Aachen - Bushofareal: Architekten treffen sich zur „Jam Session“

Bushofareal: Architekten treffen sich zur „Jam Session“

Von: Stefan Herrmann
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Beton-Brutalismus in der City: Was passiert mit dem Bushofareal? Erste Ideen wollen nun Architekten und Stadtplaner beim BDA-Workshop „Denkwerk:Stadt“ erarbeiten. Foto: Michael Jaspers

Aachen. Der Schandfleck mitten in der City ist seit langem im Gerede. Der Gebäudekomplex? Nicht mehr zeitgemäß und schäbig. Das Umfeld? Chaotisch und mitunter gefährlich.

Grund genug für zahlreiche Architekten und Stadtplaner aus Aachen und der Region, das Bushofareal samt angrenzendem alten Kurhaus und der Kirche St.Peter genauer unter die Lupe zu nehmen. Daher findet die von der Aachener Gruppe des Bundes Deutscher Architekten (BDA) an diesem Wochenende initiierte „Denkwerk:Stadt“ zum zweiten Mal statt.

Es gibt keine Denkverbote

Am Samstag, 5. November, kommen in diesem Rahmen etwa 25 Experten im Pavillon der Stadtbibliothek zusammen, um einmal jegliche Denkverbote und -grenzen über Bord zu werfen und Positionen, Strategien und Konzepte zu erarbeiten, wie der gesamte Bushofbereich entwickelt werden könnte. Dabei gehe es nicht, wie der Aachener BDA-Vorsitzende Prof. Klaus Klever betont, um ganz konkrete und detaillierte Vorschläge zur Umsetzung. „Klar ist: Aachen macht an diesem Standort keine gute Figur. Unser Ziel lautet daher, Wege aufzuzeigen, wie das Stadtbild und somit die Aufenthaltsqualität wesentlich verbessert werden kann.“

Längst sei zum Beispiel deutlich geworden, dass die Wagenhalle – also der düstere Bereich, wo die Busse unterhalb des wuchtigen Betonkomplexes an den Haltestellen anfahren – bei einer künftigen Planung keine tragende Rolle mehr spielen werde. Welche Chancen entstehen dadurch? Welche Belange müssen berücksichtigt werden? Können durch Komplett- oder Teilabrisse der Gebäude neue Orte, möglicherweise sogar neue Grünflächen im Herzen der Stadt entstehen? „Jetzt besteht die Chance, all das, was in den 60er und 70er Jahren an dieser Stelle planerisch versaut worden ist, in etwas Besseres umzugestalten“, glaubt Klever.

Dabei sieht sich die „Jam Session“, wie der BDA die Veranstaltung selbst bezeichnet, als bewusst ungezwungener Auftakt für weitere Überlegungen, die künftig auch in einen offiziellen städtebaulichen Wettbewerb zum Bushof einfließen können.

Seit geraumer Zeit wird eine Umgestaltung des Areals politisch diskutiert. Vor allem die Idee, Volkshochschule und Stadtbibliothek in diesem Zuge zusammenzulegen, trifft bei zahlreichen Akteuren in der Stadt auf Zustimmung. Auch Klever kann sich ein völlig neu konzipiertes „Haus der Bildung und der Kultur“, wie er es nennt, an diesem Standort gut vorstellen. Und noch viel mehr. „Any-thing goes“ ruft er den Slogan des berühmten österreichischen Philosophen Paul Feyerabend gleichermaßen als Motto für die zweite „Denkwerk:Stadt“ aus.

Die Premiere vor einem Jahr hatte den Kaiserplatz im Fokus und punktete mit durchaus spannenden Ideen, wie dieser ebenfalls immer wieder heiß diskutierte markante Standort in der City anders gestaltet und städtebaulich neu gedacht werden könnte. Allerdings: Es blieb bisher beim vagen kreativen Output. Selbstkritisch merkt Klever ein Jahr danach an, dass die damaligen ersten Ergebnisse des Experten-Workshops nicht greifbar genug in eine Form gegossen wurden, um sie weiterverwenden zu können. Dies wolle man nun noch nachholen. Zusammen mit den Ergebnissen der zweiten „Denkwerk:Stadt“ sollen diese dann bei einer öffentlichen BDA-Veranstaltung, die voraussichtlich Ende 2016 oder spätestens Anfang 2017 stattfindet, präsentiert werden.

Doch auch am Samstag können Interessierte ab 19 Uhr im Pavillon der Stadtbibliothek bereits vorbeischauen, um zumindest einen ersten Einblick zu gewinnen, wie sich Architekten, Dozenten und Studierende der RWTH sowie Stadtplaner die Zukunft des Bushofareals vorstellen können. Diese wird auch anhand des Aachener Stadtmodells aufgezeigt, das ansonsten im Haus Löwenstein zu besichtigen ist.

Im Herbst 1973 ist der Bushof in seiner jetzigen Gestalt in Betrieb genommen worden. Damals wurde alles dem einen Ziel untergeordnet: Man wollte eine autogerechte Stadt schaffen. „Jetzt müssen wir uns überlegen, wie wir Städtebau und Verkehr für die nächsten 50 Jahre denken wollen“, so Klever.

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