Bundesleistungszentrum vor dem Aus

Von: Amien Idries
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Alles andere als glücklich über die Neugründung: Die Neptun-Vorstandsmitglieder Gisela und Franz-Josef Kiefer, Hans Alt-Küpers und Andreas Lorenz (von links). Foto: Michael Jaspers

Aachen. Normalerweise wird die Neugründung eines Vereins allenthalben mit viel Wohlwollen quittiert. Es gibt Eröffnungsfeierlichkeiten, Sekt und viele gute Worte. Im Falle des „Wasserspringerclubs Städteregion Aachen”, der vor wenigen Tagen gegründet wurde, liegt der Fall ganz anders.

Statt guter Worte hört man von persönlichen Verletzungen und Kompetenzstreitigkeiten.

Gegenstand der Auseinandersetzung, die nun in der Neugründung mündete, ist der traditionsreiche Wasserspringerverein SV Neptun. Die Protagonisten sind Teile der Elternschaft, die sich nach eigenen Angaben gegen eine Vereinsführung nach „Gutsherrenart” zur Wehr setzen, auf der einen sowie Teile des Vorstands, die von einer gezielten Aktion gegen den SV Neptun reden, auf der anderen Seite. Als dritter Akteur - und das macht die Sache nicht einfacher - mischt der Deutsche Schwimm-Verband (DSV) mit.

Aussage steht gegen Aussage

Häufig steht in diesem Streit Aussage gegen Aussage. Nur in einem Punkt herrscht Einigkeit: Der Status Aachens als Bundesleistungszentrum der Wasserspringer ist akut gefährdet. Norbert Luffy, Vorsitzender des neuen Vereins, der nach eigenen Angaben 60 Mitglieder hat: „Im Kern geht es bei dem Konflikt um Kompetenzstreitigkeiten zwischen Neptun und DSV.” Unter diesem hätten zunehmend Eltern und Kinder gelitten.

Walter Alt, Fachsparten-Vorsitzender des DSV, sieht die Verantwortung hierfür beim Vorstand des Neptun. Vor allem bei Hans Alt-Küpers, der die Abteilung Wasserspringen leitet. „Der DSV hat in sportfachlicher Hinsicht in den Bundesleistungszentren die Richtlinienkompetenz”, so der DSV-Funktionär.

Diese werde von den Verantwortlichen bei Neptun konsequent missachtet. Alt spricht von Sabotage gegenüber den Bundestrainern, die vom DSV bezahlt werden und die in der Ulla-Klinger-Halle arbeiten. „Unter diesen Vorraussetzungen ist eine Arbeit nicht möglich”, sagt Alt, der angibt, die Schließung des Stützpunktes eingeleitet zu haben.

„Von einer solchen Missachtung kann keine Rede sein”, widerspricht Andreas Lorenz, Vorsitzender von Neptun. Vielmehr versuche der DSV, Alt-Küpers aus der Verantwortung zu drängen. „Hans ist einer, der dem DSV zu unbequem ist”, sagt Lorenz. Man versuche, durch die Schließungsdrohung Druck auszuüben und jemanden zu installieren, den man besser steuern könne.

Auslöser für den Streit waren Disziplinarmaßnahmen, die vor etwa einem Jahr vom Verein gegenüber jungen Springern verhängt wurden. Darunter auch ein Wettkampfverbot. Dieses akzeptierte der DSV nicht und ließ die Sportler bei den Deutschen Meisterschaften starten.

„Wir haben unsere Aufgabe immer so verstanden, dass wir nicht nur für die sportliche, sondern auch für die menschliche Entwicklung unserer Schützlinge zuständig sind”, erklärt Alt-Küpers. Die Schule habe immer Vorrang. „Ich glaube, dass einige der Eltern, die jetzt in den neuen Verein eingetreten sind, sehr ehrgeizig sind und den Traum haben, dass ihre Kinder bei den Olympischen Spielen 2016 teilnehmen.”

Luffy, von dessen vier Kindern drei springen, kritisiert die Atmosphäre im Verein: „Früher war es sehr familiär. Inzwischen ist die Stimmung schlecht. Meine Kinder gehen nur noch ungern hin.” Darüber hinaus sei es nicht möglich, seine Meinungen zu artikulieren. „Es ging einfach nicht mehr.”

Und so scheint das Tischtuch zerschnitten. Laut Luffy sind bereits 80 Prozent der Kadersportler, darunter auch Sascha Klein und Pavlo Rozenberg, dem neuen Verein beigetreten. Laut Alt-Küpers sei dies auf Druck des DSV geschehen: „Denen wurde gesagt, dass das Leistungszentrum nur weiter existieren könne, wenn der neue Verein es trägt.”

Alt vom DSV will zunächst abwarten, wie sich die Situation entwickelt. Noch ist nicht klar, wie die beiden Vereine nebeneinander existieren sollen. Auch bleibt die Frage zu klären, ob der DSV einfach einen Stützpunkt schließen kann.

Alle an einen runden Tisch?

Ginge es nach der Stadt, würden sich alle an einen Tisch setzen. Kulturdezernent Wolfgang Rombey hat am Montag mit Luffy gesprochen und sieht „Verletzungen auf beiden Seiten.” Er will sich für die Einrichtung eines runden Tisches einsetzen. Moderiert von Oberbürgermeister Marcel Philipp.
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