Aachen - Büchel: Überarbeitung des Entwurfs für das Viertel sorgt für Unmut

Büchel: Überarbeitung des Entwurfs für das Viertel sorgt für Unmut

Von: Stephan Mohne
Letzte Aktualisierung:
12903504.jpg
Wieder Ärger um die Entwicklung des „Altstadtquartiers“ zwischen Parkhaus Büchel, Lust for Life und St. Nikolaus. Foto: AVIA-Luftbild/Martin Jochum
12901806.jpg
Die überarbeitete Version: Die Bauten unter anderem auf dem Parkhausgrundstück deutlich massiver und höher. Zudem soll nun die Antoniusstraße am geplanten Bordell-„Laufhaus“ durch ein Haus „zerschnitten“ werden. Foto: Chapman Taylor
12901795.jpg
Der ursprüngliche Siegerentwurf zeigte deutlich mehr Grün und offene Flächen. Foto: Chapman Taylor

Aachen. Es ist ja nicht so, dass es nie Ärger gegeben hätte, wenn es um die Entwicklung der historischen Innenstadt im Bereich des Parkhauses Büchel und rundherum geht. Ein Projekt namens „Trendboxx“ verschwand sang- und klanglos in der Versenkung, der Nachfolger namens „Bel Etage“ ebenfalls. Das Parkhaus hingegen blieb, obwohl es seit zehn Jahren nicht mehr existieren sollte.

Im Herbst vergangenen Jahres wähnte man das unselige Hin und Her bei diesem so wichtigen Stück Stadtentwicklung endlich am Ende. Denn da wurde der Siegerentwurf für das neue „Altstadtquartier Büchel“ präsentiert. Dieses Projekt geht weit über das Parkhausgelände hinaus und wird von den beiden Aachener Investoren Norbert Hermanns mit seiner Landmarken AG und Gerd Sauren mit seiner Aachener Immobilien Gesellschaft im Schulterschluss entwickelt.

Das Rennen in Sachen Masterplan machte das Architektenbüro Chapman Taylor. Der Entwurf mit neuen Wegeverbindungen, einem neuen Platz, luftigen Gebäuden und viel Grün wurde kräftig bejubelt – von der Politik, von der Verwaltung, von den Investoren. Am morgigen Donnerstag nun soll der nächste Schritt gegangen werden: Mit der sogenannten „Programmberatung“ soll der Startschuss für das Bebauungsplanverfahren fallen, damit im Laufe des Jahres 2018 mit den Bauarbeiten begonnen werden kann. Aber – wie könnte es am Büchel anders sein: Es gibt neuen Ärger.

Ökonomische Interessen?

Das hat damit zu tun, dass der aktuelle Entwurf des Masterplans, über den die Politik im Planungsausschuss – wie bei „Programmberatungen“ üblich zunächst nicht-öffentlich – berät, nicht mehr der vom Herbst 2015 ist. Er ist nämlich zwischenzeitlich durch das Siegerbüro überarbeitet worden. Die Änderungen, die an einigen Stellen durchaus gravierend sind, sorgen schon vorab für Kritik aus Reihen der Politik, die den neuen Entwurf bereits in einem interfraktionellen Gespräch präsentiert bekam.

Eine wesentliche Änderung ist, dass insbesondere der zentrale Bau, der das Parkhaus ersetzen soll, höher und wuchtiger daherkommt als ursprünglich. Teile der Politik wittern hier ein rein ökonomisches Interesse der Projektentwickler, um mehr in dem Komplex unterbringen zu können – Wohnungen zum Beispiel, die rund 50 bis 60 Prozent der Gesamtnutzung im Viertel ausmachen sollen.

Ein weiterer gravierender Punkt: Auf dem neuen Plan ist zu erkennen, dass die Antoniusstraße demnächst durch ein Gebäude quasi zweigeteilt werden soll und dann nicht mehr zu durchqueren wäre. So sollen offenbar die Wohnnutzungen auf der einen strikt vom neuen „Laufhaus“ – es soll die Bordelle in sich vereinigen – auf der anderen Seite getrennt werden. Die Investoren hätten den Rotlichbereich ohnehin lieber ausgelagert gesehen, doch das scheiterte an der Politik, die außer der FDP dagegen ist.

Planungsdezernent Werner Wingenfeld widerspricht hingegen, dass es hier besondere Rücksichtnahmen geben könnte: „Das ist kein Wunschkonzert der Investoren“, sagt er im Gespräch mit unserer Zeitung. Er sieht in den Änderungen „eine gute Grundlage für die weiteren Beratungen“. Dass es unterschiedliche Meinungen dazu gibt, ist ihm natürlich auch nicht verborgen geblieben. „Aber das ist ja nicht das Ende eines Prozesses, sondern der Anfang“, sagt der Stadtbaurat. Die „größere Baumasse“ am Büchel hält Wingenfeld für vertretbar. Bereist im 19. Jahrhundert sei das in diesem Bereich nicht anders gewesen. Auch die Unterbrechung der Antonius-straße hält der Dezernent für richtig. Das sei wegen der unterschiedlichen Pläne für die jeweiligen Teile der Straße sinnvoll, schließlich sollten in die Neubauten auch junge Familien mit Kindern einziehen.

Kritik beim Denkmalschutz

Weniger glücklich ist damit dem Vernehmen nach der städtische Denkmalschutz, schließlich würde dadurch eine historische Wegeverbindung in der Altstadt gekappt. Wingenfeld sagt, dass es mit den Denkmalschützern Gespräche gegeben habe. Denkbar sei eine Lösung, bei der an dem betreffenden Gebäude eine „Erinnerung an die vormalige Durchlässigkeit“ der Antoniusstraße angebracht wird – wie auch immer man sich das vorzustellen hat.

Insgesamt wirkt der neue Masterplan gleichwohl weniger luftig und weniger grün als der Siegerentwurf. Werner Wingenfeld betont in diesem Zusammenhang jedoch, dass es sich hierbei keineswegs um die zukünftige Architektur geht, sondern lediglich um die Rahmenbedingungen für die konkrete Ausgestaltung, die später folgen soll. Dennoch sehen Teile der Politik – insbesondere aus der Opposition, aber auch aus Reihen der Ratsmehrheit – wesentliche Merkmale des Wettbewerbs gefährdet. Offen ist deshalb, ob das Bebauungsplanverfahren morgen schon in die nächste Runde geschickt wird. Möglich ist auch, dass man erst einmal ein nicht unwesentliches Gespräch im September abwartet.

Dann sollen die Experten Professor Carl Fingerhuth und Professor Christa Reicher ihre Meinung zu den Änderungen sagen. Sie hatten als Vorsitzende der Wettbewerbsjury nämlich den Siegerentwurf maßgeblich mitgekürt.

Leserkommentare

Leserkommentare (3)

Sie schreiben unter dem Namen:



Diskutieren Sie mit!

Damit Sie Artikel kommentieren können, müssen Sie sich einmalig registrieren — bereits registrierte Leser müssen zum Schreiben eines Kommentars eingeloggt sein. Beachten Sie unsere Diskussionsregeln, die Netiquette.

Homepage aktualisiert

Finden Sie jetzt neue aktuelle Informationen auf unserer Startseite

Wieder zur Homepage

Die Homepage wurde aktualisiert