Bühne frei für ganz besondere Darsteller

Von: Hans-Peter Leisten
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Zumindest ein „Pokal” für den einmaligen Nationalspieler Erik Meijer: Alemannias Sportchef erhielt von Uwe Brandt (links) und Bernd Büttgens Printen in einer „Sympathiekiste”. Foto: Hans-Peter Leisten

Aachen. Sollte Uwe Brandt demnächst auf der Suche nach einer neuen Kraft für sein Ensemble sein, bei Erik Meijer, dem Sportdirektor von Alemannia Aachen, kann er getrost anklopfen.

Denn die Vorstellung, die Meijer im Gespräch mit Brandt, Intendant des Grenzlandtheaters, und Bernd Büttgens, dem zweiten Moderator des „Theater Talks” im Grenzlandtheater, gab, entsprach allen Kriterien professionellen Schauspiels.

Ein Hauptdarsteller, der sein Publikum zu fesseln weiß, der perfekt die Klaviatur der sympathischen Inszenierung beherrscht und dessen Mienenspiel nicht das Geringste darüber verrät, welche Gedanken hinter der Stirn toben.

Aber genau diese Gedanken müssen den Sportdirektor umtrieben haben, als er am Sonntagvormittag als einer von fünf Gästen auf der Bühne des Theaters Platz genommen hatte.

Erste Frage von Bernd Büttgens, stellvertretender AZ-Chefredakteur: „Alemannias Co-Trainer Christoph John soll sich bereits in der Nacht von der Mannschaft verabschiedet haben?” Antwort Meijer: „Alles Spekulation.” Zweite Frage: „Ist Funkel noch da?” Antwort: „Sonst säße ich nicht hier.” Dritte Frage: „Was passiert denn nun in der Trainerfrage?” Antwort: „Wait and see”.

Dabei brauchten die Zuschauer im Grunde gar nicht mehr zu warten, denn zu diesem Zeitpunkt muss der Sportdirektor längst gewusst haben, dass am Tivoli drastische Entscheidungen getroffen waren - schließlich ist er einer der Entscheidungsträger schlechthin.

Aber es spricht auch für Meijers Nervenstärke in nervenaufreibenden Zeiten, dass er offensichtlich mit viel Interesse und Freude die Gespräche der Gäste, die vor ihm Rede und Antwort standen, verfolgte. Dass er in dieser Situation überhaupt gegenüber Brandt und Büttgens sein Versprechen einhielt, honorierte das Publikum mehrfach mit großem Applaus.

Nun wird das Leben in dieser Stadt notfalls auch ohne Zweitliga-Fußball weitergehen. Sei es im kulturellen oder im sozialen Bereich. Das machten die überaus spannenden weiteren Gäste klar.

Zum Beispiel Christian Mourad. Er ist der Macher der Kurpark Classix und konnte bereits jetzt skizzieren, was vom 24. bis 26. August im Kurpark kredenzt wird: „Die Night at the Opera mit Lokalmatadoren auf der Bühne, das Crossover mit der Pop-Chansonette Annett Louisian sowie die Classix for Kids und der sinfonische Abschluss.”

Für den Aachener Mourad ist die kommende Veranstaltung auch deshalb spannend, weil sie den offiziellen Auftakt der Ära des neuen Generalmusikdirektors Kazem Abdullah darstellt.

Mourad hat eine Vision: Dass nämlich irgendwann die Aachener sagen: Da geht man hin, so wie zum CHIO. Dabei ist die Open-Air-Veranstaltung auf dem besten Wege dorthin, was ihr Macher unter anderem mit der Formel „Klassik ohne Schwellenängste” begründet.

Ein Heimspiel hatte Renate Fuhrmann, derzeit als demenzerkrankte Margarete im Stück „Im Stillen” im Grenzlandtheater zu sehen. Brandt führt selbst Regie bei dem Stück: „Wir haben das geplant, lange bevor das Thema durch die Schicksale von Rudi Assauer und Gunter Sachs für Aufsehen sorgte.”

Renate Fuhrmann versteht ihre Rolle unter verschiedenen Ansätzen: Theater müsse spiegeln, was im Leben los ist. Und man müsse dem Publikum einiges zumuten dürfen, ohne selbst zur Zumutung zu werden. Sie schafft das augenscheinlich, denn nach den Vorstellungen werde sie vom Publikum mitunter um Rat gefragt, wie man sich als von Demenz Betroffener verhalten solle.

Das mag zu einem guten Teil daran liegen, dass sich das Grenzlandtheater im Vorfeld professionelle Beratung geholt hat. Denn Dr. Andreas Theilig, Chefarzt am Alexianer Krankenhaus, und Eckhard Weimer von der Demenzberatungsstelle des Alexianers haben täglich intensiven Kontakt zu den Kranken und das Grenzlandtheater im Vorfeld von „Im Stillen” intensiv begleitet.

Und beide waren sich mit Renate Fuhrmann einig, dass man an dieses Thema auch mit Humor herangehen könne. Theilig: „Auch Demenzkranke dürfen lachen.” Eine Aussage, die mit einer sehr sensiblen und beeindruckenden Fotoanimation belegt wurde.

Sein Lachen, mal spitzbübisch, mal jungenhaft-charmant, hat sich auch Erik Meijer durch alle Höhen und Tiefen bewahrt. Auch sein Auftritt war grundsätzlich unglaublich leicht und unterhaltsam. Er bekannte sich zu seinen Fehlern („Wenn man so in der Tabelle steht, hat man Fehler gemacht”), aber auch zum Durchhalten („Nie aufgeben!”).

Da erzählte er lieber aus glücklicheren Tagen als Spieler beim FC Liverpool an der Anfield Road und stimmte tatsächlich auf der Bühne die Hymne „You never walk alone” an.

Der Sportdirektor eroberte die Herzen der Grenzland-Zuschauer und sicherte sich zweimal Sonderapplaus: für Uwe Brandts Bekenntnis, dass die Alemannia wieder Spielertypen wie Meijer brauche, und für seinen eigenen „Glauben an den Klassenerhalt”.

Der Weg ins Grenzlandtheater war jedenfalls fürs Publikum ohne jedes Risiko. Musikalisch begleitet von „Die Drei”, alias René Brandt, Ägid Lennartz und Heinrich Fries, hatten sie einen Vormittag erlebt, der ebenso spannend wie informativ, unterhaltsam und voller Tiefgang war.

Weitere Informationen zum Grenzland-Stück und zum Demenz-Netz

Schon Montag Abend steht Renate Fuhrmannwieder auf der Bühne des Grenzlandtheaters in der Elisen-Galerie. Beginn des Stückes „Im Stillen” von Clemens Mägde ist um 20 Uhr. Infos zu den Tickets und Terminen gibt es unter 4746111 von 10 bis 13 und 17 bis 18.30 Uhr. Weitere Infos im Netz.

Das Demenz-Netz Aachen bietet: kostenlose Beratung für Betroffene und Angehörige; Einzelfallhilfe mit fortlaufender Analyse der häuslichen Versorgung und des Unterstützungsbedarfes; umfassendes Schulungs- und Unterstützungsangebot für Betroffene und Angehörige; Weiterbildungsveranstaltungen und Qualitätszirkel für Hausärzte; frühzeitige Diagnosestellung von Demenzerkrankungen; Leitlinien- und bedarfsgerechte Diagnostik und Therapie; Verbesserung des Informationsaustausches zwischen den beteiligten Behandlungssektoren und mehr.

Zu erreichen ist das Netz am Löhergraben 2, 4770115269 (montags bis freitags, 9 bis 16 Uhr, info@dementznetz-aachen.de sowie im Web.
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