojekte mit insgesamt 180 Millionen Euro gefördert werden. Zusammen mit allen Partnern - darunter die Stawag, Verkehrsunternehmen, Verkehrsverbund, RWTH, Campus GmbH, Uni Münster, IHK, das „Streetscooter”-Projekt und mittelständische Firmen - will man sich darum bewerben, einer der Auserwählten zu werden. Auch laufen Gespräche mit Siemens, sich zu beteiligen.

Nimmt man diese Hürde, stehen weitere im Weg, bis eine solche Bahn rollen könnte. Vor allem die Frage der Folgekosten steht im Raum. Nach bisherigen Berechnungen wird nach Informationen unserer Zeitung von Mehrkosten im Bereich zwischen fünf und zehn Millionen Euro pro Jahr ausgegangen. Wobei dann wegfallende Buskosten schon eingerechnet sind. Überdies grummelt es in Brand, wo mancher schon festgestellt hat: Weil die Bahn bis dorthin fahren soll, müsste die gerade frisch umgebaute Trierer Straße in einigen Jahren einmal mehr zur Großbaustelle werden.

Entscheiden muss die Politik -und zwar bald, weil die GVFG-Zuschüsse nach heutigem Stand nur zeitlich begrenzt zu haben sind. Knifflig wird für die Ratsleute dabei die Frage, ob ihnen das richtungsweisende Projekt die hoch erscheinenden Folgekosten wert sind.
Leserkommentare

Leserkommentare (0)

Sie schreiben unter dem Namen:



Diskutieren Sie mit!

Damit Sie Artikel kommentieren können, müssen Sie sich einmalig registrieren — bereits registrierte Leser müssen zum Schreiben eines Kommentars eingeloggt sein. Beachten Sie unsere Diskussionsregeln, die Netiquette.

Homepage aktualisiert

Finden Sie jetzt neue aktuelle Informationen auf unserer Startseite

Wieder zur Homepage

Die Homepage wurde aktualisiert