Bürgeraktion gegen Richtericher Dell sieht sich gestärkt

Von: Oliver Schmetz
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Aachen. Unter dem Motto „Flächenfraß ohne Maß“ stemmt sich im Aachener Norden seit einiger Zeit eine Bürgerinitiative gegen das geplante großflächige Neubaugebiet Richtericher Dell.

Dort will die Stadt in den nächsten Jahren und Jahrzehnten auf 37 Hektar Fläche Wohnraum für bis zu 3000 Menschen schaffen. Die „BI-Dell“, die unter anderem kritisiert, dass das Vorhaben inklusive Umgehungsstraße und weiterer Maßnahmen rund 60 Hektar Boden „fressen“ werde, will das verhindern – und verspürt dabei nun Rückenwind aus dem NRW-Umweltministerium.

Ende vorigen Jahres hatte man den grünen Umweltminister Johannes Remmel auf die großflächige Beanspruchung schutzwürdiger Böden durch das Projekt aufmerksam gemacht, jetzt erhielt man eine Antwort aus dem Ministerium, durch die man sich gestärkt sieht: In dem Schreiben würden vom Umweltministerium „die gleichen Forderungen zum Teil fast wortgleich aufgestellt, wie sie auch die BI-Dell formuliert hat“, heißt es in einer Pressemitteilung der Bürgerinitiative, die von ihren Sprechern Dr. Christian Locher und Peter Philippen-Lindt unterzeichnet ist. Und: Durch die „eindeutige Stellungnahme“ des Landesumweltministeriums werde die Forderung der Initiative unterstrichen, „die gesamten Grundlagen der Planungen einer aktuellen Überprüfung zu unterziehen“.

Land will Flächenfraß senken

In dem Schreiben spricht der Referatsleiter für Bodenschutz im Ministerium, Professor Dr. Wilhelm König, die Absicht der Landesregierung an, den Flächenverbrauch in NRW von derzeit zehn Hektar pro Tag auf fünf Hektar pro Tag zu senken. Langfristig strebe man sogar einen „Netto-Null-Flächenverbrauch“ an. Auch wird darauf hingewiesen, dass es sich im Plangebiet Richtericher Dell zu 95 Prozent um sehr schutzwürdige Böden und zu fünf Prozent um besonders schutzwürdige Böden handele.

Um den Verbrauch solcher Freiflächen zu vermeiden oder zu verringern, „halte ich die Ermittlung von Brachflächenpotenzialen und Baulücken für erforderlich, um Alternativflächen unter Berücksichtigung des aktuellen Wohnbauflächenbedarfs prüfen zu können“, schreibt König. Und: „Die Planung der Umgehungsstraße darf dieser Prüfung nicht vorgreifen.“ Sollte schließlich der Eingriff in das Schutzgut Boden trotzdem unvermeidbar sein, sei eine entsprechende Kompensation erforderlich, so das Umweltministerium.

„Das sind für uns keine neuen Informationen“, reagiert Aachens grüne Planungs- und Umweltdezernentin Gisela Nacken allerdings gelassen auf das Schreiben aus dem Haus ihres Parteifreundes. Außerdem handele es sich bei den angesprochenen Punkten nicht um Ausschlusskriterien für das Projekt, sondern „um ganz normale Themen und Vorgaben in einem Bebauungsplanverfahren“.

Eine Frage der Abwägung

Über die Qualität der Böden wisse man durchaus Bescheid, aber die müsse man in einem Abwägungsprozess der Notwendigkeit gegenüberstellen, neuen Wohnraum zu schaffen. „Und dafür reichen die innerstädtischen Brachen und Baulücken nicht aus.“ Dies werde man sicher nachweisen können, sagt die Dezernentin. „Zurzeit müssen in Aachen doch viele junge Familien, die ein Einfamilienhaus haben wollen, ins Umland ausweichen.“

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