Büchel: Wohnungsbau soll Priorität haben

Von: Oliver Schmetz
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Wann wird der marode Bau abgerissen? Das Parkhaus Büchel hat schon viele Projektideen überstanden. Foto: Michael Jaspers

Aachen. Erst hieß das Projekt jahrelang „Trendboxx“, dann fast genauso lange „Bel Etage“. Mit den Namen wandelte sich auch die Ausrichtung: Zunächst war es ein etwas anderes, aber reines Shopping-Center, dann schrumpfte die Verkaufsfläche und ein Hotel gesellte sich dazu, ehe schließlich nur ein paar Läden im Erdgeschoss übrig blieben und in den Obergeschossen von Büros und Wohnen die Rede war.

Lediglich eines blieb gleich: Alles war nur schöner Schein, vor Ort passierte nichts. Und das marode Parkhaus Büchel blieb – trotz nahezu alljährlicher Abrissankündigungen – einfach stehen.

Kein Wunder, dass die Politik im Planungsausschuss am Donnerstagabend mit einiger Skepsis die radikale Neuausrichtung der Pläne am Büchel aufnahm, die Oberbürgermeister Marcel Philipp und Baudezernentin Gisela Nacken wenige Stunden zuvor der Öffentlichkeit präsentiert hatten: Das Parkhaus Büchel wird von der Strabag Real Estate an die Aachener Investoren Norbert Hermanns und Gerd Sauren verkauft, die „Bel Etage“ ist tot, es lebe eine Art „Stadtreparatur“ mit kleinteiliger Bebauung, aus der ein attraktives Innenstadtviertel erwachsen soll. Im Ausschuss reichten die Reaktionen darauf von einem fast schon fatalistischen „Schaun wir mal“ angesichts des ewigen Stillstands bis hin zu ernster Sorge, was den Wohnungsbau angeht.

Denn den Ersatz für die Wohnungen, die für den Bau der Kaiserplatz-Galerie („Aquis Plaza“) weggefallen sind, wollte der dortige Mitinvestor Strabag am Büchel schaffen. 61 Einheiten waren dort zuletzt geplant, jetzt sollen Sauren und Hermanns diese Verpflichtung von der Strabag übernehmen. „Und was für eine Handhabe haben wir, wenn die Wohnungen nicht gebaut werden?“, fragte sich nicht nur SPD-Ratsherr Michael Servos.

Die Antwort: Da die Wohnungsbauverpflichtung der Strabag Teil des städtebaulichen Vertrages für die Kaiserplatz-Galerie sei, dürfe sie nicht ohne Zustimmung der Politik auf Dritte übertragen werden, erklärte Gisela Nacken. Auch der Zeitrahmen sei dort fixiert: „Fünf Jahre nach Erteilung der Baugenehmigung für die Kaiserplatz-Galerie müssen die Wohnungen erstellt sein.“

Für Michael Rau (Grüne) ist das Ganze deshalb kein Problem: „Wir können die Bedingungen für den Wohnungsbau und das Abrissdatum für das Parkhaus genau fixieren.“ Außerdem habe man „gottseidank“ einen Bebauungsplan, über den man das Verfahren steuern könne. Deshalb solle man lieber das Positive sehen, so Rau: „Wir haben hier städtebaulich eine Chance, die nicht so oft auf den Tisch kommt, und sollten deshalb lieber schnell programmatisch auf den Punkt kommen, was wir da eigentlich wollen.“

Eine ganz andere Sorge beschäftigte indes Maike Schlick (CDU): „Wir dürfen nicht nach außen den Eindruck entstehen lassen, dass auswärtige Investoren hier nicht erwünscht sind“, sagte sie mit Blick auf den überraschenden Rückzug der Kölner Strabag am Büchel. Gisela Nacken erklärte dazu, dass Strabag-Vertreter Rainer Maria Schäfer ausdrücklich erklärt habe, dass das Projekt „Bel Etage“ nicht an Auflagen der Stadt gescheitert sei – was aber nur die halbe Wahrheit ist. Denn Schäfer hatte vor den Medien am Donnerstag deutliche Kritik am städtischen Architektenbeirat geäußert und betont, dass man das Projekt am liebsten realisiert hätte. Bloß habe es zuletzt deutliche Signale gegeben, „dass es der Stadt nicht mehr am liebsten war“.

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