Bunker eröffnet ganz neue Wege von Burtscheid zum Bahnhof

Von: Matthias Hinrichs
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„Stein des Anstoßes“: Der triste Bunker an der Kasinostraße soll im Zuge des Umbaus durch einen privaten Investor auch als attraktives neues Südportal zum Hauptbahnhof geöffnet werden. Foto: Michael Jaspers

Aachen. Wenn die städtischen Planungsexperten von ihren Büros in den obersten Etagen des Verwaltungsgebäudes Lagerhausstraße auf den Hauptbahnhof hinabblicken, nimmt ein alter Traum vor ihrem geistigen Auge wieder konkrete Gestalt an. Denn bald sollen die Signale zur Realisierung einer attraktiven und komfortablen Verbindung von der rückwärtigen Seite der Gleisanlagen Richtung Burtscheid endgültig auf Grün gestellt werden.

Und wiederum kann der Stein des Anstoßes – im besten Sinne – quasi in Gestalt des alten Bunkers an der Kasinostraße ausgemacht werden.

Die Verhandlungen zum Verkauf des Objekts an einen privaten Investor stehen kurz vor dem Abschluss, heißt es. Dennoch sollen sie nun im Wortsinne das Tor zur Erschließung und nachhaltigen Aufwertung des südlichen Bahnhofsbereichs aufstoßen. Das denkmalgeschützte Kriegsrelikt soll unter anderem für Wohnzwecke behutsam umgestaltet werden. Und schon heute gibt es dort eine kleine Passage zu den Grundstücken zwischen Kasinostraße und Bahnkörper. Die soll zu einer acht Meter breiten Durchfahrt für Pkw, Radler und Fußgänger ausgebaut werden.

Der Clou: Hinter dem Betonmassiv soll ein Vorplatz entstehen, der mit Behindertenstellplätzen, einer Taxi-Vorfahrt und bis zu 20 Haltemöglichkeiten („Kiss & Ride“) sowie einer Fahrradtstation und einem Kiosk ausgestattet werden könnte, wie Gertrude Helm vom Fachbereich Stadtentwicklung und Verkehrsanlagen den Fraktionen jetzt im Planungsausschuss erläuterte. Und damit wären die Voraussetzungen für ein attraktives südliches Entree zum Bahnhof – und langfristig weiter Richtung City – geschaffen. Denn vom neuen Platzensemble aus soll eine Brücke zunächst über Treppenabgänge und einen Aufzug zum Bahnsteig an den Gleisen 8 und 9 führen.

Zwar ist die ebendort seit langem heiß diskutierte Einrichtung einer neuen Haltestation für die direkte Bahnverbindung Richtung London längst noch nicht in trockene Tücher gepackt – dennoch, erklärte Planungsdezernentin Gisela Nacken im Ausschuss, sei die Maßnahme auch unabhängig von einer Zusage durch die Bahn oder auch Eurostar machbar. Mit weiterer Perspektive: Im zweiten Schritt könnte der fußläufige Steg schließlich an der Bahnhofshalle vorbei bis zur Zollamtstraße geführt werden, wo dereinst der sogenannte „Blue Gate“-Komplex mit Büros, Hotel und Wohnungen entstehen soll (wir berichteten). Auch eine zweite Variante wird jetzt allerdings wieder ins Spiel gebracht: So gibt es weiterhin auch Überlegungen, den Fahrgasttunnel im Bahnhof selbst zur Kasinostraße hin zu öffnen, um die Verbindung zum neuen Vorplatz auf diese Weise herzustellen.

Neuer Fuß- und Radweg

Damit nicht genug: Der Vorplatz soll zudem über einen etwa 3,50 Meter breiten Fuß- und Radweg zwischen Kasinostraße und Bahngleisen erschlossen werden, der sich bis zur Burtscheider Brücke erstrecken soll. „Somit“, so Gertrude Helm, „wäre eine attraktive öffentliche Verbindung von Burtscheid zum Bahnhof hergestellt.“ Die Bunkerfassade soll zudem dergestalt hergerichtet werden, dass die Passage Richtung Bahnsteig deutlich erkennbar wird. Durchgang und neue Rad- und Fußverbindung werden großzügig beleuchtet, um die Attraktivität und Sicherheit im öffentlichen Raum zu erhöhen.

Mindestens drei Millionen Euro, schätzt die Verwaltung, müssten zunächst für die Realisierung des Stegs bis an den Bahnsteig sowie Vorplatz und Bunkerdurchstich aufgebracht werden. Letzterer – geschätzte Kosten: mindestens 650.000 Euro – müsste von der Stadt allein finanziert werden. Die übrigen Maßnahmen sollen zu 85 Prozent über Landesmittel ermöglicht werden.

Bis zur Umsetzung der Pläne gilt es also in jedem Fall noch viele dicke Bretter zu bohren, zumal die Erschließung im Umfeld der Gleise technisch schwierig ist – und die DB aus kommunaler Sicht bekanntlich nicht gerade als unkomplizierter Verhandlungspartner gilt. Dennoch: In fünf bis sechs Jahren, so Gertrude Helm, könnte alte der Traum der städtischen Planer Realität sein.

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