Aachen - Burtscheider Geschäftswelt: Angst vor Einbrechern geht wieder um

Burtscheider Geschäftswelt: Angst vor Einbrechern geht wieder um

Von: Oliver Schmetz
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Spiegelbild der Ereignisse: Nach zwei Einbrüchen in drei Tagen verzichtet Optiker Uwe Marschall in Burtscheid erstmal auf Schaufensterdekoration. Zurzeit suchen Serientäter die Geschäftsleute heim. Foto: Michael Jaspers
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Einbruchsfolge: Provisorische Holztüren haben Hochkonjunktur – wie hier im Café „Leni liebt Kaffee“. Foto: Michael Jaspers

Aachen. Wenn eine Kioskbesitzerin jeden Abend alle Zigaretten aus ihrem Geschäft mit nach Hause nimmt, weil sie Angst vor Einbrechern hat, dann muss schon etwas gewaltig schief laufen. „Aber was soll ich denn sonst tun?“, fragt Diana Demirhat.

In ihren Laden am Burtscheider Markt ist bereits zweimal eingebrochen worden. Beide Male wurde die Glastür zertrümmert, so langsam mache die Versicherung Probleme, erzählt die Ladenbesitzerin.

Es scheint tatsächlich etwas gewaltig schief zu laufen in Burtscheid, denn Diana Demirhats Kiosk ist beileibe nicht das einzige Geschäft in der Burtscheider Fußgängerzone, das von Einbrechern heimgesucht worden ist. Im Gegenteil: „Im Laufe des letzten Jahres hat es hier doch fast alle erwischt“, sagt Augenoptiker Uwe Marschall. Ihn hat es zweimal binnen drei Tagen getroffen, kurz vor Ostern, vor gut zwei Wochen. Erst ging die Türe zu Bruch, dann ein Schaufenster. „Sehr viele Brillen wurden gestohlen, außerdem war der Sachschaden sehr hoch“, erzählt der Geschäftsmann, der nun erhöhte Sicherheitsvorkehrungen ergreifen will.

Auch das vorerst jüngste Opfer ist bereits ein gebranntes Kind. In der Nacht zum Sonntag wurde in Rita Geuers Änderungsschneiderei am Burtscheider Markt eingebrochen, ebenfalls ein Wiederholungsfall. Nach dem ersten Mal im vorigen Herbst, als die Täter in Serie in Burtscheid zuschlugen, mobilisierte die Schneiderin andere betroffene Geschäftsleute und schaltete auch die Burtscheider Interessengemeinschaft (BIG) ein. Gemeinsam übte man heftige Kritik an der Polizei, der Untätigkeit vorgeworfen wurde.

Solche Anklage erhebt Rita Geu- er nun nicht. Die Polizei habe ihre Präsenz nach der umfangreichen AZ-Berichterstattung seitdem „auf jeden Fall verbessert“, sagt sie. Und dennoch leidet man jetzt erneut unter einer Einbruchsserie, was die Schneiderin „richtig wütend“ macht.

Denn zur Angst vor Einbrechern gesellen sich Existenzsorgen. Geuer erzählt, dass ihre Versicherung beim nächsten Mal den Schaden nicht mehr tragen wolle: „Und eine Tür für 2000 Euro kann ich mit meiner Schneiderei nicht bezahlen.“ Da tröstet es sie auch nicht, dass einer der Tatverdächtigen, ein 17-Jähriger, auf frischer Tat ertappt wurde, weil Zeugen die Polizei riefen. „Der ist doch bestimmt schon wieder auf freiem Fuß“, ärgert sich Geuer.

Der Kompagnon des 17-Jährigen – etwa 20 Jahre alt, 175 bis 180 cm groß und schlank – konnte fliehen. Man prüfe nun, ob das Duo auch für andere Taten in der näheren Umgebung verantwortlich sei, erklärt Polizeisprecherin Sandra Schmitz. Da bieten sich alleine in den vergangenen Tagen zwei weitere an. Der Versuch, in das Café „Leni liebt Kaffee“ am Burtscheider Markt einzubrechen, scheiterte laut Polizei zwar, aber die Eingangstür ist trotzdem hin.

Und gleiches gilt für das Nagelstudio für Thuy Phuong Vu, wo die Täter in der Nacht zum vorigen Freitag nicht nur Scherben hinterließen, sondern auch die Kasse klauten. Provisorische Holztüren haben zurzeit wieder Hochkonjunktur in Burtscheid. Passanten können so leicht sehen, wen es als nächsten erwischt hat.

Genauer hinschauen will angesichts der Einbruchsserie auch die Polizei. Man werde in Burtscheid verstärkt auf Streife gehen, auch in Zivil und nachts, kündigt Schmitz an. Darüber würde sich auch Diana Demirhat freuen, die sich darüber ärgert, dass sie die Polizei vor ihrem Kiosk „immer nur tagsüber“ stehe – und abends vorsichtshalber alle Zigaretten mit nach Hause nimmt.

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