Budenzauber auf dem Weihnachtsmarkt: Kommen die Printen zu kurz?

Von: Robert Esser
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Geschmackssache? Typische Aachener Kräuterprinten sind nicht nur hier ein echter Renner - auch wenn Weihnachtsmärkte in Hamburg und Köln laut Budenbetreiber Pascal Raviol besser laufen. Foto: Michael Jaspers

Aachen. Nicht nur Wind und Wetter können die Stimmung trüben: Der Weihnachtsmarkt verschenke Potenzial und touristische Anziehungskraft. Das behauptet Pascal Raviol, der seit Jahren in Hamburg, Köln und eben in der Kaiserstadt ausgesuchte Printen-Spezialitäten verkauft.

Der weit gereiste Ex-Pressesprecher des Circus Roncalli zieht am 11. von 34 Tagen des Öcher Budenzaubers kritisch Zwischenbilanz: „Anderswo boomen die Weihnachtsmärkte, die Umsätze steigen von Jahr zu Jahr - aber Aachen stagniert.”

Natürlich sei das erste Drittel der Weihnachtsmarktzeit völlig verregnet gewesen, was viele Besucher ferngehalten habe, räumt Raviol ein. Trotzdem seien Angebot, Dekoration und Atmosphäre in anderen Städten mit kleineren „Fressmeilen” attraktiver.

„Die haben gemerkt: Es reicht nicht, wenn ich nur eine Tannengirlande vor die Imbissbude hänge, die sonst auf der Kirmes steht.” Köln setzt auf Mottomärkte - zu Themen wie „Engel” und „Heinzelmännchen”.

„Imbiss-Überfluss” in Aachen? Gastronom Alwin Fiebus, der neben Glühwein gastliche Gaumenfreuden von Fritte bis Flammkuchen über seine Theken reicht, widerspricht: „Wir haben schließlich eine grundsätzliche Versorgungspflicht für rund 1,5 Millionen Besucher des Aachener Weihnachtsmarktes.”

Der Geschäftsführer des Märkte- und Aktionskreises City (MAC), Manfred Piana, rechnet vor, dass der Anteil der 17 Getränke- und Imbissbuden unter den 122 Ständen unter 14 Prozent liegt. Hingegen finde man 14 Anbieter für Printen und Süßwaren sowie 81 Verkaufsstände „Geschenke& Kunsthandwerk”.

„Wir legen Wert auf Öcher Flair: 84 der 122 Budenbetreiber stammen aus der Städteregion Aachen - das sind fast 70 Prozent”, sagt Piana. „Klar ist aber, dass in Krisenzeiten gezielter und damit etwas weniger gekauft wird.”

Dass der Weihnachtsmarkt zu wenig beschauliches Kunsthandwerk und zu viel Gastronomie biete, wird dem MAC - alle Jahre wieder - vorgehalten.

Werbewirksamer wäre nach Meinung einiger Kritiker etwa der Name „Weihnachtlicher Printenmarkt”, womit man sich von Mitbewerbern absetzen könne. Sonst sei es Touristen bald bestenfalls gleichgültig, ob sie zum Budenzauber nach Aachen oder gleich in die größere Einkaufsstadt Köln pilgern, warnen einige Marktbeschicker.

Eine durchwachsene Stimmungslage diagnostiziert Rebecca Sommer, die im Domschatten niedliche Wichtel-Figuren feilbietet: „Zwar war die erste Woche viel leerer als sonst, aber nicht unbedingt umsatzschwächer.” Nebenan türmt Ortrud Spang Spielzeug im Holzverschlag auf. „Die erste Woche ist doch immer die schlechteste”, klagt sie. Kollegin Doris Leubner sortiert Eifeler Köstlichkeiten: „Die 170.000 LED-Lämpchen an neuen Girlanden kommen prima an. Die Aachener schlagen schon zu, wenn´s Wetter jetzt mitspielt.”

Im Jahresvergleich blieb bislang zumindest die Zahl der Touristen stabil, die in Reisebussen angekarrt wurden: 14.500 Gäste - mehr als ein Drittel aus dem Ausland. In der traditionell stärksten, dritten Woche erwartet MAC-Geschäftsführer Piana weit über 600 Busse - „und damit eine Verdopplung”. Und der zwölf Meter hohe Printenmann auf dem Katschhof werbe unübersehbar für Aachens Vorzüge - trotz Wind und Wetter.
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