Aachen - Burtscheid: Lohnverzicht für neue Klinik

Burtscheid: Lohnverzicht für neue Klinik

Von: Oliver schmetz
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Noch Kurkliniken, bald schon Kaufobjekte: Die Gebäude von Schwertbad (rechts) und Rheumaklinik (im Hintergrund) sollen verkauft werden, beide Häuser sollen in einem 35-Millionen-Euro-Neubau in Burtscheid zusammengefasst werden. Foto: Michael Jaspers

Aachen. Die Nachrichten müssen für die meisten der Mitarbeiter wie ein Schock gewirkt haben: Rheumaklinik und Schwertbad werden in ihrer jetzigen Form nicht weiterexistieren. Beide Burtscheider Kurkliniken werden zunächst vor Ort in eine neue Einheit zusammengeführt, ehe an anderer Stelle in Burtscheid für 35 Millionen Euro eine neue Rehaklinik gebaut wird.

Von den Beschäftigten werden dafür Opfer verlangt: Für 54 Vollzeitkräfte aus Schwertbad, Schwertbad-Ambulanz und Rheumaklinik, wo heute insgesamt 177 Vollzeit- und 117 Teilzeitkräfte arbeiten, besteht dann „keine Verwendung“ mehr. Und die übrigen Mitarbeiter aus der Rheumaklinik, die in die neue Reha-Klinik wechseln, sollen auf 20 Prozent ihres bisherigen Gehalts verzichten – „freiwillig“, wie der Arbeitgeber betont.

Damit würden sie so wenig verdienen wie die 151 Kollegen aus dem benachbarten Schwertbad, die wie berichtet mit ihrer Gewerkschaft Verdi seit Monaten für eine bessere Bezahlung kämpfen – weil sie eben 20 Prozent weniger verdienen, als es im Tarif für den öffentlichen Dienst festgeschrieben ist. Man könnte auch zynisch sagen, der Verdi-Forderung nach gleichen Löhnen in beiden Häusern kommt der Arbeitgeber nun durch Absenkung entgegen.

„Dringenden Handlungsbedarf“

Der Träger der beiden Burtscheider Kurkliniken, die katholische Marienhaus GmbH aus dem rheinland-pfälzischen Waldbreitbach, hat dieses Konzept am Montag auf einer Beschäftigtenversammlung vorgestellt. „Die wirtschaftliche Lage beider Häuser ist so, dass es diesen dringenden Handlungsbedarf gibt“, verteidigt Heribert Frieling, Sprecher des Konzerns, auf AZ-Anfrage den Stellenabbau und den Appell zum Gehaltsverzicht. „Gleichwohl haben wir Vertrauen in den Reha-Standort Burtscheid und sind zum Neubau bereit“, sagt er. Frieling unterstreicht die „Freiwilligkeit“ des Lohnverzichts und sagt: „Wer das nicht will, bekommt weiter seinen alten Lohn.“

Ob es dann zu mehr Entlassungen komme, vermag der Sprecher nicht zu beantworten. Und ob das Neubau-Projekt gefährdet sei, wenn keiner verzichte? „Dann muss man alle Optionen überdenken“, formuliert Frieling ausweichend. In der Beschäftigtenversammlung hat sich das nach AZ-Informationen anders angehört: Demnach wurde dort für diesen Fall gesagt, dass die Schließung beider Kurkliniken im Raum stehe.

Verdi-Sekretär Harald Meyer spricht deshalb auch von „Erpressung“ nach dem Motto „Verzicht auf faire Vergütung oder Jobverlust“. Er wirft dem Konzern vor, eine Vergütung 20 Prozent unter dem Tarif des öffentlichen Dienstes sei keine Bezahlung „in geziemender Weise“, wie sie die katholische Kirche in ihren eigenen Gesetzen festgeschrieben habe. „Davon kann man doch keine Familie mehr ernähren.“

Frieling hingegen betont, dass man den Beschäftigten eine langfristige Perspektive bieten wolle: „Wir bauen darauf, dass dieses Konzept auch für die Mitarbeiter seinen Charme hat.“ Im Detail sieht der Plan vor, in Burtscheid bis 2017 ein Haus mit 249 Betten und 60 Plätzen für die ambulante Reha zu bauen, in der 180 Vollzeitstellen geschaffen werden. Es soll eine Klinik für orthopädische und rheumatologische Patienten sowie für solche mit psychosomatischen Beschwerden werden. Ein Standort in Burtscheid sei noch nicht gefunden, sagt Frieling, man habe aber mehrere Optionen im Blick.

Die beiden Häuser in der Burtscheider Fußgängerzone sollen im Gegenzug verkauft werden, die Rheumaklinik schon bald. Dort will man vom neuen Besitzer Teile wieder zurückmieten, um den psychosomatischen Bereich aufzubauen. Das Schwertbad soll derweil bis 2017 weiter betrieben werden. Auch den Stellenabbau wolle man bis dahin „sukzessive“ vornehmen, sagt Frieling. Man setze dabei unter anderem auf Vorruhestandsregelungen und normale Fluktuation: „Da gibt es bis 2017 sicher viele Gestaltungsmöglichkeiten, um zu einvernehmlichen Lösungen zu kommen.“

Verdi dürfte das wohl anders sehen. Die Gewerkschaft lädt ihre Mitglieder aus den betroffenen Kurkliniken am 27. Juni zur Versammlung. Dort wird entschieden, was zu tun ist. „Ich will zwar keine Prognose abgeben“, sagt Verdi-Sekretär Meyer, „aber ich kann mir nicht vorstellen, dass die Leute freiwillig auf 20 Prozent ihres Gehaltes verzichten wollen.“

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