Bunker in der Rütscher Straße: Richter nimmt Zündstoff weg

Von: Oliver Schmetz
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Heute keine Sprengung: Zwei Bauarbeiter stehen am Dienstagvormittag ausgesprochen gelassen auf der Baustelle am Bunker in der Rütscher Straße. Eigentlich sollten dort um diese Zeit „Lockerungssprengungen“ vorgenommen werden, doch dies untersagte das Landgericht nach einer Anwohnerklage per einstweiliger Verfügung. Foto: Michael Jaspers
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Debatte vor Ort: Eine neue Sprengmethode wird erörtert. Alles soll laut Stadt noch sicherer und schonender ablaufen als bisher geplant. Foto: Michael Jaspers
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Vom Einsturz bedroht? Dr. Gunter Bauer vor der Stützmauer hinter seinem Haus, in der schon eine „klaffende Fuge“ zu sehen ist. Foto: Michael Jaspers
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Etappensieg: Hermann Tücks von der Bürgerinitiative freut sich darüber, dass das Landgericht vorerst Sprengungen verboten hat. Foto: Michael Jaspers

Aachen. Zündstoff steckt in dem Streit um den Bunker in der Rütscher Straße, gegen dessen Abriss sich eine Bürgerinitiative massiv wehrt, schon lange. Am Dienstag sollten solche explosiven Mittel eigentlich sogar vor Ort zum Einsatz kommen, doch aus der geplanten ersten Versuchssprengung am Bunker wurde nichts.

Das Landgericht Aachen hatte dem Sprengmeister mit einem Beschluss am Montag per einstweiliger Verfügung den Zünder aus der Hand genommen. Der Lousberg Höfe GmbH, die auf dem Bunkergelände Wohnungen bauen will, wird darin „untersagt, auf dem Grundstück Försterstraße 48 in 52072 Aachen Sprengarbeiten vorzunehmen“.

Ein Ehepaar hatte die Klage eingereicht und offenbar so glaubhaft begründet, dass der Richter die einstweilige Verfügung auch ohne mündliche Verhandlung erließ. Dabei spielte auch ein Gutachten eine Rolle, das von einer „klaffenden Fuge“ spricht, die sich jetzt schon in einer alten Stützmauer auftut, die zwischen Försterstraße und Nizzaallee am Hang verläuft. „Sprengungserschütterungen“ könnten da fatal sein.

So weit, so gut, könnte man meinen. Doch so einfach ist das Ganze nicht. Das liegt zum einen daran, dass Detlev Karsten, Geschäftsführer der Lousberg Höfe GmbH, am Dienstag gegenüber der AZ umgehend ankündigte, Widerspruch gegen den Beschluss des Landgerichts einlegen zu wollen. „Die Bedenken der Anwohner sind völlig haltlos und abenteuerlich“, sagte Karsten. „Wir haben durch zahlreiche Gutachten belegt, dass bei den Sprengungen nichts passieren kann.“

Und es liegt daran, dass nicht nur vor dem Landgericht, sondern auch vor dem Aachener Verwaltungsgericht gegen die Bunkersprengung geklagt wird – und zwar dort gegen die Stadt. Diese hatte nämlich durch ihre Bauaufsicht in der vorigen Woche die Sprengarbeiten genehmigt und auf einer Pressekonferenz die Öffentlichkeit über Details informiert.

Tenor: Die „Lockerungssprengungen“, die notwendig seien, weil sich die Bauarbeiter mit herkömmlichen Mitteln an dem massiven Weltkriegsrelikt bisher die Zähne ausgebissen hätten, seien absolut sicher. Und die Sicherheitsauflagen für die Anwohner, die beispielsweise während der Sprengungen Balkone und bestimmte Zimmer in ihren Wohnungen nicht hätten betreten dürfen, seien „rein prophylaktisch“, hieß es da.

Anders als das Landgericht hat das Verwaltungsgericht zur jüngsten Bunkerklage – es gab zuvor schon einige – noch keinen Beschluss gefasst. Was vielleicht auch ganz gut ist, hat sich die Sachlage doch schon wieder geändert. Denn laut Axel Costard vom städtischen Presseamt hat das Sprengunternehmen ebenfalls am Montag beantragt, eine andere Sprengmethode anwenden zu dürfen.

Am Dienstagvormittag gab es deshalb einen Ortstermin mit Vertretern der Stadt, des Sprengteams, des Investors und der Bezirksregierung. „Es werden nun noch weitere Sicherungsmaßnahmen getroffen“, sagte Costard und fügte hinzu, der Vertreter der Bezirksregierung habe gesagt, das Ganze sei nun so sicher, dass er „sogar seinen Schreibtisch danebenstellen würde“. Dieses geänderte Sprengverfahren werde die Stadt nun genehmigen und dies auch so dem Verwaltungsgericht mitteilen, so Costard.

Was aber nichts am Sprengverbot des Landgerichts ändert. Dort wird es nun wohl zu einer mündlichen  Verhandlung kommen. Ein solcher Termin dürfte sich in der Regel erst in einigen Wochen oder Monaten finden, bei besonderer Eilbedürftigkeit kann es aber auch schneller gehen – woran der Investor sicherlich interessiert sein dürfte. „Ich weiß wirklich nicht, wieso die Anwohner so viel Spaß daran haben, das Ganze so zu verzögern“, sagte Geschäftsführer Karsten.

Ob diese wirklich „Spaß“ haben, ist aber ungewiss. Am Dienstagnachmittag jedenfalls meldete sich Hermann Tücks von der Bürgerinitiative bei der AZ und beklagte, er würde vor lauter Lärm „fast von seinem Schreibtisch abheben“. Die Meißel seien am Bunker wieder im Einsatz. Genehmigt? Nicht genehmigt? Schikane? Das war am Dienstag nicht zu klären. Es steckt weiter Zündstoff im Streit um den Bunker. Auch ohne Sprengung.

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