Aachen - Bunker an der Rütscher Straße ein Fall für die Abrissbirne

Bunker an der Rütscher Straße ein Fall für die Abrissbirne

Von: Stefan Herrmann
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Die Vorbereitungen für den Abriss sind bereits getroffen: An der Rütscher Straße rückt wohl bald schweres Gerät an, während der Protest wie am Dienstag im Bürgerforum nicht nachlässt. Foto: Ralf Roeger

Aachen. Ein Gebäude von historischem Wert, das es zu schützen gilt, oder nur ein 22.000 Kubikmeter großer Koloss aus Stahlbeton? Nach einer mal emotional, mal sachlich geführten Debatte im Bürgerforum am Dienstagabend wird immer klarer: In Kürze regiert die Abrissbirne am Weltkriegsbunker an Rütscher Straße und Försterstraße.

Die ersten Vorbereitungen sind getroffen worden, ein Bauzaun ist schon aufgebaut. An Stelle des Bunkers sollen 50 hochwertige Wohnungen entstehen. Der Aachener Investor Norbert Hermanns hatte das Bunkergelände 2012 für mehrere Millionen Euro erworben. Nun befürchten die Anwohner vor allem Lärm, Dreck und Verkehr – und kämpfen für den Erhalt des geschichsträchtigen Gebäudes.

Die Bürgerinitiative (BI) „Lousberg Bunker“ warb am Dienstagabend im Ratssaal noch einmal eindringlich dafür, das Gebäude unter Denkmalschutz zu stellen. Sie empfindet den Abriss als Skandal. „Der Bunker ist einmalig – nicht nur für Aachen, sondern für Deutschland!“, rief Anwohner Professor Christoph Schulten in den Saal. Dietmar Kottmann vom Geschichtsverein stellte vor Politikern und Bürgern in einer Präsentation die „historische Bedeutung“ des Gebäudes heraus.

Für Denkmalschützer ist das Weltkriegsrelikt ein wichtiger Ort. Es spielte eine wichtige Rolle bei den letzten Kampfhandlungen um die Aachener Innenstadt. Als die amerikanischen Truppen immer weiter vorrückten, verlegte Kampfkommandant Oberst Wilck seinen Gefechtsstand dorthin. Als die amerikanischen Truppen dann unmittelbar den Lousberg erreicht hatten, erklärte Wilck dort am 21. Oktober 1944 die Kapitulation Aachens.

Hitzig wurde am Dienstag zwei Stunden lang die Frage diskutiert, ob die Entscheidung der Bezirksregierung Köln aus dem Jahr 2005, den Bunker nicht unter Denkmalschutz zu stellen, im Jahr 2013 noch immer tragbar sei. Der Landschaftsverband Rheinland (LVR) hatte der Stadt Mitte Oktober in einem Schreiben mitgeteilt, dass man die Entscheidung von vor acht Jahren „nach wie vor für gerechtfertigt“ hält.

Die nun von der Bürgerinitiative angeführte besondere zeitgeschichtliche Bedeutung des Bunkers sei bereits „bei der Begutachtung durch die Bezirksregierung Köln 2005 bekannt“ gewesen, schreibt LRV-Hauptkonservatorin Dr. Angelika Schyma. Dies bestätigte Monika Krücken, Leiterin der Unteren Denkmalbehörde, am Dienstag noch einmal – und erntete dafür Kopfschütteln aus Reihen der BI.

Erinnerungsstätte schaffen

Zwar zeigten die Politiker fraktionsübergreifend Verständnis für den zum Teil emotionalen Einsatz der Anwohner – darunter Zeitzeugen, die als Kind selbst im Bunker Schutz gesucht hatten –, am Ende folgten sie aber einstimmig dem Vorschlag der Verwaltung. Und der besagt: Es gibt keinen Anlass für ein neues Verfahren zur Überprüfung des Denkmalwürdigkeit des Bunkers.

„Der Erhalt des Bunkers wird dem Gedenken nicht gerecht“, meinte Harald Baal (CDU) und sprach sich wie alle anderen Politiker dafür aus, dass zusammen mit dem Investor dafür gesorgt wird, dass ein Erinnerungsort in unmittelbarer Nähe geschaffen wird. Hier soll auch die Bürgerinitiative mit einbezogen werden. Darüber hinaus hat Investor Hermanns zugesagt, auch eine Dokumentation über die Geschichte des Bunkers in Auftrag zu geben.

Ein schwacher Trost aus Sicht der BI. Und so hörte man nach der hitzigen Debatte auf den Gängen vor dem Ratssaal: „Wir werden weiterkämpfen!“

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