Aachen - „Burglind“ über Aachen: Hunderte Einsätze, keine Verletzten

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„Burglind“ über Aachen: Hunderte Einsätze, keine Verletzten

Von: Oliver Schmetz
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Durch den Sturm wurden im ganzen Stadtgebiet zahlreiche Bäume entwurzelt. Foto: Michael Jaspers Foto: Michael Jaspers

Aachen. Manchmal kommt so ein Orkan wirklich zum unpassendsten Zeitpunkt. Denn als das Tief „Burglind“ am Mittwoch um fünf Uhr morgens die Stadtgrenze erreicht, hat die Berufsfeuerwehr gerade anderes zu tun. Durch drei parallele Einsätze an Brandmeldeanlagen sind nahezu sämtliche Kräfte gebunden, als auf Aachener Stadtgebiet die ersten Bäume ins Wanken geraten.

Deshalb wird für alle Einheiten der freiwilligen Feuerwehr „Vollalarm“ ausgelöst – und elf Löschzüge setzen sich in Bewegung. Dutzende umgestürzte Bäume halten 185 Einsatzkräfte von Berufs- und freiwilliger Feuerwehr stundenlang in Atem, wobei sich Laurensberg, Richterich und Walheim als Einsatzschwerpunkte herauskristallisieren.

In Walheim fällt ein Baum auf ein Wohnhaus, in Richterich blockieren umgestürzte Bäume die Bahngleise, außerdem muss der Park von Schloss Schönau gesperrt werden. Einen Baum bläst „Burglind“ auch an Linzenshäuschen um, weswegen die Eupener Straße zeitweise gesperrt werden muss. Länger gesperrt wird ein Teil der Krefelder Straße, weil in Höhe der Autobahnabfahrt ein Baum auf die Straße stürzt und eine Laterne mitreißt. Etliche Bäume fallen auch auf dem Friedhof Lintert, am Hangeweiher und an vielen anderen Stellen der Stadt. In Haaren trifft einer die Kirche St. Germanus, an der ein Seitendach beschädigt wird. Alleine bis gegen Mittag fährt die Feuerwehr 91 Einsätze.

Immerhin: Verletzte hat der schwere Sturm, der in Aachen Spitzengeschwindigkeiten von bis zu 121 Stundenkilometern erreicht, nach den ersten Erkenntnissen der Einsatzkräfte nicht gefordert – was auch Polizeisprecher Paul Kemen am Nachmittag angesichts des hohen Sachschadens, den „Burglind“ offensichtlich angerichtet hat, „wirklich erstaunlich“ findet. Das ist zum einen purem Glück geschuldet: In der Lothringerstraße fliegen Dachziegel auf ein Auto, in Oberforstbach kracht ein Baum auf einen Pkw, in der Von-Pastor-Straße in Burtscheid durchschlägt ein Ast eine Heckscheibe – doch in allen Fällen handelt es sich um geparkte Fahrzeuge, in denen sich niemand befindet.

Zum anderen stellt die Polizei aber auch den Verkehrsteilnehmern ein gutes Zeugnis aus: „Ein großes Lob an die Autofahrer. Sie haben sich gut auf die widrige Situation und die vielen Hindernisse eingestellt“, sagt Kemen. Und wenn es doch kracht, kommt wieder das Glück zu Hilfe: Die 20 Unfälle, die sich alleine zwischen 5 und 15 Uhr ereignen, sind allesamt Blechschäden. Und Hindernisse gibt es auf Aachens Straßen einige: Außer wegen umstürzender Bäume wird die Polizei wegen umherfliegender Mülltonnen, Baustellenschilder und Verkehrszeichen gerufen. Allein zwischen 5 und 5.50 Uhr, als „Burglind“ mit größter Wucht über Aachen hereinbricht, verzeichnet die Leitstelle 250 Notrufe. 50 Sturmeinsätze fahren die Streifenwagen bis zum Nachmittag.

Die Deutsche Bahn fährt dagegen kaum. Am Hauptbahnhof stranden tausende Fahrgäste, weil etliche Zugverbindungen ausfallen. Mit Taxis und Bussen wird ein Schienenersatzverkehr improvisiert. Am Nachmittag gibt es dann leichte Entwarnung: Die Bahn vermeldet online, dass der Fernverkehr nicht mehr beeinträchtigt sei, es im Nahverkehr aber noch zu Störungen kommen könne. Und speziell zwischen Aachen und Herzogenrath könne dies auch noch den Donnerstag betreffen, heißt es.

Erheblich „beeinträchtigt“ sind auch die städtischen Grünanlagen, denn dort sorgt „Burglind“ für reichlich Kleinholz. Alle Mitarbeiter der Grünflächenpflege des Stadtbetriebs sind im Einsatz, um Schäden zu beseitigen oder überhaupt erst einmal festzustellen. Der Ostfriedhof und der Friedhof an der Nirmer Straße in Eilendorf werden aus Sicherheitsgründen gesperrt. Weitere Sperrungen könnten folgen, heißt es beim städtischen Presseamt. Denn in den nächsten Tagen werde man alle Grünanlagen und Spielplätze sowie die Freiflächen der städtischen Schulen und Kitas kontrollieren. Letztere will man bis zum Ferienende wieder herrichten, an anderen Stellen könnten die „umfangreichen Aufräumarbeiten auch noch die nächsten Wochen anhalten“, teilt die Stadt mit.

Und noch einen Rat hat die Verwaltung parat: Den Wald sollte man zurzeit am besten meiden. Denn dort bringe man sich nicht nur unnötig in Gefahr, sondern dort sei man auch juristisch betrachtet auf eigene Gefahr unterwegs. Ganz abgesehen davon, dass so ein Orkan wie „Burglind“ nun wirklich der unpassende Zeitpunkt für einen Waldspaziergang ist.

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