Bunker am Lousberg: Erbittertes Ringen um ein Weltkriegsrelikt

Von: Valerie Barsig
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Investor Norbert Hermanns streitet sich mit Anwohner und Denkmalschützern um den Bunker am Lousberg. Foto: Harald Krömer

Aachen. Auf Baustellen reagieren die Aachener mittlerweile empfindlich. Spielt dabei auch ein historischer Ort eine Rolle, wird es noch komplizierter. Wenn es dann auch noch um viel Geld geht, ist der Ärger oft perfekt: Der alte Bunker am Lousberg zwischen Rütscher Straße und Försterstraße soll abgerissen werden. Bereits seit Mai wird darüber heftig diskutiert. Das Weltkriegsrelikt soll vier Mehrfamilienhäusern, sechs Stadthäusern und zwei Tiefgaragen weichen.

Investor Norbert Hermanns, der das Bunkergelände für mehrere Millionen Euro erworben hat, muss sich nun mit dem Unwillen von Anwohnern und Denkmalschützern auseinandersetzen. Erstere fürchten den Baulärm, die Zweiten sind gegen den Abriss. Auch eine Unterschriftensammlung gibt es bereits. De facto darf Hermanns den Bunker aber dem Erdboden gleichmachen, denn er ist nicht denkmalgeschützt.

Transparenz und Diskussionsbereitschaft wollte der Investor mit einer Infoveranstaltung signalisieren. Eingeladen waren Architekt, Statiker, Bauingenieur und die Abrissgesellschaft, die den Anwohnern Rede und Antwort stehen sollten. Ganz ohne Turbulenzen kam die Veranstaltung nicht aus. Hauptstreitpunkt waren der Abriss des Bunkers und die Baustelle: Lärm, Dreck, die Festigkeit des Bodens und vor allem das spätere Bauwerk, das nicht so ganz zu den Jugendstilfassaden der Häuser an der Försterstraße passen wird.

Problematisch ist vor allem die Höhe der neuen Wohnhäuser. Eigentlich wird sie durch einen Bebauungsplan festgesetzt. Dadurch, dass der Bunker aber als eine Baulücke gilt, existiert kein solcher Plan für das Grundstück. Höhen und Breiten werden demnach anhand der umliegenden Bauten ausgerichtet. „Der Straßenzug gibt also die Höhe vor“, erklärte Martin Fauck vom Fachbereich Bauaufsicht der Stadt.

Ein Punkt, an dem Anwohner Professor Christoph Schulten, der Kragen platzte. „Erzählen sie doch keine Scheiße, wir haben hier einen Versprung von zwei Geschossen!“ – also eine größere Höhe als bei den umliegenden Häusern. Schulten selbst ist für die Erhaltung der Bunkerstruktur, hat mit Studenten Vorschläge erarbeitet, wie der Bunker genutzt werden könnte. Zum Beispiel als Kulturzentrum, als Archiv oder Museum. „Natürlich ist all das streitbar und muss geklärt werden“, sagte Fauck. Und das bedeute möglicherweise auch einen Gerichtsentscheid.

Ratsherr Hans-Dieter Schaffrath von der Freien Wählergemeinschaft brachte es auf den Punkt: „Es ist ein klassisches Dilemma: Die Anwohner bekommen einen Koloss vor die Nase gesetzt und der Investor muss seinen Plan umsetzen, weil sich die Investition sonst nicht rechnet.“ Nur ein Geschoss weniger bedeute ein Verlustgeschäft, bestätigte auch Norbert Hermanns.

Erst im Spätherbst soll mit dem Abriss begonnen werden, bis dahin soll die – bisher noch nicht erteilte – Baugenehmigung vorliegen. Abreißen ohne Baugenehmigung darf Hermanns trotzdem. Kurios, rechtlich aber so festgelegt. „Natürlich ist so ein Abriss eine unangenehme Maßnahme, es wird laut sein und Dreck geben, das ist eine Belastung für das Umfeld und nicht zu beschönigen“, erklärte Hermanns. Er signalisierte Gesprächsbereitschaft in Sachen Arbeitszeiten, will Gutscheine für die Autowaschanlage verteilen.

Drei bis vier Monate wird der Abriss dauern, danach soll der Neubau beginnen. Eine Umgestaltung des Bunkers rechne sich für ihn einfach nicht, so Hermanns. Dafür sei das Grundstück zu teuer gewesen. Hinzu komme das Innenleben des Bunkers. „Drinnen ist es ekelhaft“, berichtete der Investor. „Überall ist zentimeterdicker schwarzer Schimmel.“

Auch für Denkmalschützer ist der Bunker ein wichtiger Ort, denn hier kapitulierte Stadtkommandant Oberst Gerhard Wilck gegen den Befehl Hitlers am 21. Oktober 1944. Eine Mahntafel am Bunker erinnert bis heute daran. Die Denkmalschützer wollen unbedingt den Gedenkort erhalten.

Hermanns ist sich der Historie bewusst. Als Eigentümer des Grundstücks könnte er gegen die Entscheidung der Bezirksregierung, den Bunker nicht als Denkmal zu betrachten, klagen. Er hat indes einen anderen Plan: Gemeinsam mit der Aachener Bürgerstiftung möchte er ein Mahnmal im Park gegenüber an der Rütscher Straße errichten.

„Dort könnte man eine markante Stelle des Bunkers hinsetzen und die Mahntafel aufhängen.“ Außerdem könne er sich gut vorstellen, einen Historiker zu beauftragen, der eine Dokumentation über das Bauwerk schreibt. Zumindest für die Denkmalschützer könnte dieser Vorschlag ein Kompromiss sein.

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