Büchel: Investoren pochen auf Abschottung des „Laufhauses“

Von: Stephan Mohne
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Das „Altstadtquartier Büchel“ aus zwei Blickwinkeln: Gestartet werden soll mit dem Bau des „Laufhauses“. Der große Diskussionspunkt an dieser Stelle ist die Unterbrechung der Antoniusstraße und damit die Abschottung des Bordells. Zweiter Bauabschnitt wäre das Parkhaus Büchel. Folgen würden der Nordwest- und der Südostblock. Ein weißer Fleck wird das Falter-Grundstück an der Nikolausstraße bleiben. Helmut Falter will keine neuen Wohnungen in Nachbarschaft von Bordellen bauen. Foto: Andreas Steindl
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„Wir halten uns an die Abmachungen, wenn die andere Seite sich auch daran hält“: Investor Gerd Sauren. Foto: Michael Jaspers

Aachen. Ein Projektpartner ist mit Helmut Falter schon von Bord gegangen. Also mal nachfragen bei Gerd Sauren, mit Norbert Hermanns – sie bilden die „Büchel Immobilien GmbH“ – einer der Großinvestoren in Sachen „Altstadtquartier Büchel“. Die Antwort fällt kurz und knackig aus: „Wir sind vertragstreu und werden uns an die Abmachungen halten.“

Wichtiger Nachsatz: „Wenn sich auch die andere Seite an die Abmachungen hält.“ Die seien von Beginn an klar formuliert gewesen: Das künftige „Laufhaus“, das in der Anto-niusstraße hin zur Mefferdatis-straße gebaut werden und die jetzigen Bordellbetriebe in sich vereinen soll, muss von der neuen Wohn- und Geschäftsbebauung abgeschottet werden. Sauren sagt wie Hermanns: „Es muss eine ganz klare optische und bauliche Trennung geben.“ Das sei die Grund-voraussetzung. Will sagen: Ohne diese Abschottung kein neues Altstadtquartier – jedenfalls nicht mit den beiden Investoren. Helmut Falter indes, der zwar vergleichsweise wenige, dafür aber städteplanerisch wichtige Grundstücke in dem Bereich besitzt, hatte unserer Zeitung gesagt, er werde dort keine Millionen investieren. Bordelle neben Wohnbebauung – die inklusive neuer Kita für Familien mit Kindern geeignet sein soll –, das sei undenkbar.

Ist es auch für Gerd Sauren – ohne besagte Abschottung. Und da reiche es nicht, „ein paar Poller aufzustellen“. Ursprünglich war mal vorgesehen, die Antonius-straße im Bereich des „Laufhauses“ mit einem Bauwerk zu verriegeln. Die Antoniusstraße wäre dann aus Richtung Nikolausstraße zur Sackgasse geworden. Da allerdings meldete die Polizei arge Bedenken an, weil das „Laufhaus“ dann nur von einer Seite aus erreichbar wäre. Was auch für Feuerwehr und Rettungsdienste gelten würde. Und der Denkmalschutz schlug zudem Alarm, denn die Antoniusstraße – sie hieß auch mal Mistgasse und auch mal Hurengasse – ist eine der ältesten Straßen Aachens. Danach wurde über eine Art großes Tor gesprochen, das dann im Bedarfsfall von Polizei und Feuerwehr geöffnet werden könnte. Die Polizei hält allerdings generell nichts von einer Abschottung.

Der Bordellbereich müsse für die Beamten jederzeit einsehbar sein, damit sich dort die Kriminalität nicht völlig unbeobachtet Bahn bricht. Überhaupt ist Weinspach für eine Verlagerung des Puffs heraus aus der Innenstadt. Er hat die Befürchtung, dass die Kriminalität trotz aller Bemühungen der Polizei in der Innenstadt ansonsten eher zu- als abnimmt. So wird es wohl auch in der Stellungnahme der Behörde im laufenden Bebauungsplanverfahren stehen, die allerdings noch nicht ganz fertig ist.

Die Polizei hatte laut Stadt um eine Fristverlängerung gebeten. Vielleicht auch deshalb, weil es am Donnerstag ein Spitzengespräch zwischen der Stadt und Polizeipräsident Dirk Weinspach geben wird, wie Planungsdezernent Werner Wingenfeld jetzt dem Planungsausschuss mitgeteilt hat. Auf Anfrage sagt Weinspach dazu: „Ich gehe davon aus, dass alle Beteiligten an einem konstruktiven Gespräch interssiert sind.“ Er halte solche Gespräche für richtig und wichtig: „Das ist genau das, was wir von Anfang an wollten.“

Die Lage ist vertrackt. Schlägt man die Bedenken der Polizei in den Wind und nimmt mögliche Gefahren in Kauf? Oder lässt man es mit der Abschottung und nimmt dann womöglich in Kauf, dass das ganze Projekt mangels Investoren platzt? Oder schwenkt man in die Stoßrichtung des Oberbürgermeisters um und sucht Alternativstandorte abseits der Innenstadt mit der Gefahr, von Bürgerinitiativen überrannt zu werden? Gerd Sauren jedenfalls sagt, es gebe keinen Dissens mit der großen Koalition im Stadtrat. Eben immer unter der Maßgabe, dass die Abschottung kommt.

Offen ist derweil, was mit dem Vertrag zur „Qualitätssicherung“ der künftigen Bebauung passiert. Einen Termin zur Unterzeichnung gab es bereits. Auf Anfrage unserer Zeitung hieß es am Montag beim Presseamt, dieser Termin sei von den Investoren „ohne Angabe von Gründen“ abgesagt worden. Einen neuen Termin gebe es bisher nicht. Gerd Sauren hat da seine eigene Sicht auf die Dinge. „Da sollten Nägel mit Köpfen gemacht werden. Aber es ist ja speziell seit der Absage des Polizeipräsidenten an besagte Abschottung nicht klar, ob das Ganze so durchführbar ist. Es gibt derzeit keine Basis für solch einen Vertrag“, sagt der Investor. Auch darauf bezogen, dass mit Helmut Falter einer der Vertragspartner jetzt abgesprungen sei. Und Gerd Sauren sagt: „Bei uns hat seitens der Stadt bisher niemand nachgefragt, welche Gründe wir hatten.“

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