Bunker-Abriss: Jetzt wird an der Rütscher Straße gesprengt

Von: Stephan Mohne
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„Demolition Works!“ – „Abriss funktioniert!“: Zumindest mit Maschinen hat das Niederlegen des Bunkers an der Rütscher Straße trotz des markanten Werbespruchs wegen der Lärmproblematik nicht funktioniert. Jetzt soll es „Lockerungssprengungen“ geben. Foto: Michael Jaspers

Aachen. Ab nächsten Dienstag erschallen an der Rütscher Straße Fanfarentöne. Einmal lang: „Achtung! Absperrung herstellen! In Deckung gehen!“. Dann zweimal kurz: „Achtung! Es wird gezündet!“ Schließlich dreimal kurz: „Sprengung beendet!“. Zwischendurch hat es etwa eine halbe Sekunde lang gerummst.

Das wird sich jeden Tag – voraussichtlich bis zum 12. Dezember – zweimal wiederholen. Und zwar zwischen 11.30 und 11.45 Uhr sowie zwischen 15.30 und 15.45 Uhr. Anlass: Der Abriss des dortigen Bunkers geht in die nächste Runde, nachdem er im Sommer für mehrere Monate gestoppt worden war. Konventionell mit Meißel und Zange war dem Bauwerk nicht beizukommen. Oder besser: Der Abriss geriet derart laut, dass der Meißel nur noch zweieinhalb Stunden hätte eingesetzt werden können, um das tägliche „Lärmkontingent“ nicht zu überschreiten. „Dann hätte der Abriss zwei Jahre gedauert“, so Heinz Spelthann vom Fachbereich Umwelt.

Die Stadt informierte am Dienstag darüber, warum sie dem Bauherrn – der „Lousberg Höfe GmbH“ des Projektentwicklers Norbert Hermanns, die dort „Stadthäuser“ und Eigentumswohnungen bauen will – jetzt genehmigt hat, Sprengstoff einzusetzen. Gleich mehrfach betonten dabei Martin Fauck als Chef der Bauaufsicht wie auch Elke Wachtmann vom Ordnungsamt, dass es sich um „Lockerungssprengungen“ handele – nicht vergleichbar mit jenen Sprengungen, bei denen ganze Gebäude einstürzen. Laut Fauck habe es zunächst keinen Antrag für solch eine Abrissmethode gegeben.

Doch dann kamen die Probleme mit dem Lärm. Und vor Gericht war eine Anwohnerklage zumindest dahingehend erfolgreich, dass die Stadt in ihre Genehmigung „ergänzende Nebenbestimmungen“ in Bezug auf Erschütterungen aufnehmen musste. Eine zwischenzeitlich errichtete Lärmschutzwand brachte auch nicht den Durchbruch, zudem musste selbst die riesige Baggerschere mehrfach vor dem Bunkermassiv kapitulieren – statt des Betons wurde das Gerät demoliert. Also stellte der Bauherr doch noch den Sprengantrag. Dazu mussten laut Stadt mehrere Fachgutachten eingereicht und eine Sprenganzeige beim Ordnungsamt gestellt werden. Eingebunden waren auch das Landesumweltamt und die Bezirksregierung sowie Walter Werner, vereidigter Sachverständiger für Abbruchsprengungen. Alle rechtlichen Voraussetzungen seien nun erfüllt, sagt Fauck. Die Stadt habe also dem Antrag stattgeben müssen. Am 25. November, 11.30 Uhr, soll es nun eine Probesprengung geben. Klappt alles, kann es nach Plan weitergehen.

Experte sieht keine Probleme

Das große Hindernis für den weiteren Abriss war eine 1,50 Meter dicke Stahlbetondecke. In sie werden nun bei jeder Sprengung 1,25 Meter tiefe Löcher gebohrt, in denen der Sprengstoff platziert wird. Probleme irgendwelcher Art sieht Experte Werner dabei nicht – weder bei Staub noch bei Erschütterungen, Lärm oder durch fliegende Steine. Zur Sicherheit würden dicke Schutzmatten aus alten Lkw-Reifen aufgehängt. Eine Panne wie einst beim Bunkerabriss an der Kongressstraße in den 90er Jahren, als das Gestein in die „falsche Richtung“ zur Straßenseite flog, werde es nicht geben.

Für die Information der Bürger ist laut Stadt die ausführende „Thüringer Sprenggesellschaft“ zuständig. Verteilt werden Handzettel mit Sicherheitshinweisen für die Häuser Rütscher Straße 42 bis 66, Försterstraße 10 bis 28 und 11 bis 23 sowie die Nizzaalle 11b. Darin heißt es, dass die Häuser nicht evakuiert werden müssen. „Untersagt“ sei allerdings während der Sprengungen der Aufenthalt in Räumen mit Fenstern zum Bunker hin sowie auf Balkonen. Ein Verlassen der Häuser sowie „der Aufenthalt im Außenbereich“ sei dann nicht gestattet. „Das ist alles rein prophylaktisch“, so Wachtmann.

Ist die Decke gelockert, kann sie mit der Zange abgerissen werden. Danach soll eine nicht so komplizierte Phase folgen, denn die Wände seien deutlich weniger standfest. Aber: Wenn es an die massiven Fundamente geht, rechnet die Stadt erneut mit einem Sprengantrag. Hermanns war am Dienstag für Rückfragen nicht erreichbar. Er kündigt jedoch im aktuellen Magazin seiner Firma „Landmarken“ dieses Vorgehen bereits an. Dort geht der Investor von einem Ende des Abrisses im Frühjahr aus.

Was allerdings nur gilt, wenn nicht wieder etwas dazwischenkommt. So antwortet Martin Fauck auf die Frage, ob er mit erneuten Anwohnerklagen rechne, kurz und knackig: „Ja.“

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