Aachen - „Bullen gereizt?“ Polizei greift Oecher Penn an

„Bullen gereizt?“ Polizei greift Oecher Penn an

Von: Robert Esser und Stephan Mohne
Letzte Aktualisierung:
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Süße Provokation: Die Oecher Penn – hier Kommandant Jürgen Brammertz bei einem früheren Rosenmontagszug – ist für flotte Sprüche auf Wurfmaterial bekannt. Foto: Andreas Steindl
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„Geschmacklose Schokoriegel“ im Intranet: Die Polizei wollte die interne Aufregung lieber nicht öffentlich machen. Foto: Michael Jaspers
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Froh über rückläufige Einbruchszahlen: Polizeipräsident Dirk Weinspach Foto: A. Schmitter

Aachen. „Bullen gereizt?“ Die Polizei findet diesen Spruch, den die Aachener Stadtgarde Oecher Penn beim Rosenmontagszug auf Schokoriegel-Kamelle gedruckt tausendfach unters närrische Volk bringen will, gar nicht witzig.

Im Gegenteil: Polizeipräsident Dirk Weinspach hält das Wurfmaterial laut einer internen Polizeimitteilung an alle Beamte „schlicht für geschmacklos“. Was sich nicht nur auf die Verpackung beschränke.

Das Wurfmaterial stammt von einem langjährigen Penn-Sponsor – der Rechtsanwaltskanzlei Delheid-Soiron-Hammer. Weinspach und einige Kollegen im Präsidium hatten offenbar den Eindruck, dass es sich bei dem „provokanten Aufdruck“ um eine Retourkutsche der Karnevalisten handelt, nachdem Polizisten vor einigen Wochen einem kostümierten Penn-Gardisten auf offener Straße sein Spielzeuggewehr abgenommen hatten – weil es sich dabei um eine sogenannte „Anscheinswaffe“ gehandelt haben soll. Der beispiellose Fall, der bis ins entfernte China Schlagzeilen schrieb und Kopfschütteln erntete, wurde kürzlich gegen Zahlung einer geringen Geldstrafe beigelegt.

Jetzt lebt die Geschichte allerdings wieder auf – weil die Polizeispitze sich offenbar genötigt fühlt, Wogen in den Reihen der eigenen Beamten zu glätten: Der Polizeipräsident verurteile „den Umstand, dass mit einer solch plakativen Provokation vermeintlich witzige Werbung gemacht“ werde, heißt es.

Und weiter: „Der Aufdruck ist aus Sicht des Behördenleiters geeignet, einen gesamten Berufsstand zu diskreditieren“, so die aktuelle Mitteilung im polizeilichen Intranet. Dies zeuge „von wenig Feingefühl der für die Werbeaktion verantwortlichen Personen“.

Gleichwohl würde die Polizei dieses Thema, das intern für entsprechende Aufregung sorgt, öffentlich gerne unter den Teppich kehren. Deswegen habe man als Polizeibehörde keine öffentliche Diskussion über dieses Thema angestoßen, nach dem Motto: „Die Aachener Polizei lässt sich nicht reizen.“ Man appelliere an alle Mitarbeiter, „den Slogan ad absurdum zu führen“ – zumal die Kommandantur der Oecher Penn zugesichert habe, dass es sich bei den „Bullen gereizt?“-Riegeln keinesfalls um eine Retourkutsche handele. Vielmehr seien die Kamelle-Riegel schon Wochen vor der Gewehr-Affäre bedruckt worden.

Markus Cosler kann die Aufregung in keinster Weise nachvollziehen. Er ist Rechtsanwalt in der Kanzlei. Und er ist Hauptmann der Reserve bei der Penn. „Wir machen das seit Jahren. Wir haben die Stadtverwaltung in Sachen Amtsschimmel ebenso schon gehabt wie die Bauindustrie mit dem Spruch ‚Auf Sand gebaut?‘ Nie hat sich jemand darüber beschwert“, wundert sich Cosler. Zudem glaubt er nicht, dass sich viele Polizisten dadurch verunglimpft fühlen, sondern „wenn, dann nur einzelne“.

Und: „Wenn man im Karneval niemanden mehr auf die Schippe nehmen kann, dann können wir Karneval abschaffen. Nur, weil man einen Politikerwitz macht, will man ja nicht gleich die Demokratie abschaffen.“ Zudem komme es immer darauf an „wie viel man sich von dem Schuh selbst anzieht“. Das Gespräch mit der Polizei habe zudem vor vier Wochen stattgefunden. „Das war längst vom Tisch“, so Cosler. Dass die Sache nun solche Formen annehme, sei völlig unverständlich: „Ich glaube, da wird etwas hochgekocht“, meint Cosler.

Wenig lustig jedenfalls findet die „Bullen“-Wurfmaterialien Arno Keusch, Personalratsvorsitzender im Aachener Präsidium. „Kleine Retourkutschen muss man vertragen. Das ist beispielsweise in einer Büttenrede bei der Karnevalssitzung auch völlig in Ordnung“, sagt er. Doch das hier sei eine ganz andere Nummer: „Etliche Polizisten werden Karneval dafür sorgen, dass die Züge in Aachen sicher sind. Und dann bekommen sie vielleicht diese Dinger mit einem höhnischen Spruch unter die Nase gehalten. Das ist nicht okay.“ Die Penn-Kommandantur wollte den Fall auf AZ-Anfrage nicht weiter kommentieren. Das Thema sei ausgereizt...

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