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Bunte Boten heißen Frühling willkommen: Fast 100.000 Blumen gepflanzt

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Arbeiten im Akkord: Circa 5000 Blumen werden allein im Elisengarten gepflanzt, fast 100.000 im gesamten Stadtgebiet. Rund fünf Monate braucht es, bis aus den kleinen Setzlingen bunte Blumen gewachsen sind.
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Von links: Ilse Stollenwerk (Leiterin Grünflächen und Friedhofswesen), Thorsten Schnelke und Irmgard Vorhagen (Blumen- und Zierpflanzengärtner/in der Stadtgärtnerei).

Aachen. Morgens um halb zehn in Aachen: eine Gruppe Touristen im Fotofieber. Mit der Kamera in der Hand gehen sie auf Bilderjagd, um die schönsten Ecken der Altstadt für die Ewigkeit festzuhalten. Doch zwischen Elisenbrunnen und Dom erfährt ein Motiv heute ganz besondere Aufmerksamkeit: vier Männer in Orange, die in den Beeten hocken und Stiefmütterchen pflanzen.

Der Frühlingsflor hält Einzug in die Parks und Straßen – dafür sorgt derzeit wieder der Aachener Stadtbetrieb. Pünktlich zum Frühlingsbeginn bringen die Männer jetzt Farbe in den Elisengarten, der sich noch ein wenig karg und vom Winter gezeichnet zeigt. Einer von ihnen ist Felix Scherer. Seit 2009 bei der Stadt Aachen als Gärtner beschäftigt, hat er wohl schon das ein oder andere Pflänzchen in den Händen gehalten. Heute sind Stiefmütterchen an der Reihe.

Doch von Eintönigkeit ist bei dem 32-Jährigen nichts zu spüren. „Jede Blume hat ihr eigenes Gesicht – und das möchte ich den Parkbesuchern zeigen“, erklärt er lächelnd. Und in der Tat dreht und wendet Felix Scherer die Blumen beim Einpflanzen stets, bis sie ihre schönste Seite präsentieren. Und das im Akkord. Circa 5000 Stiefmütterchen wollen heute allein im Elisengarten in den Boden gesetzt werden.

Ein Park von vielen. Vom Ferberpark bis zum Münsterplatz, von der Vaalser Grenze bis zum Kurpark in Burtscheid schmücken derzeit fast 100.000 Blumen an der Zahl – Stiefmütterchen, Primeln, Vergissmeinnicht – Aachens Beete. Sie alle stammen aus der Stadtgärtnerei, die nahe des Wurmtals, weit draußen an der Krefelder Straße, beheimatet ist. Eine „Blumenfabrik“, in der 16 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter dafür sorgen, dass Aachen stets mit buntem Blütenwerk versorgt wird – im Frühling, im Sommer und im Herbst.

Blicken wir ein wenig mehr hinter die Kulissen. Denn rund um die neun Gewächshäuser à 4000 Quadratmeter plus 750 Quadratmeter Folientunnel geschieht mehr, als reines Aufziehen tausender Blumen, Sträucher und Bäume.

Es ist Oktober, in Aachen kehrt langsam der Winter ein. Bereits jetzt beginnen die Gärtnerinnen und Gärtner draußen an der Krefelder Straße mit den Vorbereitungen für den Frühlingsflor. Tausende kleine Töpfchen werden mit Jungpflanzen bestückt, zuvor aus Saatgut gezogen. Lediglich eine knapp mannshohe Maschine, die die Töpfe mit Erde befüllt, unterstützt bei der Arbeit. Den Rest erledigen Mann und Frau vor Ort: Topf bepflanzen, rein in die Palette und später ins Gewächshaus. Rund 3000 schafft die Maschine in der Stunde, mit sechs Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern ist ein Tagewerk von 25.000 fertig bepflanzten Töpfen möglich.

Von den 500 Litern Erde, die die Maschine fasst, ist übrigens nicht alles gekaufter Boden. „Für die besonderen Beete, wie den Wechselflor, mischen wir eigene Erde bei“, erklärt Stadtgärtner Thorsten Schnelke. Pflanzenabfälle der Stadtgärtnerei und aus der Stadt, zurückgeschnittenes Strauchwerk und gesammeltes Laub werden vor Ort für den Eigenbedarf zu Kompost verarbeitet. Circa ein Jahr muss das Gemisch ruhen, ab und an umgesetzt werden, bis es ganz verrottet ist. „Zu guter Letzt kommt die kompostierte Erde in den Erddämpfer“, weiß Schnelke. „Hier wird sie auf 100 Grad Celsius erhitzt und so von möglichen Keimlingen befreit.“ Am Ende wächst der junge Flor also in bester Erde aus den eigenen Reihen.

Von Oktober bis Februar kümmern sich die Arbeitskräfte darum, dass die Pflanzen kräftig gedeihen, bevor sie im Frühjahr in die städtischen Beete gesetzt werden – und in der Gärtnerei wieder Platz machen für den anstehenden Sommerflor. Bis der Herbst naht und Straßen und Parks ein letztes Mal fürs Jahr hübsch gemacht werden. Kommt da nicht irgendwann Langeweile auf? „Von wegen! Wenn ich Feierabend habe, geht’s Zuhause gleich weiter mit dem Pflanzen“, erzählt Irmgard Vorhagen lachend.

Seit 1986 arbeitet sie in der Stadtgärtnerei als Blumen- und Zierpflanzengärtnerin – in den eigenen Reihen kurz „BluZi“ genannt. Und sie kann von den bunten Blumen nicht genug bekommen, wie sie selber sagt. Ilse Stollenwerk, Leiterin des Geschäftsbereiches Grünflächen und Friedhofswesen, fügt dem lächelnd hinzu: „Wir sagen immer: Die grünen Berufe sind einfach Berufung.“

Schon einen Tag später zerstört

Umso trauriger, dass so manch einer dieses liebevolle Werk nicht zu schätzen weiß. Die Abteilungsleiterin berichtet von Beeten in der Stadt, die gleich einen Tag nach der Bepflanzung mutwillig zerstört werden. Sinnlos werden frische Blumen ausgerissen und achtlos daneben geworfen. „Sogar vor den Gitterkästen am Markt wird kein Halt gemacht – die nehmen die Blumenkästen gleich im Ganzen mit“, weiß Stollenwerk. Und so stehen auch immer mehrere Dutzend Kästen im Gewächshaus auf Halde, fertig bepflanzt, um im Falle eines Diebstahls die kahlen Ecken in der Stadt wieder schnell mit frischem Grün zu ersetzen.

Zum Glück sind dies aber nur Einzelfälle, denn der Großteil der Bürgerinnen und Bürger weiß die bunte Pracht zu schätzen. Wie im Elisengarten. Um 7.30 Uhr haben die Kollegen mit dem Pflanzen begonnen. Jetzt ist es Mittag. Ihr Werk vollbracht, nehmen sie nun auf einer der Bänke im Park Platz, packen ihr Butterbrot aus der Tasche und genießen den Anblick ihrer Arbeit. Und als Geschenk obendrauf blicken sie in die lächelnden Gesichter der Vorbeiziehenden und freuen sich im Stillen, dass sie der Stadt heute ein paar Frühlingsgefühle beschert haben.

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