Aachen - „Bürgerliche Kunstkammer“ im Suermondt-Ludwig-Museum

„Bürgerliche Kunstkammer“ im Suermondt-Ludwig-Museum

Von: Eva Onkels
Letzte Aktualisierung:
13614811.jpg
Exotisch und kostbar: Die „Wunderkammer“ im Suermondt-Ludwig-Museum lockt mit faszinierenden Kunstwerken. Hintergrundwissen ist keinesfalls erforderlich, wenn man sich in den Bann der Exponate ziehen lassen will. Foto: Andreas Herrmann

Aachen. „Wir sind zum Wundern und Staunen gekommen“, Olaf Müller, Leiter des Kulturbetriebs, bringt den Knackpunkt im Suermondt-Ludwig-Museum sogleich auf den Punkt. Staunen, sich wundern, viel Neues erfahren und auch mal gut lachen – dafür bietet die neue Schau im Haus an der Wilhelmstraße ideale Gelegenheiten.

In der „Bürgerlichen Kunstkammer“, die am Mittwochabend feierlich eröffnet wurde, lässt sich Überraschendes bis Skurriles sehen. Gezeigt werden „erstaunliche Sammlerstücke der Aachener Bürgerinnen und Bürger“, vor allem aus dem 19. Jahrhundert.

Vorbild dieser Schau, dem zweiten Teil der Ausstellungsreihe „Weltensammler“, sind die Kunst- und Wunderkammern von Herrschern, Fürsten und Gelehrten der Renaissance und der Barockzeit. Begehrt war alles, was des Sammelns würdig schien, kostbare Kunstwerke, seltene Naturalien, wissenschaftliche Instrumente, Objekte aus fremden Ländern und die sogenannten wundersamen Dinge.

Großzügige Schenkungen

Auch wenn Deutschland, was das Sammeln und Entdecken im 18. und 19. Jahrhundert anbelangt, eher ein Nachzügler ist, gibt es doch genügend Objekte allein in Aachen zu bestaunen. Hier sammelten vor allem reiche Bürger. Darunter Barthold Suermondt und Peter und Irene Ludwig, die großzügige Schenkungen an den 1877 gegründeten Museumsverein gaben.

Nun wird diese hochkarätige Sammlung der Stadt Aachen, unterstützt durch Leihgaben anderer Museen, erstmals in einer eigenen Ausstellung gezeigt. Michael Rief, Kurator und Initiator der Ausstellung kann stolz auf seine Arbeit sein. Rund acht Jahre hat die Vorbereitung gedauert. Zu sehen gibt es aus allen Sammelbereichen etwas. Schwere, kunstvolle Truhen aus der Renaissance-Zeit, die sich bis zur Decke stapeln, diverse Gewehre und Jagdutensilien, ein sogenanntes „Leuchterweibchen“, ein ausgestopfter Hai sogar, der spektakulär unter der Decke hängt, und zwei Mumien.

Eine davon ist die manchen schon bekannte ägyptische Mumie aus Achmim, die andere der kleine Sensationsfund, der Ende November auch überregional für Aufsehen sorgte: die Falkenmumie, deren Geschichte jetzt auch geklärt sein könnte. Jutta Göricke vom Fachbereich Presse und Marketing der Stadt erklärte: „Auch das Suermondt-Ludwig-Museum stand Ende des 2. Weltkriegs unter Beschuss, woraufhin die Kunstwerke, die noch dort waren, nach Monschau ausgelagert wurden.“

Nach dem Krieg sei die Stadt Aachen auf die Stücke in Monschau aufmerksam gemacht worden, woraufhin sie die Kunstwerke zurückerhielt. In der Liste seien auch „zwei Mumien“ vermerkt gewesen, aber es tauchte nur die menschliche tauchte wieder auf. Görickes Verdacht ist, dass man damals irrtümlich annahm, die zweite Mumie müsste auch ein Mensch gewesen sein.

Der Falke blieb daher, wo er war: in einer der großen Truhen, die ebenfalls jetzt in der Ausstellung zu sehen sind. Mangels geeigneter Transportmethoden habe man ihn vermutlich einfach in einer Truhe verpackt, weil er dort gut hineinpasste. Erst als die Truhe für die Kunstkammer vorbereitet wurde, habe man sie genauer unter die Lupe genommen und den Falken entdeckt. Ein Besuch beim Röntgenexperten hatte vor wenigen Tagen dann auch endgültig gezeigt: in der Mumie steckt tatsächlich ein Falke. Eines von vielen Geheimnissen, welche die spektakuläre Schau jetzt lüftet.

Leserkommentare

Leserkommentare (0)

Sie schreiben unter dem Namen:



Diskutieren Sie mit!

Damit Sie Artikel kommentieren können, müssen Sie sich einmalig registrieren — bereits registrierte Leser müssen zum Schreiben eines Kommentars eingeloggt sein. Beachten Sie unsere Diskussionsregeln, die Netiquette.

Homepage aktualisiert

Finden Sie jetzt neue aktuelle Informationen auf unserer Startseite

Wieder zur Homepage

Die Homepage wurde aktualisiert