Café Zuflucht: Auch nach 25 Jahren „leider nicht überflüssig“

Von: Leon Kirschgens
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Sehen die steigende Notwendigkeit von Café Zuflucht: Juliane Hoppe, Winfried Kranz, Elisabeth Hodiamont, Sarah Klaudt, Ali Ismaelovski und Andreas Genten (von links). Foto: Andreas Schmitter

Aachen. Das Café Zuflucht, eine kostenlose Beratungs- und Anlaufstelle für in Aachen und in der Region ankommende Flüchtlinge, feiert dieses Jahr sein 25-jähriges Bestehen. Was 1991 mit einem Sozialarbeiter, prekären Arbeitsverträgen und auf gerade einmal fünf Quadratmetern begann, leisten inzwischen zehn fest angestellte und etwa 30 ehrenamtliche Mitarbeiter in zwei zentralen Beratungsstellen.

„Es wäre uns natürlich lieber, wenn wir überflüssig wären“, sagte Andrea Genten, „aber die Realität sieht leider anders aus.“ Genten ist Vorstandsmitglied des Trägervereins Refugio. Anlass für die Gründung waren damals die stark ansteigenden Flüchtlingszahlen infolge des Bürgerkriegs in Jugoslawien. Heute ist es der Bürgerkrieg in Syrien, der die Einrichtung dringend notwendig macht. Zum Vergleich: 2012 wurden „nur“ etwa 700 Flüchtlinge beraten, 2015 waren es knapp 2000 Flüchtlinge. Bis August dieses Jahres sind es bereits mehr Flüchtlinge als im ganzen Jahr 2015 zusammen.

Dass speziell in Aachen so viele Flüchtlinge ankommen, liege sowohl an der Grenznähe zu Belgien und den Niederlanden als auch daran, dass das Café Zuflucht eine der wenigen Flüchtlingsberatungsstellen in der Region ist. Hierin sieht Juliane Hoppe, Leiterin der Verfahrensberatung für unbegleitete minderjährige Flüchtlinge, ein großes Problem: „Oft werden die Jugendlichen in Gegenden umverteilt, wo gar keine Strukturen für deren Betreuung vorhanden sind.“ Es seien mehr Schulplätze mit integrativen Projekten vonnöten.

Oft sprächen unbegleitete minderjährige Flüchtlinge schon nach wenigen Monaten gut Deutsch – wenn die Unterbringung denn funktioniere. „Wenn die Flüchtlinge noch nicht einmal zu uns nach Aachen kommen können, geschweige denn überhaupt von uns hören, haben sie keine Möglichkeit auf Rechtsberatung, Unterstützung bei der Schulunterbringung oder medizinische Untersuchung.“

Schwerpunkt der Arbeit des Café Zuflucht liegt derzeit auf der Beratung zu Fragen des Asyl- und Ausländerrechts. Aber auch Fragen zur Arbeit, zur (psycho-)sozialen Betreuung und sozialen Sicherung gehört zum Alltag. „Derzeit ist die Frage nach dem Familiennachzug sehr aktuell, da dieser für nicht anerkannte Flüchtlinge bis Anfang 2018 ausgesetzt wurde“, sagte Leiterin Sarah Klaudt, „und selbst für anerkannte Flüchtlinge ist der Familiennachzug vor 2018 unrealistisch.“ Wichtig sei es, jedem einzeln zu helfen: „Beim Ausländeramt wird selten die individuelle Geschichte des Flüchtlings beachtet“, so Klaudt, „das versuchen wir und wollen jedem persönlich helfen.“ Andernfalls liege bei fehlender Rechtsberatung die Abschiebung schon oft wenige Tage später im Briefkasten.

Auch wenn nach 25 Jahren Flüchtlingsberatung noch vieles besser laufen könnte, betonte Genten die nicht nur finanziell große Unterstützung seitens der Stadt, dem Land und aus der Bevölkerung: „Die Aachener sind unheimlich hilfsbereit, Fremdenfeindlichkeit gibt es hier nur sehr wenig.“

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