Budget zu knapp: Wachdienst verlässt Aachener Museen

Von: Robert Esser
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Kunsthändler und Wachmann in
Kunsthändler und Wachmann in Aachener Museen: Peter Reimers Team trägt Gelb. Foto: M. Jaspers

Aachen. Natürlich ist es eine Kunst, mit immer weniger Geld auszukommen. In der Aachener Museumslandschaft treibt der Spardruck allerdings seltsame Blüten. Darum will das renommierte Sicherheitsunternehmen W.I.S. nicht mehr.

Man könne es nicht verantworten, weiterhin Wachpersonal für Aachens Musentempel abzustellen, teilt die Kölner Zentrale der Sicherheitsprofis mit. W.I.S. zog sich zum Jahreswechsel zurück. Knackpunkt ist der zugesagte Mindeststundenlohn in einem Paket, das fast eine halbe Million Euro schwer ist.

Statt der W.I.S. besorgt jetzt ein Kunsthändler aus Herzogenrath-Kohlscheid das private Wachpersonal für Ludwig Forum, Suermondt-Ludwig-Museum, Couven-Museum, Rathaus und Haus Löwenstein. Hinzu stößt weiteres städtisches Personal. Das kostet ein Vielfaches der jährlichen Museumseintrittsgelder. Und wenn Peter Reimer, der Kunsthändler und Gründer des „Euro Sicherheit Service”, nicht in seiner kleinen Galerie Bilder rahmt, dann sitzt er auch mal selbst an der Suermondt-Kasse. Dass ein Kunsthändler nun Aachens unermessliche Kunstschätze bewacht, klingt zwar dubios. „Aber wir kennen ihn lange, wir vertrauen ihm und seinen Mitarbeitern”, sagt Irit Tirtey vom Kulturbetrieb. So durfte Reimer, der früher für die W.I.S. arbeitete, auch direkt einspringen - weil die obligatorische europaweite Ausschreibung des Wachauftrags viel zu spät in die Wege geleitet wurde.

Rätselhaft ist den Großen der Wach- und Sicherheitsbranche allerdings, wie Reimer angesichts steigender Personalkosten mit dem für die Aufsicht der Museen von der Stadt zur Verfügung gestellten Etat auskommen will. W.I.S. hatte sich schon vor Jahren verpflichtet, bei der Entlohnung seiner deutschlandweit 4000 Mitarbeiter niemals den Mindesttarif von 7,95 Euro pro Stunde zu unterschreiten. „Zudem stehen weitere Tariferhöhungen im laufenden Jahr bereits fest”, erklärt Bastian Voosen, Leiter der Aachener W.I.S.-Dependance. „Damit ist die Bereitstellung von Sicherheitspersonal für die hiesigen Museen zu den finanziellen Rahmenbedingungen der Stadt für unser Unternehmen nicht mehr wirtschaftlich darstellbar. Denn wir werden uns auch in Zukunft an die Mindestlöhne halten”, sagt er.

Reimer beteuert, dass er seit Januar ebenfalls - wie von städtischer Seite gefordert - den Mindestlohn an seine Mitarbeiter zahlt. Ob er das nun länger als acht Wochen darf, ist offen. Denn das Vergabeverfahren läuft noch. Der Kulturbetrieb sucht demnach ein Sicherheitsunternehmen, das 28 000 Personalstunden bei einem Gesamtetat von 475 000 Euro für 2012 anbieten kann - natürlich inklusive Sozialabgaben etc.

Reimer betont, dass sein Kunsthandel und sein Sicherheitsservice, die unter einer gemeinsamen Büronummer erreichbar sind, scharf getrennt werden. Und: „Was wir verkaufen, ist weit unter den Werten angesiedelt, die man in den Aachener Museen findet. Das ist eine ganz andere Welt”, sagt er.
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