Camp Hitfeld: Dunkle Wolken überschatten sonnige Idee

Von: Stephan Mohne und Oliver Schmetz
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Seit fast 20 Jahren eine öde, verlassene Brache: Camp Hitfeld. Uber eine künftige Nutzung des ehemaligen belgischen Militärgeländes ist in der Vergangenheit schon oft ergebnislos diskutiert worden. Jetzt sind auch die aktuellen Pläne für einen Solarpark in Gefahr. Foto: Andreas Steindl

Aachen. Es war eine sonnige Idee, die die Stadt da im Frühling vorigen Jahres verkündet hatte. Auf zwei Dritteln der riesigen, 43 Hektar großen Militärbrache Camp Hitfeld am Aachener Südrand sollte ein Solarpark entstehen, der Rest sollte renaturiert und dem benachbarten Augustinerwald zurückgegeben werden.

Einerseits umweltfreundliche Sonnenenergie produzieren, andererseits Waldflächen wiederaufforsten - das klang nach einem Plan, von dem die Umwelt gleich doppelt profitieren könnte. Und ganz nebenbei hätte man mit dem seit 1992 vor sich hin rottenden belgischen Kasernengelände auch noch elegant einen hässlichen Schandfleck beseitigt.

PlanB in der Schublade?

Bloß: Neun Monate später überschatten dunkle Wolken das ambitionierte Solarprojekt. Denn ob dort tatsächlich einmal auf einer Fläche von rund 50 Fußballfeldern Sonnenenergie gewonnen werden kann, steht derzeit offenbar mehr denn je in den Sternen. Bei der Bundesanstalt für Immobilienaufgaben („Bima”), die Flächen des Bundes - und um eine solche handelt es sich bei Camp Hitfeld - vermarktet, klingt das Ganze jedenfalls längst nicht mehr so optimistisch wie im vorigen Frühling.

Im Gegenteil: „Wir setzen dort nicht um jeden Preis auf Solarenergie”, sagt Norbert Stahl, Leiter der „Bima”-Abteilung Verkauf im Großraum Köln, nun auf AZ-Anfrage. Und offenbar hat die Bundesanstalt auch schon einen PlanB in der Schublade. „Es gibt auch die Möglichkeit, dass wir das Areal komplett als Ausgleichsfläche zum Beispiel für Straßenbauprojekte nutzen”, verrät Stahl. Und fügt hinzu: „Da geht es um beträchtliche Summen, und es kann sein, dass das für uns lohnender ist.”

Das lässt vermuten, dass die Ausschreibung der Fläche zum Verkauf, die Ende vorigen Jahres beendet worden ist, nicht die gewünschten Ergebnisse gebracht hat. „Das kann man so nicht sagen”, hält der „Bima”-Mann dem zwar entgegen und verweist darauf, dass es mehrere Gebote gegeben habe und man jetzt bei der Bewerberauswahl sei.

Doch hat ein Interessent, auf den man bei Politik und Verwaltung in Aachen wohl am meisten gesetzt haben wird, einen Rückzieher gemacht. Denn der lokale Energieversorger Stawag hat nicht wie seinerzeit angekündigt um den Kauf von Camp Hitfeld mitgeboten, sondern lediglich ein Pachtangebot eingereicht, wie Stawag-Sprecherin Eva Wußing der AZ bestätigt.

Der Grund für diesen Sinneswandel dürfte im Boden unter den alten Militärbaracken schlummern: Giftige Altlasten müssen teuer entsorgt werden, bevor Camp Hitfeld neu genutzt werden kann. Auf mehrere zehn Millionen Euro hatte die Stadt damals den Investitionsbedarf für einen Solarpark ebenso vorsichtig wie vage geschätzt.

Der Stawag sind diese Unwägbarkeiten offensichtlich zu groß, weswegen man nun nur ein vorher saniertes Grundstück pachten wolle, so Wußing. Zu einzelnen Geboten mag man sich bei der „Bima” zwar nicht äußern, doch lässt Norbert Stahl keinen Zweifel daran, wie man ein Pachtangebot bei einer Kaufausschreibung bewertet: „Eher negativ”, sagt er.

Und bei der Stadt, wo man in den vergangenen Monaten die Arbeit an einem Bebauungsplan für einen Solarpark vorangetrieben hat, sieht man nach dem Rückzug der Stawag nun auch düstere Wolken aufziehen. „Das ist ein schwerer Rückschlag für das Projekt”, sagt Planungsdezernentin Gisela Nacken. Zumal in Sachen Solarenergie angesichts rasant sinkender Fördermittel „die Zeit drängt”, wie Stahl hinzufügt. Zumindest auf eine Entscheidung der „Bima” muss man nicht mehr lange warten: „Die wird in den nächsten zwei bis drei Monaten fallen”, verspricht Stahl.
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