Aachen - Burtscheid: Umzugspläne für das Schwertbad

Burtscheid: Umzugspläne für das Schwertbad

Von: Matthias Hinrichs und Oliver Schmetz
Letzte Aktualisierung:
9190049.jpg
Thermalstandort Burtscheid vor dem Aus? Ohne Rheumaklinik (links) und Schwertbad wäre auch der Titel „Bad Aachen“ gefährdet.
9190048.jpg
Der neue Standort? Neben dem Franziskushospital am Morillenhang könnte eine Reha-Klinik gebaut werden. Foto: Michael Jaspers

Aachen. Die Neujahrsgrüße quittiert Frank Stehr mit einem Lachen. „Es kann nur besser werden“, sagt er. Schließlich ist Stehr Betriebsratsvorsitzender im „neuen“ Schwertbad, in dem die Burtscheider Kureinrichtungen Rheumaklinik und Schwertbad zusammengefasst worden sind.

Und damit haben er und seine rund 260 Kollegen ein Jahr hinter sich, das man keinem Arbeitnehmer wünschen möchte: Permanente Schließungsdrohungen und ultimative Forderungen des Arbeitgebers nach „freiwilligem“ Gehaltsverzicht ließen die Mitarbeiter fortwährend um ihre Jobs bangen.

Die zermürbende Hängepartie dauert 2015 an: Der Gehaltsverzicht ist nicht vom Tisch, eine Entscheidung zum Fortbestand des Hauses nicht gefallen. Doch es gibt eine neue Entwicklung, die Stehr verhalten optimistisch stimmt – aber fatale Folgen für den Kur-standort Burtscheid und den Titel „Bad Aachen“ haben könnte. Denn die Marienhaus-Gruppe, der das Schwertbad gehört, prüft die Idee, eine neue Rehaklinik am Morillenhang neben dem Franziskus-Krankenhaus zu bauen, das dem Konzern ebenfalls gehört.

Die Mitarbeiter sind über diese Pläne auf einer Betriebsversammlung informiert worden, und der Sprecher der Marienhaus-Gruppe, Heribert Frieling, bestätigt auf Anfrage, dass es sich um eine „ernsthafte Option“ handele. „Wir zeigen damit, dass wir in alle Richtungen schauen, um für alle Beteiligten eine Lösung zu finden“, sagt er. „Es gibt Interessenten, die mit uns in Aachen Reha machen wollen.“

Den Plan, eine Reha-Klinik mit 250 Betten bauen zu wollen, hatte der Konzern vor eineinhalb Jahren verkündet. Allerdings war immer vom traditionsreichen Kur-Standort Burtscheid die Rede. Zuletzt deutete dabei alles auf ein Grundstück an der Benediktinerstraße hin, wo schon einmal eine Erweiterung des Schwertbades vorgesehen war. Die Kehrtwende ist für den Betriebsratsvorsitzenden „wirtschaftlich leicht nachvollziehbar“.

Das Grundstück am Morillenhang sei groß genug und gehöre dem Unternehmen, in Burtscheid dagegen gebe es Probleme. Denn das Gebäude, in dessen Keller sich die heiße Landesbadquelle befindet, hat man an Investoren verkauft, die Luxuswohnungen mit Thermalbad und Wellnessoase bauen wollen. Vor allem die „Entflechtung der technischen Anlagen“ gestalte sich schwierig und sei „sehr teuer“.

Heftige Bauschmerzen lösen die Klinik-Pläne indes auf Seiten der Stadt aus. „Natürlich werten wir es zunächst als gutes Zeichen, dass es für die Beschäftigten wohl weitergehen soll“, erklärt OB Marcel Philipp. „Aber wir müssen ebenso großes Interesse daran haben, den Kurstandort Burtscheid zu erhalten. Allerdings haben wir relativ wenige Möglichkeiten, Einfluss zu nehmen, auch wenn die Stadt Genehmigungen erteilen müsste, damit ein Neubau am Morillenhang realisiert werden könnte.“

Die Anerkennung Aachens als Heilbad wäre zudem akut gefährdet. „Wenn die Stadt mit der Kurklinik an der Rosenquelle nur noch ein einziges echtes Heilbad vorweisen könnte, könnte das durchaus den Tod von ,Bad Aachen‘ bedeuten“, fürchtet Kurdirektor Werner Schlösser. Zwar sei der Titel längst nicht mehr mit allzu üppigen Subventionen verbunden. Aber mit dem Aus fiele naturgemäß auch die Möglichkeit zur Erhebung von Kurbeiträgen weg. „Das Haus des Gastes als zentrale Betreuungseinrichtung für Kurgäste wäre dann nicht mehr finanzierbar.“

Und das hätte auch für die Klinik an der Rosenquelle erhebliche Konsequenzen, unterstreicht deren Direktor Rolf-Leonhard Haugrund. „Wir haben enormes Interesse daran, dass das Schwertbad – und damit das einzig verbliebene echte Kurgebiet der Stadt – erhalten bleibt.“ Zwar fürchtet Haugrund, der auch Vorsitzender der Burtscheider Interessengemeinschaft ist, keine allzu drastischen Verluste für die Geschäftsstruktur im Umfeld, doch Schlösser will auch dies keineswegs ausschließen: „Gerade weil die Kurgäste nicht so mobil sind, geben sie eine Menge Geld im Umfeld aus. Auch wirtschaftlich wäre es ein herber Schlag für Burtscheid, wenn die Patienten ausblieben.“

Gespräche über Gehaltsverzicht

Für die Beschäftigten des Schwertbades dagegen wäre es die Rettung ihrer Arbeitsplätze. Und die Zeit drängt. Mitte 2017 müssen die Teile des Rheumaklinik-Gebäudes, die von der Klinik noch genutzt werden, geräumt sein. Bis dahin müsste die neue Klinik stehen. Eigentlich hätte ein wegweisender Beschluss über die Zukunft des Schwertbades bis Ende 2014 fallen sollen. „Wir werden bald zu einer Entscheidung kommen“, sagt Frieling für die Marienhaus-Gruppe.

Vorher stehen aber noch einmal Einzelgespräche mit den Mitarbeitern an. Wieder geht es dabei um die Forderung nach Gehaltsverzicht, die der Arbeitgeber von Beginn an mit den Neubauplänen verknüpft hat. „Ich kenne keinen, der dazu bereit ist“, sagt Stehr und verlangt angesichts der neuen Klinik-Pläne auch neue finanzielle Berechnungen. „Schließlich will keiner ins Blaue hinein verzichten.“ Zumindest bei dieser Frage beginnt das neue Jahr im Schwertbad so, wie das alte aufgehört hat.

Leserkommentare

Leserkommentare (0)

Sie schreiben unter dem Namen:



Diskutieren Sie mit!

Damit Sie Artikel kommentieren können, müssen Sie sich einmalig registrieren — bereits registrierte Leser müssen zum Schreiben eines Kommentars eingeloggt sein. Beachten Sie unsere Diskussionsregeln, die Netiquette.

Homepage aktualisiert

Finden Sie jetzt neue aktuelle Informationen auf unserer Startseite

Wieder zur Homepage

Die Homepage wurde aktualisiert