Budenzauber: Flocken füllen nicht die Kassen

Von: Robert Esser
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Sauberes Angebot: Sogar Stutenmilch-Seifen bietet Pia Caspar auf dem Weihnachtsmarkt an. Aber es kommen weniger Kunden als in den Vorjahren - was wohl vor allem am Winterwetter liegt. Foto: Michael Jaspers

Aachen. Mit den Flocken ist das so eine Sache: Einerseits versprüht der Budenzauber in diesen schneereichen Wintertagen eine sagenhafte Magie, andererseits leiden die Umsätze. Viele Händler auf dem Weihnachtsmarkt klagen - die einen mehr, die anderen weniger.

Bis zu 40 Prozent weniger Kundschaft zählt etwa Bonbonmacher Hartmut Gerhards auf dem Katschhof. „Die Medien haben mit ihrer Panikmache zur Terrorwarnung viele Gäste vergrault”, sagt er. „Sowas habe ich seit 25 Jahren nicht erlebt. Und viele Niederländer kommen nicht, weil sie Angst haben, in Deutschland wegen fehlender Winterreifen Knöllchen zu kriegen.” Auch Hans Stevens verkauft weniger seiner schmucken Lichthäuser: „Besonders die Belgier mochten das immer, aber die kommen viel seltener vorbei.”

Christina Dresse ärgert sich am traditionsreichen Nougat-Verkaufsstand. Vor ihrer Theke tasten sich am Freitagvormittag nur vereinzelt Besucher über die vereisten und gänzlich ungestreuten Wege voran. „Es ist eindeutig weniger los als in den Vorjahren”, erklärt sie. Pia Caspar bietet zwischen Dom und Rathaus feine Seifen an. „Wir wurden früher auch von Schulklassen bestürmt, die noch kleine Geschenke für ihre Eltern suchten. Aber es sind wesentlich weniger Kinder und Jugendliche als im Vorjahr auf dem Weihnachtsmarkt unterwegs”, erzählt sie.

Umsatzdebakel in Köln

Martin Luhn offeriert Schmuck, Keramik und Textilien. „Es ist weniger, aber noch kein Drama”, sagt er. „Wir hören von Kollegen, dass der Weihnachtsmarkt auf der Kölner Domplatte desaströse Umsatzeinbußen verkraften muss. Davon sind wir hier zum Glück noch weit entfernt.”

Genervt ist man allerdings vom Baustellenkrach, der vom Verwaltungsgebäude am Katschhof und vom Granusturm tönt. Beides ließ sich offenbar nicht verhindern - am Granusturm hätte man nach Auskunft der Stadt rund 500.000 Euro Fördergelder verloren, wenn man die Sanierung nicht noch 2010 angegangen wäre (wir berichteten).

Auf all diese Umstände hat der Veranstalter des Weihnachtsmarktes, der Märkte und Aktionskreis City (MAC), natürlich keinen Einfluss. „Die erste Weihnachtsmarktwoche war - vor allem was die Bustouristen angeht - auf Vorjahresniveau, die zweite war aufgrund der extremen Wetterbedingungen deutlich schlechter”, sagt Geschäftsführer Manfred Piana. Viele ausländische Reisegruppen hätten ihre Reisen nach Aachen storniert, heißt es. Doch am Samstag habe man mit 240 Bussen an nur einem Tag sogar den Rekord des Vorjahres übertroffen, rechnet er vor. Trotzdem: „Wenn es schneit, ziehen sich die Besucher offenbar schneller aus den Budengassen zurück”, erklärt Piana.

Den Eindruck, dass insgesamt weniger Besucher im Budenzauber unterwegs sind, könnte auch die neue Platzordnung mit breiteren Wegen und der Ausweitung auf den Münsterplatz verstärken, glaubt Piana. Wobei die Entzerrung des Hüttendorfs in Aachens Altstadt bei Händlern und Besuchern sehr gut ankomme.
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